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Ein selbsorganisierter Urlaub in Marrakesch

- Ein Reisebericht -

Im Frühling 2010 hatte ich mich mit einigen Freunden, nach einer langen und hitzigen Diskussion, auf einen fünftägigen Aufenthalt in der Stadt Marrakesch geeinigt. Dieser selbstorganisierte Urlaub sollte 5 Tage dauern und durchaus auch kleine Ausflüge in die Wüste beinhalten. Eine klassische Städtereise lehnten wir jedoch auf Grund der schlechten Infrastruktur und weiten Wege ab.

Nach einem langen Flug landeten wir also, mit einem Zwischenstop in Casablanca, am Flughafen Marrakesch-Menara in der Hauptstadt des Königreiches von Marokko. Dort konnten wird gleich die gemütliche Art der Marokkaner bestaunen, die ein sehr freundlichen und ruhigen Eindruck auf uns machten. So wurden wir schon nach wenigen Minuten auf marokkanischem Boden zu einem Abendessen auf dem weltberühmten Djemaa el Fna, dem zentralen Platz der 920000 Einwohner umfassenden Stadt, eingeladen. Nach dem einchecken im landestypisch eingerichteten Hotel beschlossen wir jedoch den ausgemachten Treffpunkt schon vor der Abenddämmerung aufzusuchen und fanden einen pulsierenden Marktplatz vor Djemaa el Fna.

Auf Nachfrage wurde uns jedoch erzählt, dass es noch gar nicht so lange her sei, dass der Platz mit dem klangvollen Namen "Versammlung der Toten" eine ganz andere Funktion hatte. Die Sultane verwendeten vor vielen hunderten von Jahren den Djemaa el Fna als Hinrichtungsstätte und stellten die Toten hier zur Schau. Heute ist davon jedoch wahrlich nichts mehr zu sehen und bald müssen wir auch einsehen, dass der von der UNESCO verteilte Titel eines Meisterwerkes des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit bei einer dauerhaften von allen Seiten kommenden Beschallung durch Straßenmusiker, Wahrsager und Schlangenbeschwörer, durchaus verdient ist. Menschen aller Nationen, die von den nicht gerade zurückhaltenden Händlern pausenlos zum Kauf animiert wurden, schoben sich an den hunderten Verkaufsständen vorbei. Gegen die Menschenmassen anzukommen ist, wie wir auch bald feststellen mussten, eine nicht zu unterschätzende Aufgabe und so ergaben wir uns schnell unserem Schicksal und ließen uns von dem Strom leiten. Doch schon bald kamen von dem Hauptplatz ab und landeten in einer der vielen kleinen Seitenstraßen. Soweit das Auge sehen konnte reihte sich Geschäft an Geschäft und nach einigen Minuten müssten wir akzeptieren, dass wir in dem Wirrwarr der Straßen die Orientierung verloren hatten. Doch inspiriert von der lockeren Art der Marokkaner ließen wir uns nicht beunruhigen und fanden, durch die Unterstützung eines zuvorkommenden Händlers, auch schnell wieder den Weg zurück zum Djemaa el Fna. Hier fand dann auch unser äußerst interessantes Abendessen statt, bei dem wir viele Insidertipps bekommen haben.

Dass Marrakesch ein wunderbarer Ort für einen Urlaub ist, darüber waren wir uns alle einig. Auseinander gingen die Meinungen jedoch beim marokkanischem Essen. Nach fünf Tagen ließ sich eindeutig feststellen, dass alle Restaurants und "Fressstationen" die wir aufgesucht haben, immer genau die gleichen drei Gerichte hatten. Zudem löste ein marokkanisches Gewürz, dass ungefähr wie Spülmittel, keine Begeisterungsschreihe aus. Der dezente Beigeschmack wurde jedoch von der ungeheuren Gastfreundschaft der Marokkaner ausgeglichen. Nicht selten ließen uns einige kostenlose Liter mehr Wein, als wir tatsächlich bestellt hatten, das Essen vergessen und bescherten uns in unserem selbstorganisiertem Urlaub unvergessliche Nächte.

Unvergesslich waren auch die Besuche in der nicht weit entfernten Wüste Akrima , die wir einige Tage später antraten, sowie die unzähligen Moscheen, wie beispielsweise die Koutoubia Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Auch die Agdal-Gärten und Menargärten, die übrigens allesamt zum UNESCO-Welterbe gehören sorgten für viel Begeisterung. Allein der marokkanische Serienmeister im Fußball, Kawkab Marrakesch, konnte uns nicht überzeugen und so waren wir nach 5 ereignisreichen Tagen dann letztlich doch wieder froh die Heimreise in das deutlich ruhigere und besser organisierte Deutschland anzutreten.

M. Berkenkamp

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