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Mit dem Rucksack durch Nordindien und Nepal

- Ein Reisebericht -

Indien - ein Traum wird wahr! Mit dem Rucksack durch den Norden Indiens und Nepal, auf ins Abenteuer!

Indien war schon lange ein Traum von mir und 2009 beschloss ich, ihn mir zu erfüllen. Zusammen mit einer Freundin plante ich eine Rundreise auf eigene Faust. Wir buchten von Deutschland aus nur den Flug und die erste Übernachtung, den Rest wollten wir uns offen halten, sehen, wohin es uns verschlagen würde.

Wir folgen von München nach New Delhi und checkten im nagelneuen Leela Kempinski Hotel im Stadtteil Gurgaon ein. Das Hotel verfügt über einen Pool mit Dachterrasse und mehrere Restaurants, in denen man schon einmal in die indische Küche schnuppern kann.

Für die Stadtrundfahrt mieteten wir uns ein Taxi, denn die Entfernungen zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten sind groß und die Mietautos mit Chauffeur ausgesprochen günstig. Außerdem hat man den Vorteil, dass man einen Reiseleiter mit im Auto hat, der Tipps geben kann. Dass Autos in Indien grundsätzlich mit Fahrer vermietet werden, hat aber noch einen anderen Grund: Glauben Sie mir, Sie wollen in Indien nicht selbst fahren... Wir haben die Inder als sehr freundliche, aufgeschlossene Menschen kennengelernt, doch im Straßenverkehr mutieren sie zu Lebensmüden.

Unsere Stadtrundfahrt begannen wir am Qutb Minar, einer etwas baufälligen Tempelanlage, die wir uns mit einer Heerschar von indischen Schulkindern teilten. Doch die Einheimischen waren für uns mindestens genauso interessant, wie die Bauwerke, und ihre abenteuerlichen Konstruktionen zur Renovierung. Weiter ging es über das India Gate, die Prachtstraße Path Raj zum Regierungsviertel hinauf. Danach weiter in die Altstadt Delhis, wo wir staunend einen Elefanten und ein Kamel die verstopfte Straße überqueren sahen. Im Zentrum muss man vom Auto auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen, dort sind nur noch die wie ein Roller motorisierten Tuctucs oder Rikschas erlaubt. Zu sehen gibt es das rote Fort (rote Forts sollten sich wie ein roter Faden durch unsere Reise ziehen) und die große Freitagsmoschee, die größte Moschee Indiens. Restlos begeistert und beeindruckt waren wir von der modernen Tempelanlage Akshardam, die 2005 unter Mitwirkung von mehreren Tausend Freiwilligen und noch einmal so vielen Kunsthandwerkern fertiggestellt wurde.

Nach zwei Tagen in Delhi fühlten wir uns reif für unser erstes Abenteuer: wir kauften ein Zugticket nach Agra. Zugfahren ist in Indien eine preiswerte und zugleich recht komfortable Reisemöglichkeit, wenn man einmal das Prinzip der Fahrpläne und des Kartenverkaufs verstanden hat. Im Zug wurden wir auch sofort von einer indischen Familie "adoptiert", die sogar ihren mitgebrachten Proviant mit uns teilte. Am Bahnhof von Agra angekommen, umringte uns ein Heer von Taxi- und Tuctucfahrern, begierig darauf die westlichen Touristen vereinnahmen zu dürfen. Wir gaben den Zuschlag einem freundlich aussehenden Tuctucfahrer, der für die nächsten zwei Tage unser Reiseführer werden sollte. Trotz unseres Drängens, unbedingt sofort das berühmte Taj Mahal sehen zu wollen, kutschierte er uns erst einmal zum (wieder roten) Fort. Von dort aus könne man das Taj schon sehen, aber für die richtige Besichtigung sei es die falsche Tageszeit, sagte er uns. Er wolle uns am nächsten Morgen um 6:00 abholen, dann wäre die beste Zeit für das Taj Mahal.

Wir fügten uns und krabbelten zähneknirschend am nächsten Morgen vor Tagesanbruch aus dem Bett. Unsere Einsatzbereitschaft wurde mehr als belohnt. Es gab keine Touristenschlangen am Taj Mahal und wir hatten die unbeschreibliche Schönheit, dieses architektonischen Kleinods im Zwielicht der aufgehenden Sonne fast für uns allein. Danach kutschierte unser Fahrer uns zu einigen Kunsthandwerksbetrieben (die vermutlich Freunden von ihm gehörten und wofür er ordentlich Provision kassierte, aber egal) einer Teppichknüpferei und einem Stofffabrikanten.

Von Agra nahmen wir wieder den Zug, dieses Mal nach Jaipur, der Pink City. Sowohl in Agra als auch in Jaipur wohnten wir in Hotels der indischen Kette Trident. Das Trident Hotel Jaipur liegt direkt an einem Stausee, in dessen Mitte ein Wasserschloss thront. An der Uferpromenade werden Kamele und Elefanten zum Ritt angeboten. So ein schaukelndes Ungetüm zu besteigen, erfordert etwas Überwindung, aber die Welt vom Rücken eines Elefanten zu sehen, ist ein einmaliges Erlebnis.

Etwas außerhalb Jaipurs liegt das Amber Fort (nein, kein rotes Fort, sondern ein gelbes!), der Aufstieg ist etwas beschwerlich, aber lohnt die Mühe allemal. Die Innenstadt von Jaipur ist dominiert von Häuserfassaden in Rosa- und Rottönen, deshalb nennt man die Stadt auch Pink City. Besonders berühmt ist der Palast der Winde, ein fünfstöckiges, verschachteltes Herrenhaus, das bereits Kulisse vieler Filme war. Den Maharaja-Palast darf man nur von außen besichtigen, da er noch bewohnt ist, daneben liegt der Park des Observatoriums mit mittelalterlich anmutenden Konstruktionen zur Sternbeobachtung.

Wir mieteten uns in Jaipur wieder ein Auto mit Fahrer, für den weiten Weg in die Wüste. Nach neun Stunden Fahrt erreichten wir erschöpft Jaisalmer und das Heritagehotel Killa Bahran mitten im Fort. Am nächsten Tag besichtigten wir die gut erhaltene, pittoreske Altstadt und unternahmen einen Ausflug in die Wüste, mit Kamelritt und Jeep. Zwei Tage später verließen wir Jaisalmer bei Sandsturm und machten uns auf zu einem 15-stündigen Marathon zurück nach Delhi.

Von Delhi aus flogen wir mit der Air India nach Kathmandu. Wir wollten einen Abstecher nach Nepal machen und den Himalaya sehen. Es stellte sich heraus, dass die Vorbehalte der Inder gegen die Nepalesen von diesen genauso erbittert erwidert wurden. Vertreter beider Seiten bedauerten uns, es mit den jeweils anderen ausgehalten zu haben und beglückwünschten uns für die Entscheidung, die Seite zu wechseln. Kathmandu hinterließ leider einen eher erschreckenden Eindruck bei uns, denn die Stadt ist unfassbar schmutzig. Deshalb begaben wir uns von unserem Stützpunkt, dem Heritagehotel Vajra, stadtauswärts zum buddhistischen Heiligtum Swayambunath, von dem aus man auch einen schönen Rundblick auf die Stadt genießen kann. Leider war es sehr wolkig und die Sicht so schlecht, dass wir von den majestätischen Bergen des uns umgebenden Himalaya überhaupt nichts sahen.

Auf dem Weiterflug mit Yeti Air nach Biratnager konnten wir Bergkuppen erahnen, jedoch blieb eine gewisse Enttäuschung, dass wir zwar mitten in den höchsten Bergen der Welt gewesen waren, sie aber nicht mit eigenen Augen gesehen hatten. Von Biratnager aus nahmen wir wieder ein Mietauto zurück über die Grenze nach Indien und weiter zur Hill Station Darjeeling. Auf dem Weg veränderte sich die Landschaft komplett. Wir waren plötzlich umgeben von Palmen, Reisfeldern und Teeplantagen. In Darjeeling angekommen, quartierten wir uns im Kolonialstil-Hotel Windamere ein und fühlten sofort: Hier ist die Zeit stehen geblieben. Die nächsten Tagen fühlten wir uns wie die Kolonialherren auf Sommerfrische. Wir besuchten das Happy Valley Tea Estate, das seinen Tee exklusiv an Harrod's in London verkauft. Hier erfuhren wir alles über den Anbau, die Ernte und die Verarbeitung des Tees. Dann winkte uns erneut frühes Aufstehen, bereits um 4:00 verließen wir die Betten und machten uns zusammen mit ganzen Wagenkolonnen anderer Touristen auf zum Tiger Hill. Hier sollte man den Sonnenaufgang über dem Kanchenjunga-Massiv beobachten können, dem dritthöchsten Berg der Welt, einem echten Achttausender! Und tatsächlich hier in Darjeeling gelang uns, was uns in Nepal versagt geblieben war: Wir sahen die Berge!

Um uns herum hysterisch kreischende Touristen, auf unsere Nachfrage, erklärte uns einer der Begeisterten: Die Sonne geht auf! Ach. Sollten wir ihm sagen, dass sie das vermutlich jeden Tag tat?! Zweifelsohne war der Sonnenaufgang über dem Kanchenjunga aber ein spektakulärer Anblick.

Für den Rückweg wählten wir den Toy Train, eine traditionelle Schmalspurbahn, die sich gemächlich die Berge hinunter schlängelt, vorbei an Teeterrassen, buddhistischen Klosteranlagen und dschungelartiger Natur. Ab Siliguri wechselten wir in einen Überlandbus nach Kalkutta. Das Prädikat "Sleeper Bus" klingt leider bequemer, als es ist. So kamen wir gerädert und übermüdet in unserer letzten Station an. Kalkutta liegt übrigens nicht, wie die Schlagermelodien behaupten, am Ganges! Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Stadtrundfahrt endete unser Indien-Abenteuer mit dem Rückflug über Frankfurt nach München.

Fazit: Ein wahrgewordener Traum, unser Indien-Rundtrip! Wer gerne flexibel ist und erst vor Ort entscheiden möchte, was er tun und sehen will, ist in Indien absolut richtig. Wir hatten keinerlei Schwierigkeiten Hotels zu finden und unsere Reise zu organisieren. Auch zwei Mädels allein in Indien, ist problemlos möglich. Der Traum von Indien bleibt, denn Indien ist ein riesiges Land und bietet noch sehr viel mehr Ecken, die entdeckt werden wollen...

V.B.

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