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Mit dem Handelsschiff zur heiligen Stadt

- Ein Reisebericht -

„Manchmal hat man die Möglichkeit an Land zu gehen.“ Das hört sich merkwürdig an. Wir fahren um die halbe Welt und sehen bloß den Hafen. Ja, in der heutigen Seefahrt sind Landgänge rar. Wenn man dann doch nach den Pflichten auf Schlaf verzichtet und loszieht, weiß man meistens nicht, was einen erwartet.

Wir lagen mit unserem Schiff in Haifa. Die Kräne waren kaputt, wir konnten nicht mehr laden. So beschloss der Kapitän uns allen ein Taxi zu organisieren, damit wir nach Jerusalem pilgern konnten. Die halbe Crew war interessiert.

Israel ist ein trauriger doch spannender Fleck auf der Erde. Man sieht weit und breit Wüste.

Unsere Fahrer brachten uns auf den Pfad Jesu. Wir besuchten alle Kirchen, die an den Plätzen gebaut waren, an denen unser Gottessohn waltete. Ich war über die Freizügigkeit an den Pilgerstätten überrascht. Photographieren war kein Problem, eine Unmenge von europäischen Touristen trafen wir dort an.

Um Jerusalem herum leben Nomaden. Es sind vorwiegend die Moslems, die die Unterschicht im jüdischen Land bilden.

Als wir der Stadt entgegenfuhren, schrieb ich meine Wunschzettel, die ich an der Klagemauer hinterlegen wollte und beobachtete die Landschaft. Jerusalem ist eine trockene kleine Wüstenstadt. Besonders erschienen mir nur die vielen Kirchen mit goldenen Dächern und Kuppeln.

Als wir den Jordan River mit Taufstätte Jesu besuchten, bekam ich einen Schock.....Das Empfangshaus glich einem Einkaufszentrum mit Stil einer Therme. Es waren einige Souvenirläden integriert. Man konnte Holzfiguren von Heiligen, Kreuze und eine ganze Menge anderen Kram kaufen. Vor der Kosmetikabteilung stoppte ich meinen Spaziergang, ich stand vor dem Regal mit den vielen Cremchen. Ich hatte den Fluss noch nicht gesehen, doch allein die Vorstellung aus ihm Kosmetikprodukte herzustellen, erschien mir blasphemisch. Mein Entsetzen steigerte sich nochmals, als ich dann das Gebäude durchschritt und den kleinen Fluss erreichte. Eine Menge Menschen saßen herum, aßen Pommes und tranken Cola. Ich entdeckte eine Imbissbude und einen Stand, an dem man Taufurkunden kaufen konnte, die angeblich rechtlichen Wert hatten.

Ich sah junge Russinnen, die im weißen knappen Taufhemdechen, die man für fünf Dollar erstehen konnte, kichernd durch die Gegend rennen. Sie trugen dazu ihre Stiefel und machten riesigen Aufstand ins Wasser zu steigen, eine von ihnen drehte ein Video von der ganzen Aktion. Ich wendete mich angewidert ab.

Der Jordan ist wirklich hübsch, ein kleiner Bach gesäumt von tief hängenden Bäumen. Es leben Krebse in ihm und Vögel komplettieren das Bild. Ich setzte mich ans Ufer und wurde nachdenklich. Ich mochte den Ort ganz gerne, man spürte, dass er ein Teil der großen Bibelgeschichte sein konnte, doch als ich mich erhob und umdrehte zu den Leuten an der Imbissbude, entdeckte ich Pastöre in Gewand rauchenderweise diskutierend, gackernde Touristen.

Ich fing an, mich zu schämen und war froh, dass ich evangelisch war, ansonsten wäre ich aus der Kirche ausgetreten. Schleunigst verließ ich das Gelände, dabei stolperte ich fast über einen Wasserkanister auf dem Stand „Holy Water“ – 5$.

Anonym

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