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Der erste Urlaub in Asien und seine beachtlichen Folgen

- Ein Reisebericht -

Urlaub in Thailand - schon bevor ich sie antrat, war an dieser Reise alles ungewöhnlich. So sind ja gerade Urlaubsreisen zu solch weit entfernten Destinationen normalerweise lange im Voraus geplant und dabei ein Pauschal- oder Cluburlaub. Nun, ich wusste gerade einmal zwei Wochen vor meinem Abflug, dass ich in Thailand Urlaub machen würde. Das fiel jedoch nicht weiter ins Gewicht, war doch an diesem selbstorganisierten Urlaub wirklich alles außergewöhnlich. Selbst jetzt, einige Jahre später, ist mir dieser Aufenthalt in Thailand noch sehr gut im Gedächtnis, sind schließlich die Auswirkungen heute noch präsent. Dazu aber später mehr ...

Angefangen hatte alles mit einem unschönen Ereignis: Kurz zuvor hatten meine damalige Frau und ich beschlossen, dass es wohl besser wäre, wenn jeder von uns sein zukünftiges Leben wieder auf eigenen Wegen ergründet, oder, etwas weniger nett umschrieben - wir trennten uns. Was mir alles durch den Kopf ging: 13 Jahre zusammen, im siebten Ehejahr die Trennung. Wir erfüllten wirklich alle Klischees - vom verflixten Siebten bis zur Unglückszahl 13. Grund genug, mit einem langjährigen Bekannten darüber zu sprechen, welcher ganz zufällig in Thailand lebte. So kam es, wie es kommen musste. Zum Abschalten sollte ich ihn einfach für ein paar Wochen in Thailand besuchen. Ich musste nicht lange überlegen, ein paar Stunden später hatte ich schon das Flugticket gekauft.

Mit meinem Bekannten begann ein reger E-Mail-Wechsel - denn, offen und ehrlich - ich hatte keine Vorstellung von Thailand. Ich kannte es so, wie es wohl jeder kennt, daher hatte ich diese Vorstellung vom alleinstehenden, unattraktiven, in einer Bar sitzenden Europäer ab 50 im Kopf, folglich schoss mir immer wieder der Ortsname "Pattaya" durch den Kopf. Allerdings lebte mein Bekannter in Mae Sot. Dorthin wollte er mich direkt vom Flughafen in Bangkok bringen. Also fragte ich ihn Löcher in den Bauch, wo denn Mae Sot nun genau sei. Selbst, als er mir erklärte, dass das an der Grenze zu Myanmar, dem ehemaligen Burma, wäre, hatte ich nur eine vage, jedoch im Nachhinein betrachtet, extrem naive Vorstellung. Ich war der Meinung, die 500 km hoch in den Norden Thailands ging es auf unbefestigten Straßen durch ausgedehnte Dschungelgebiete. Ich hatte diese Camel-Trophy Bilder im Kopf, diese Rallyes durch den Urwald. Die letzten Tage bis zum Abflugtermin vergingen dann ziemlich schnell bei all diesem Grübeln. Zudem musste ich meine Firma noch so weit in Ordnung bringen, dass diese ein paar Wochen ohne mich auskommen würde. Dann saß ich auch schon im Flieger nach Thailand. Ich kann mich noch heute an die Aufregung erinnern, schließlich war es ein Flug ins Unbekannte.

Erst wollte der indische Subkontinent beim Überfliegen nicht enden, plötzlich ging es dann schon im Landeanflug über Myanmar auf Bangkok zu. Und war ich in München im März bei dichtem Schneetreiben in den Flieger gesprungen, lief ich hier beim Verlassen der Maschine erst einmal gegen eine gefühlte Wasserwand von geschätzten 40 Grad Celsius. Eine solch hohe Luftfeuchtigkeit kannte ich nicht. Sie hat mich später oft fasziniert, sind doch zum Beispiel geöffnete Chips bereits nach einer halben Stunde weich. Jedenfalls war ich im Umdrehen komplett nass - und das ohne Regen! Die Passkontrolle war nicht wirklich spektakulär, und mein Bekannter wartete im Eingangsbereich des damaligen Bangkok Airports, dem Don Muang Flughafen. Seine Lebensgefährtin begrüßte mich mit dem in Thailand typischen Wai, nur fiel mir das nicht sonderlich auf, war ich doch mit all diesen neuen Impressionen beschäftigt. So ging es im Anschluss an die Begrüßung direkt zum Auto, dann 500 km weiter nach Mae Sot. Und bereits hier war ich mehr als überrascht, all meine Vorstellungen platzten wie Seifenblasen.

Hier war nichts von Dschungel und Trampelpfaden, Elefanten und Affen zu sehen. Stattdessen, McDonalds, KFC, Burger King und viele andere Franchise-Ketten auf dem dreispurig ausgebauten Highway, der an endlos vielen Reisfeldern schnurgerade in den Norden führte. Die erste Abwechslung kam erst 400 km später, als wir von dieser Autobahn kommend, die letzten 80 km durch die Berge nach Mae Sot fuhren. Hier war nicht mehr an Schlafen zu denke, war die Straße doch extrem kurvig, und entgegenkommende Pkw und Lkw tauchten immer mal plötzlich auf unserer Straßenseite aus dem Nichts einer unübersichtlichen Kurve auf. Denn hier nutzt jeder die gesamte Straßenbreite. Kommt Gegenverkehr - soll der doch ausweichen! Endlich in Mae Sot angekommen, war trotz der langen Fahrt von 12 Stunden alles bestens. Wir saßen beim Haus von meinem Bekannten am Swimmingpool, gönnten uns ein eiskaltes, thailändisches Bier, und ich lies alles auf mich wirken. Bei 30 Grad Celsius um 23.00 Uhr am Pool zu sitzen, war für mich eine neue, aber sehr angenehme Erfahrung.

In den folgenden zwei Wochen hatten wir ständig ein volles Programm. So hieß es heiße Quellen besuchen in Mae Kasar, Wasserfälle begutachten Richtung Umphang, wo die Berge bis auf knapp 2.000 Meter anwachsen. Am meisten angetan war ich dabei vom thailändischen Essen. Obwohl Reis nicht zu meinem bevorzugten Speiseplan gehörte, war das Essen fantastisch, vor allem die Schärfe war meine Welt. Wir besuchten unzählige Bekannte, und nicht nur an einem Abend musste ich den thailändischen Reisschnaps, Laokao, trinken. Wahrlich ein Mittel für starke Kopfschmerzen. Und all diese Klischees von Bars etc. - nicht hier im Norden Thailands. Es war einfach grandios. So fragte mich mein Bekannter, ob ich nicht interessiert wäre, vielleicht hierher zu ziehen, und es kam, wie es kommen musste. Noch während ich in Thailand war, kaufte ich für drei Monate später das nächste Flugticket zurück nach Thailand. Für mich gab es nicht viel zu überlegen. Die zwei Wochen Urlaub vergingen wie im Flug.

Zu Hause angekommen hatte ich keine Zeit, alles setzen zu lassen, denn mein Entschluss war gefasst. Ich musste mich die nächsten Wochen darauf konzentrieren, alles zu verkaufen, und wirklich bis zum letzten Tag war ich damit beschäftigt. Das war im Juni 2008. Damals bin ich zurück nach Thailand, seither war ich nie wieder in Deutschland. Und selbst heute, Jahre später, habe ich keinerlei Intentionen, jemals nach Deutschland zurückzukehren. Ich fühle mich einfach viel zu wohl hier. Von Zeit zu Zeit versuche ich mir vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn ich jetzt nach Deutschland zurück müsste. Dann resümiere ich die letzten Jahre, um immer zum selben Schluss zu kommen: die letzten sechs Jahre waren gefühlt höchstens ein paar Monate, so toll ist es hier. Sonne pur, warmes Wetter pur, freundliche Menschen pur. Somit kann ich behaupten, die Entscheidung damals, Deutschland den Rücken zu kehren, war eine der besten meines Lebens. Hat die Welt doch so viel Schönes zu bieten. Und so ist aus einem ungewöhnlichen Urlaub ein ungewöhnliches Leben geworden.

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