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Ile de Beauté

- Ein Reisebericht -

Als wir, das sind meine Ehefrau Marianne und ich, diesen Begriff zum ersten Mal hörten, befanden wir uns gerade auf ihr, auf der „Insel der Schönheit“. Drei Worte, die eine Insel umschreiben, die an landschaftlicher Vielfalt, dem Duft blühender Macchia, anspruchsvollen Wanderwegen, endlosen Badestränden und selbst im Sommer schneebedeckten Hochgebirgszügen kaum zu übertreffen ist. Korsika heißt dieses Eiland und es birgt eine große Gefahr in sich. Es macht süchtig. Im Jahr 1992 verbrachten wir unseren ersten Urlaub auf Korsika und seitdem hat uns dieser Zauber nie wieder los gelassen. Wir haben es versucht, vergeblich. Drei Jahre Abstinenz bedeuteten den Gipfel der Sehnsucht und im heißen Juli 2011 haben wir endlich wieder zwei Wochen Urlaub in unserer Ferienanlage an der Ostküste verbracht. Nun stehen wir an der Reling der „Corsica Ferries“, es ist Nacht und die in ein charakteristisch goldgelbes Licht getauchte Silhouette von Bastia wird allmählich kleiner. Dunst zieht auf, die Schiffsdiesel stampfen, wir hören es kaum. Unerbittlich durchschneidet die Fähre die Wellen des Mittelmeeres und strebt dem italienischen Livorno entgegen. Unsere Gedanken rufen die vergangenen zwei Wochen zurück, denn sie hat uns wieder süchtig gemacht, unsere „Ile de Beauté“.

Für unsere selbstorganisierte Reise hatten wir die Route über die Schweiz genommen. Über die A2, den St.Gotthard-Tunnel und in Italien wurde die Fahrt über Mailand, Parma und Pisa wie immer zum stundenlangen Kolonnenverkehr. Die Mühe lohnt sich, denn wer Korsika erleben will, braucht sein eigenes Fahrzeug. Wie immer hatten wir in Tirrenia, 10 Kilometer vor Livorno unser Iglu auf einem der zahlreichen Campingplätze aufgeschlagen. Diese Übernachtung gab uns die Sicherheit, am nächsten Morgen pünktlich 8.00 Uhr an der Fähre zu sein. Vier Stunden Überfahrt brachten uns zu unserem Ankunftshafen Bastia und nach zirka siebzig Kilometern auf Korsikas Nationalstraße waren wir an unserer Ferienanlage in der Nähe von Bravone angekommen. Wir sind begeisterte Anhänger der Freikörperkultur und hier können wir uns frei bewegen. Ferienanlagen, Campingplätze, Privatunterkünfte, Ferienhäuser und –wohnungen, FKK oder Textil – Korsika bietet jedem Urlauber das, was seinen Vorstellungen entspricht. Mit einer Ausnahme, denn die andernorts in den Urlauberzentren vorherrschenden Hotelburgen gibt es auf diesem französischen Eiland nicht. Belohnt wird dieser eingeschränkte Massentourismus mit Ungezwungensein ohne die in Reih und Glied ausgerichtete Sonnenliegen, mit viel Platz für alle Urlaubsgäste und unzähligen Möglichkeiten, diese schönen Tage zu verbringen.

Wir fahren nicht nur in den Urlaub, um tagelang in der Sonne am Strand vor uns hin zu brutzeln. Obwohl uns der kilometerlang zum FKK freigegebene feine und breite Sandstrand sogar einlädt, stundenlang am Wasser entlang zu promenieren. Wir nutzen diese Möglichkeit, denn wo sonst ist eine solche Ungezwungenheit möglich. Dennoch wollen wir auch immer in unserem Urlaub Land und Leute kennen lernen. Deshalb haben wir uns einen Rhythmus von zwei Tagen Ausruhen und Faulenzen angewöhnt, um im Anschluss daran einen Ausflugstag einzulegen.

Unser erster Ausflug führte uns zunächst über Corte im Inland nach Porto an der Westküste. Atemberaubend war dabei wieder die Fahrt durch die Scala di Santa Regina. Hier schlängelt sich das schmale Asphaltband zirka 15 Kilometer in endlosen Windungen durch das Tal des Flusses Golo. Mehr als einhundertfünfzig Meter hoch ragen links und rechts die Felswände in den Himmel und Konzentration ist gefragt. Autofahren auf Korsika ist anstrengend und man sollte höchstens 35 Kilometer Wegstrecke pro Stunde einplanen. Jede Haltebucht hatten wir genutzt, um dieses Naturschauspiel mit seinem schwarzen, von der Sonne mit glitzernden Flecken dekorierten Granitgestein zu betrachten. Für jeden, der Porto besucht, ist ein Ausflug in die fünf Kilometer entfernte Calanche ein unbedingtes Muss. Auch wir durchwanderten wieder diese schmale Straße mit ihrem niedrigen Begrenzungsmäuerchen entlang der tiefen Felsschluchten. Der Anblick der rötlich bizarren, fast grotesk wirkenden Felsformationen versetzte unsere Gefühle einmal mehr in tiefe Ehrfurcht vor der natürlichen Schönheit dessen, was unser Planet uns bietet.

Unser Weg war noch weit, denn wir wollten auch nach Calvi, dem beschaulichen Ort an der Nordküste mit seiner trutzigen Festung. Er ist für alltagsgestresste Urlauber sehr empfehlenswert. Unbewusst werden sie in den Bann des Schlenderns, Bummelns, Betrachtens und Abschaltens gezogen. Für die Rückfahrt nutzten wir die gut ausgebaute Nationalstraße über Ponte Leccia und die nächsten beiden Tage verbrachten wir wieder vorwiegend am Badestrand.

Unser zweiter Ausflug führte uns nach Ajaccio, der Geburtsstadt Napoleons. Bevor wir uns in das Getümmel des wohl am stärksten vom Autoverkehr beeinträchtigten Ortes auf Korsika stürzten, besuchten wir U Cupulatta. Diese Anlage beherbergt den größten Schildkrötenpark Europas, der vom Besucher mindestens drei Stunden Aufmerksamkeit und Betrachten des Lebens der gepanzerten Vierbeiner erfordert. Wir hatten uns mit zwei Köpfen Weißkohl ausgerüstet und bis zu unserer Weiterfahrt hatten wir sie längst an die Schildkröten verfüttert. In Ajaccio ist das Gedenken an Napoleon allgegenwärtig und unzählige Reisegesellschaften schoben sich durch die Stadt. Ein Kurzaufenthalt reichte uns, viel interessanter war uns die Rückfahrt über die beschaulichen Bergdörfer Aullène und Zonza. Am Gebirgspass Col de Bavella wehte uns der eisige Hochgebirgswind entgegen. Wir nahmen unser abendliches Picknick ein und betrachten die gewaltigen, schwarzen Felsformationen der weltberühmten Bavella-Spitzen.

Wieder verbrachten wir zwei Tage am Strand, ruhten uns von den doch ziemlich anstrengenden Fahrten aus und sortierten die ersten 300!!! Fotos. Möglichst zwei Kameras, ausreichend SD-Speicherkarten oder ein Laptop mit Überspielkabel sowie immer geladene Akkus müssen sein, um wenigstens einen Teil der überwältigenden Eindrücke zur Erinnerung festzuhalten.

Unser dritter und letzter Trip führte uns nach Bonifacio, der südlichsten Stadt Korsikas, die nur durch eine 12 Kilometer breite Wasserstraße von Sardinien getrennt ist. Auf dieser Strecke blieb leider wieder viel zu wenig Zeit, um im aufstrebenden Küsten-Badeort Porto Vecchio Station zu machen. Wir wollten Bonifacio erleben und wieder durch seine engen Gassen laufen. Die Stadt mit ihrer riesigen Zitadelle thront auf einem Felsmassiv. Viele Häuser wurden direkt am Abgrund errichtet und mehr als einhundert Meter unter ihnen tosen die Wellen des Mittelmeeres. Zwar sind die meisten Bauten von der maritimen Witterung gezeichnet, aber das konzentrierte Auge entdeckt immer wieder neue Details mit Ornamenten und Fresken. Wer sich nicht belesen hat, wundert sich über die vielen Mauerbögen, die die Straßen von Haus zu Haus überspannen. Sie gehören zu einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, mit dem die Baumeister vergangener Jahrhunderte die Bewohner Bonifacios mit Trinkwasser versorgt haben. Pflastermüde, aber übervoll von unerschöpflichen Eindrücken, kehrten wir erst spät abends zurück.

Unsere Abendunterhaltung hatten wir mit einem Abstecher nach Ghisonaccia gekrönt. Dieser eigentlich unscheinbare Ort an der Nationalstraße N198 wird einmal wöchentlich zum Auftrittsort der Straßenmusik korsischer Musikgruppen. Zwar haben sich die Veranstalter mit Unterhaltungsmusik auch den Wünschen vieler Touristen angepasst und man muss ein wenig suchen. Dann findet man sie, die typisch korsischen, etwas schwermütigen, polyphonen Gesänge, die auch uns noch in den Ohren nachhallten, als wir weit nach Mitternacht wieder in unserem Urlaubsdomizil in den Schlaf sanken.

Am heutigen Abreisetag hatten wir den Abend und die hereinbrechende Nacht noch mit einem Abstecher nach Erbalunga genutzt, bevor wir uns in die Warteschlange am Fährhafen einreihen würden. Dieses kleine Fischerdorf nördlich von Bastia besitzt den Status des Weltkulturerbes und wird seit Jahren mit viel Liebe von seinen Einwohnern restauriert. Es besteht auf der dem Meer zugewandten Seite der Durchfahrtsstraße aus nur wenigen Häusern, einer Kirche ohne Dach, deren Mauern bereits restauriert worden sind, einem gewaltigen, felsigen Wellenbrecher und dem kleinen Fischereihafen. Jede Fassade, jeder Innenhof bietet jedoch immer wieder neue Details mit Fresken und Ornamenten, mit hübsch dekorierten Pflanzkübeln und mit den in der Sonne vor sich hin dösenden Katzen.

Nun stehen wir hier an der Reling und nehmen Abschied. Am 14. Juli 2012, dem Nationalfeiertag der Franzosen (und auch unserem Hochzeitstag) sehen wir uns wieder. Es ist fünf Minuten vor Mitternacht. Die Schiffssirene dröhnt, die „Corsica Ferries“ legt ab und dreht im Hafenbecken. Dann nimmt sie allmählich Fahrt auf, strebt am Leuchtturm vorbei auf das offene Meer, Livorno entgegen. Wir sind nicht die Einzigen, die schweigend und mit Tränen in den Augen auf das hell erleuchtete Bastia zurück blicken. Sie hat uns wieder verzaubert, süchtig gemacht. Unsere Ile de Beautè, unsere Insel der Schönheit.

Wolfgang Herzog

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