Cavus- Künstlerdorf im Herzen Anatoliens
- Ein Reisebericht -
Selbst organisierte Reisen können zu unvergesslichen Erlebnissen führen und die Kreativität fördern. Einfacher wäre es, zu einer Reiseagentur zu gehen und die Urlaubswünsche aufzuzählen. In ein paar Minuten erhält man: einen Namen, eine Hochglanzbroschüre und weitere Details. Das Angebot ist nicht auf den Reisenden zugeschnitten, da oft eine Gruppenreise organisiert wird. Ebenfalls werden Reisen an festgelegte Orte organisiert, die von Touristen überfüllt sind.
Indem man den Urlaub selbst organisiert, entsteht die Möglichkeit, Land und Leute weit weg von den Touristenströmen kennenzulernen. So ein Urlaubsbeispiel wäre Çavuş, ein kleines Dorf in der Mitte der Türkei. Mithilfe einer kleinen Recherche im Internet konnte ich Näheres über dieses Dorf erfahren und verbrachte einen selbstorganisierten Urlaub dort.
Çavuş ist in der Römerzeit entstanden; das Dorf befindet sich in der Nähe der Stadt Beyşehir.
Um nach Çavuş zu kommen, bin ich aus Istanbul nach Konya geflogen und habe geplant, nachher Richtung Antalya zu fahren. Da ich kein Türkisch spreche, habe ich im Flughafen in Konya einen Busfahrer mit Handzeichen nach dem Künstlerdorf gefragt, dieser hat mich jedoch zur Bushaltestelle gefahren. Umwege können ebenfalls ein aufregend und interessant sein, obwohl ich in dem Augenblick sehr wütend war. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es einen Shuttlebus gab, der während des Festivals regelmäßig ins Dorf fuhr. Der Umweg hat sich trotzdem gelohnt, da ich zwei Stunden lang durch eine kaum bewohnte Gegend gefahren bin. Der Bus war ziemlich klein, also rückten wir uns näher, als uns lieb war. Ein kleiner Junge schaute mich neugierig an, wahrscheinlich war mein Kleidungsstil zu ungewohnt für ihn. In Beyşehir angekommen, musste ich da warten. Der Busfahrer war jedoch besonders freundlich und brachte mich ins Büro eines Kollegen. Dieser konnte mir Geld wechseln und hatte mir zu Essen und Trinken angeboten. Er wollte sich auch unterhalten, was aber wegen der Sprachbarriere unmöglich war.
Nach einer Stunde Warten wurde ich abgeholt und wir sind ins Dorf gefahren. Vorher sind wir noch stehen geblieben, um die Eşrefoğlu Camii Moschee in Beyşehir zu besuchen. Das Besondere an dieser Moschee aus dem dreizehnten Jahrhundert ist, dass sie aus Holz gebaut wurde.
In Çavuş kann man im Dorf selber wohnen oder im benachbarten Beyşehir. Falls kein persönliches Auto verfügbar ist, ist die Unterkunft in Çavuş empfehlenswert. Jährlich findet ein Musikfestival im Dorf statt, wo Künstler aus Istanbul ankommen und vorführen. Das Künstlerdorf wird ständig erweitert und dies kann auch für Touristen außerhalb der Türkei vorteilhaft sein, da man sich selber organisieren kann. Man ist auch nicht an einem festen Plan gebunden. Das Besondere am Wohnen im Künstlerdorf ist die Anpassung der Häuser an traditioneller Bauweise. Besonders angenehm empfand ich es, auf Matratzen auf dem Boden zu schlafen und die Stille der Natur zu genießen. Die Architektur des Künstlerdorfes ist dem „Land Art“ angelehnt, was für Liebhaber traditioneller Architektur besonders spannend sein kann. Das Festival richtet sich zurzeit noch an einheimische Künstler, es sollen aber in den nächsten Jahren auch internationale Künstler eingeladen werden.
Die Reise kann Richtung Antalya weitergehen. Eine Auto- oder Busreise ist empfehlenswert, da der Weg über Serpentinen führt und ein guter Ausblick auf das Meer bietet. Ich empfehle die Übernachtung beim Hotel „Reutlingen Hof“, hier besteht die Möglichkeit, auf Deutsch zu kommunizieren, falls die Englisch- oder Türkischkenntnisse begrenzt sind. Trotz der langen Reise durch das Gebirge bietet sich die Möglichkeit, Einheimische zu treffen. In regelmäßigen Abständen sind kleine, improvisierte Läden am Straßenrand aufzufinden. Hier können hauptsächlich Früchte gekauft werden, was ich auch getan habe.
Als Endstation kann man das Fischerdorf Kaş wählen, wo es trotz einheimischer Touristen ruhig zugeht. Das Nebeneinander von Gebirge und Meer kann zum Wandern oder Schwimmen benutzt werden. Oder einfach zum Einkaufen von örtlich gemachten Kunstwerken aus Stein oder Glas. In Kaş herrscht Mittelmeerklima, sodass der Aufenthalt besonders angenehm war.
Weinrauch Odette- Clara
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