Mit dem Auto zur Ferienwohnung am Gardasee
- Ein Reisebericht -
Im April 2011 fuhren wir zu zweit von Feldkirch in Vorarlberg nach Gargagno am italienischen Gardasee, um dem Alltag vier Tage lang zu entfliehen. Wir wählten die Route über den Arlberg- und den Reschenpass, da uns diese Strecke von früheren Urlauben bekannt ist und uns gut gefällt. Abgesehen von der österreichischen Vignette, welche wir aber ohnehin besitzen, sparte uns dieser Weg nebenbei das Geld allfälliger Mautgebühren für Tunnel- und Brenner-Benutzung und die italienischen Autobahnen. Vor uns lagen etwa 400 km, die wir in knapp fünf Stunden bewältigten.
Die Anreise
"Mei, woar des schee am Gardasee!”, sprach die drollige Frau aus München, der wir bei einer kurzen Rast auf dem Arlbergpass begegneten und die uns, danke gleichfalls, eine gute Reise wünschte. Während ihr Weg sie zurück in nördliche Alltags-Ebenen führte, fuhren wir weiter auf den Straßen der Freiheit, dem Süden entgegen. Ein Mann, eine Frau, ein Auto und Zeit. Unterwegs zum größten See Italiens, zwischen Alpenrand und Adria.
Mit Benzin im Tank und Feuer im Herzen (und einem bei einer solch explosiven Kombination vorteilhaften kühlen Kopf), erreichten wir bald den Reschenpass. Ja, wir mögen Pässe, frei nach dem Motto: Was Gott durch einen Berg getrennt hat, kann der Mensch nicht durch einen Tunnel überwinden.
Am Ufer des Reschensees, wo wir zwischen alten Fischern und jungen Erlen pausierten, umwehte uns auf einmal ein seltsam süßlicher Duft aus scheinbar südlichen Gefilden. ,,Italien schickt uns mediterrane Grüße!“, dachten wir, bis wir bemerkten, wie sich etwas entfernt von uns zwei betagte Motorradfahrer eine nicht handelsübliche Kippe teilten, um sich bald darauf auf ihre Feuerstühle zu schwingen und -Born to be wild- den Kurven des Lebens entgegen zu cruisen.
Wir setzten unsere Fahrt mit Benzin im Tank, Feuer im Herzen und Gras in der Nase fort und nachdem wir Meran und Bozen hinter uns ließen und bereits Trento passiert hatten, wähnten wir uns schon bald am Ziel.
Ein Stau in Riva del Garda kostete uns dann aber einiges an Zeit, die weitere Fahrt auf der beeindruckenden, tunnel- und kurvenreichen, von Palmen und Zypressen gesäumten Westuferstraße (Gardesana occidentale) verlief dagegen reibungslos (abgesehen von einem deutschen Mercedes, welcher sich offensichtlich in eine massive italienische Natursteinmauer am Straßenrand verliebte und in diese, ohne vorheriges Rendezvous, ordentlich hineinbumste. Den Insassen ist zum Glück, Hals und Steinbruch, nichts passiert).
Ankunft und Aufenthalt
Nachdem wir in der Reiseagentur in Toscolano-Maderno die zu dieser Zeit recht günstige Miete hinterließen und die Unterlagen samt Schlüssel überreicht bekamen, bezogen wir unsere in der Ortschaft Gargagno an einem Hang gelegene Ferienwohnung namens Piccolo Rustico.
Der Einzug fand also ohne Anwesenheit eines Vermieters oder dergleichen statt, was uns nicht sonderlich störte; wir wissen ja, wie eine Wohnung funktioniert. Dieses Modell im Erdgeschoss verfügt über eine kleine Küche, einen angrenzenden Wohnraum mit Sat-TV und Schlafmöglichkeit für zwei Personen sowie ein Schlafzimmer mit Doppelbett und ein fensterloses Bad (dessen Wasserdruck beim Duschen dermaßen gering war, dass wir die Duschkabine kurzerhand zur "Nieselregenkammer" erklärten).
Nach dem Ausladen, Rauftragen und Einräumen von Sack und Pack, war das zu Erreichende erreicht und alles im Lack.
Endlich saßen wir auf der Terrasse unseres aus Naturstein errichteten Ferienhauses und bewunderten Rotwein trinkend und umgeben von Olivenbäumen den Gardasee, der am Fuße des Hanges im Lichte der Ankunft glitzerte.
Im Hintergrund thronte der Monte Baldo in mystischem Dunst.
Den folgenden Tag verbrachten wir auf dem grünen, pflanzenreichen Anwesen mit Frühstück im Sonnenlicht, Gartenschau, Lesestunden und Müßiggang.
Am nächsten Vormittag besuchten wir Toscolano-Maderno, das uns bereits am Anreisetag ans Herz gewachsen war. Wir parkten das Auto und genossen in Maßen die Impressionen belebter Straßen, aßen leckere Speisen bei einem der zahlreichen Italiener um's Eck und spazierten dann gelassen durch die ruhigen Gassen dieses hübschen Ortes. Die Kirche “Parrocchiale di Toscolano” sowie das dazugehörige sakrale Bauwerk “Santuario Madonna del Benaco” bescherten uns Momente der Stille, während am Kiesstrand unweit davon italienische Stimmen den Tag besangen, Kinder spielten und die Wellen wohlig ans Ufer plätscherten.
Zugegeben, das Wasser des Gardasees zählt im April nicht zu den herzerwärmenden Elementen, doch wir kneippten einige Schritte lang im Nass, um dann auf warmen Steinen zu verweilen. Zurück in Gargagno ließen wir den Tag unter dem Sternenhimmel, trunken vor Wein und Glück, ausklingen.
Am Tag unserer Abreise besuchten wir das am nördlichen Spitz des Gardasees gelegene Riva del Garda und sahen den Fähren zu, die sich auf den Weg zu anderen Ufern machten, während einige Enten, auf der Seepromenade watschelnd, ein tierisches Geschnatter vom Schnabel ließen. Doch da wir der italienischen Sprache nur bedingt mächtig sind und Enten ohnehin einen fiesen Dialekt bevorzugen, kann ich nur raten, ob es sich dabei um alltäglichen Futterneid oder gar um einen handfesten Beziehungsstreit handelte. Um dem möglicherweise eskalierenden Disput aus dem Wege zu gehen, betraten wir ein nahes Museum, dessen interessante Ausstellung von der Geschichte des Gardasees handelte.
Anschließend folgte ein Bummel über den belebten Marktplatz und abschließend gönnten wir uns ein italienisches Essen auf der Terrasse einer Pizzeria, das wir nahe am Ufer zu uns nahmen, wo ein schwarzer Schwan samt zweier weißer Artgenossen und die grandiose Sicht auf Bauwerke und Berge unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Bevor wir gesättigt, bereichert und zufrieden die Heimreise antraten, blickte ich ein letztes Mal auf Wasser, Wind und Wellen und kam zu dem bekannten und schönen Schluss: Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr.
M. Bussolon
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