Matsuyama
- Ein Reisebericht -
Matsuyama - eine Stadt zwischen Tradition und Wissenschaft.
Unser erster Urlaub außerhalb Europas und alles selbst organisiert. Das Appartement hatten wir privat gemietet und den Flug im Internet gebucht. Die Flugroute führte von Frankfurt über Shanghai nach Osaka. Die erste Überraschung gab es in Shanghai. Wir mussten erst komplett einreisen, eine Rolltreppe nach oben fahren, wieder ausreisen, bevor wir an den Flugschalter für die Weiterreise konnten. Ein komplizierter Transit.
In Osaka wollten wir die Fähre nach Matsuyama nehmen. Leider fuhr der Bus nicht direkt bis zur Fähre und wir mussten noch eine Station mit der U-Bahn fahren. Aber das stellte sich als ganz leicht heraus. Auch wenn man die Schriftzeichen nicht lesen kann, es gibt Pläne auf Englisch und jeder hilft! 200 Yen in den Automaten, das Fahrtziel drücken - und schon hat man den Fahrschein. Sehr einfach - so wie alle Automaten in Japan - die nicht nur Kaltgetränke liefern, sondern auch Heißes!
An Bord der Fähre begann dann die Entspannung. Wir hatten uns für die Nachtfähre entschieden, um den Jetlag besser zu kompensieren. Die Fahrt dauerte 8 Stunden auf der inländischen See, da das Schiff nachts extra langsam fährt. An Bord gibt es für Schlaflose Massagesessel, TV und ein Onsen - die japanische Variante eines Thermalbades. Für jeden Gast gibt es ein Schlafgewand und Pantoffeln zur freien Verfügung – und es lässt sich wunderbar schlafen, sanft von den Bewegungen des Schiffes gewiegt.
Matsuyama liegt auf Shokoku, der kleinen Orangen-Insel im Knick der Hauptinsel Honshu, von der Meeresbucht aus gesehen, gegenüber von Hiroshima. An der inländischen See gibt es so gut wie keine Tsunamis, Erdbeben werden ein wenig durch das Wasser abgefedert und das Klima ist angenehm mild. Im Oktober hatten wir tagsüber noch 25-27° und abends noch 14-16°. Für japanische Verhältnisse ist Masuyama mit nur 500.000 Einwohnern eine kleine Stadt, in der es aber vier Universitäten gibt.
Das auffälligste in der Stadt ist der Burgberg der von einem japanischen Schloss aus dem 17. Jahrhundert dominiert wird. Vier verschiedene Wege führen hinauf und jeder ist sehr reizvoll. Für diejenigen, denen Bergsteigen nicht so liegt, fährt jedoch auch eine Seilbahn.
Vom Burgberg aus kann man auf eine weitere Sehenswürdigkeit schauen - den Stadtpark. Angelegt zu Ehren der Zwillingsstadt Freiburg, die seit 1989 eine Städtepartnerschaft mit Matsuyama hat. Der Aufstieg ist nicht schwierig und von der Burgruine hat man einen sehr schönen Blick über die Stadt.
Im Oktober finden zahlreiche Festivitäten auf dem großen Gelände unterhalb des Burgberges statt. Ein Teil des Geländes ist für Archäologische Ausgrabungen gesperrt, aber der größte Teil kann genutzt werden.
Das Musikfestival ist sehens- und hörenswert und eine gute Gelegenheit japanische Spezialitäten zu probieren. Neben traditionellen Künsten wird vor allem der Jugend Raum gegeben, moderne Musik zu präsentieren.
Von hier aus ist der Privatgarten des Feudalherrschers leicht zu erreichen – eine japanische Gartenoase mit Wasserfällen und besinnlichen Wegen – ein Aufenthalt ist eine Reise zu sich selbst.
Die Japaner pflegen zwei Religionen, den Buddhismus und den Shintoismus.
Zum Erntedank wird das Schreinfest gefeiert, bei dem mit dem Schrein (mikoshi) langwierige und Kräfte zerrende Zeremonien durchgeführt werden. Der Schrein, der vorher mit Seilen sorgfältig gesichert wurde, wird dabei von Männern und Frauen durch die Stadt getragen. Die beabsichtigten Zusammenstöße mit anderen Schreinen sind für Zuschauer besonders aufregend.
Von der Innenstadt mit ihren kilometerlangen Einkaufspassagen ist es ein besonderes Vergnügen mit der Traditionsbahn zum Dogo Onsen, das als das älteste Onsen in Japan gilt, zu fahren. Die Quelle ist bereits seit dem 6. Jahrhundert bekannt, das heutige Gebäude wurde im 19. jahrhundert erbaut und steht unter Denkmalschutz.
Rund um das Onsen befindet sich ein malerisches Viertel mit vielen kleinen Geschäften. Mittelpunkt ist der historische Bahnhof mit der Bocchan-Uhr, die zur vollen Stunde ein Figurenspiel zeigt.
Insgesamt ist die Zeit viel zu schnell vergangen und wir haben immer noch nicht alles gesehen. Aber die freundliche Höflichkeit der Bewohner und das milde Klima laden dazu ein, einen zweiten Besuch ins Auge zu fassen.
Anonym
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