Der Weg ist das Ziel - Allein unterwegs in Dublins Umgebung
- Ein Reisebericht -
Seit ich 2008 den Sommer über in Irland als au pair arbeitete, ließ mich die Faszination für dieses wunderbare Land nicht mehr los. Klar, dass da ein selbstorganisierter Urlaub in Irland längst überfällig war.
Die Entscheidung für eine Woche allein nach Irland zu fliegen, um in Erinnerungen zu schwelgen, traf ich erst zwei Wochen vor Abflug. Trotzdem konnte ich noch, für irische Verhältnisse, recht günstige Flüge von Wien nach Dublin mit Aer Lingus organisieren.
Wegen geänderter rechtlicher Bestimmungen, betreffend des Mindestalters für die Autoanmietung, musst ich meinen Plan eine kleine Rundreise zu wagen, verwerfen und verlegte kurzerhand meinen „Stützpunkt“ nach Dublin. Dublin
Ich buchte ein Einsternhotel in Zentrum. Da ich es definitiv nicht weiterempfehlen kann, bleibt es hier unerwähnt.
Im Vorfeld hatte ich schon einige Recherchen zu öffentlich erreichbaren Ausflugszielen in der Nähe getätigt, ohne einen konkreten Plan zu entwickeln. Ich wollte mir Luft lassen, für etwaige Regentage und Shoppingtouren. Einleitend zu erwähnen bleibt noch, dass ich Dublin schon von meinem früheren Aufenthalt kannte und daher mein Augenmerk eher auf Sehenswürdigkeiten in der Umgebung richtete.
Hier nun mein Bericht über den tollsten Urlaub in Dublin und Umgebung und das geglückte Experiment mit öffentlichen Verkehrsmitteln so viel wie möglich zu erkunden:
18°C, bewölkt und in voller grüner Pracht: Irland empfing mich Mitte Juli ganz so, wie ich es in Erinnerung hatte. Nachdem ich komplikationslos mit dem Flughafen Shuttle der „Dublin Bus“ Gesellschaft ins Zentrum gefahren war, bezog ich erst mal mein Zimmer, das bestimmt schon bessere Tage gesehen hatte. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit einem Spaziergang auf der O’Connell Street, ehe ich am Abend in meiner irischen Lieblings-Fast-Food-Kette, Eddie Rockets, dinierte. Diese, im Stil der 50er eingerichteten Läden, servieren große und sehr gute Burger, Pommes und Ähnliches.
Das Ausflugsziel am nächsten Tag, ein Sonntag, hieß Glendalough. Glendalough
Den Zeitpunkt für diesen Ausflug hatte ich bewusst gewählt, denn eine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist nicht gegeben. Lediglich das Familienunternehmen „Glendalough Bus- St. Kevins Bus Service“ fährt täglich zweimal hin und retour. Am Wochenende ist die Aufenthaltsdauer mit fünf Stunden fast eine Stunde länger als werktags. Also Zeit genug für mich die an zwei Seen gelegenen Klosterruinen im „Wicklow Mountains National Park“ hinter mir zu lassen und eine kleine Wanderung in den Bergen zu unternehmen. Unterschiedliche, verschieden farbig beschilderte Wanderwege führen rund um den See oder in die Berge, an steilen Klippen vorbei. Ich entschied mich für die blaue Variante, einem Weg direkt am Rand der Klippen.
Eine atemberaubende Aussicht über die beiden Seen und die Ruinen belohnte mich schließlich für den durchaus sehr anstrengenden Aufstieg. 600 Treppenstufen führen hinauf zu dem eigentlichen Wanderweg am Abgrund.
Die wunderschöne aber dennoch raue Landschaft verzauberte mich auf Anhieb. Die Seen, die steilen Flanken der Berge und die düstere Bewölkung verbreitete eine so mystische Atmosphäre, dass ich verstand, warum die Menschen im 11. Jahrhundert diesen Ort für den Bau eines Klosters auswählten.
Müde aber glücklich und um eine spirituell anmutende Erfahrung reicher kehrte ich am Abend nach Dublin zurück.
Nach den körperlichen Ertüchtigungen vom Vortag verbrachte ich den nächsten Vormittag ganz entspannt. Schlendernd erforschte ich die Straßen Dublins und sog mit jedem Atemzug das irische Lebensgefühl in mich auf. Am Nachmittag verließ ich die Stadt mit der "Dublin Bus" Gesellschaft in Richtung Enniskerry, ebenfalls im weitläufigen "Wicklow Mountains National Park" gelegen. Enniskerry
In der Nähe dieses beschaulichen, typisch irischen Dorfes befindet sich das Herrenhaus "Powerscourt Estate" mit traumhafter Gartenlage. Das Beste an dieser fantastischen Anlage ist, dass sie fast ausschließlich von Einheimischen besucht wird, also ein echter Insider-Tipp. Ich genoss die Zeit, wanderte rund um den zentralen Springbrunnen, entdeckte den japanischen Garten, die herrliche Farbenpracht der Blumenbeete und verweilte immer wieder an kleineren Wasserstellen.
Die Iren sind katholisch, aber das sie sogar zum Biertrinken in eine Kirche gehen, das wusste ich nicht. Als ich mit dem Bus auf dem Weg zurück in die Stadt war, erhielt ich den Tipp, doch einmal "The Church", zu deutsch "Die Kirche", in der Nähe der O'Connell Street zu besuchen. Neugierig geworden, macht ich mich auf den Weg und tatsächlich, das Pub befindet sich in einer umgebauten Kirche. Glasfenster und Orgel, sowie Stuckverzierungen sind original erhalten. Eines steht fest, ich habe noch nie ein Bier in so atemberaubender Atmosphäre getrunken.
Früh morgens am nächsten Tag meines Urlaubs in Irland fuhr ich mit dem Regionalzug "DART" nach Howth, dem Wochenenddomizil gestresster, vermögender Dubliner. Howth
Bei strahlendem Sonnenschein, keiner einzigen Wolke am Himmel und unglaublichen 26°C marschierte ich auf einem Rundwanderweg direkt neben steilen Klippen an der Küste entlang. Der Ausblick war traumhaft. Immer wieder konnte ich auch einen Blick zurück auf den Hafen von Howth werfen oder Vögel in ihrern Behausungen direkt in den Klippen beobachten. Das imposanteste Bild bot jedoch ein Leuchtturm, der auf einer kleinen Landzunge steht. Wer keine Zeit hat die Cliffs of Moher im Westen zu besuchen, dem empfehle ich nach Howth zu fahren, denn Klippen und Irland, das gehört zusammen wie Tag und Nacht.
Den Rest des Tages verbrachte ich in Malahide, besuchte das mittelalterliche Schloss und tauchte meine Zehen in das eisig kalte Meer. Malahide
Bei einem gemüdlichen Glas Cider, einem Getränk aus vergorenenem Apfelsaft, und traditioneller Livemusik im Szeneviertel Temple Bar in Dublin ließ ich diesen wunderschönen Tag Revue passieren.
Die letzten beiden Tage verbrachte ich mit Sightseeing und ausgedehnten Shoppingtouren in Dublin. Ein Rundgang im viktorianischen Viertel stand ebenso auf dem Plan, wie ein Besuch im "Guinness Storehouse".
Mit ungefähr 1000 Fotos im Gepäck endete meine selbstorganisierte Reise und ich kehrte wehmütig nach Hause zurück. Dieser Urlaub in Irland wird mir wohl lange in Erinnerung bleiben. Ich liebe das Land, die Menschen und die Kultur. Ich hoffe, dass ich schon bald wieder auf Irlands Pfaden wandern werde.
Cornelia Tauchner
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