Naturpark Rhein-Westerwald - eine Region voller Überraschungen
- Ein Reisebericht -
Fast jeder kennt das Westerwaldlied, die meisten verbinden die Region mit den dunklen, kalten Wäldern und einer rauen Landschaft. Das gilt in Grenzen durchaus für den hohen Westerwald, der sich von Bad Marienberg bis ungefähr Breitscheid/Willingen im Osten und Siegen im Norden erstreckt. Dennoch hat das Gebiet seinen ganz besonderen Reiz, besonders rund um die höchste Erhebung, dem Naturschutzgebiet Fuchskaute, einem erloschenen Vulkan von rund sechshundertsechzig Metern Höhe. Das raue Klima der Region und die dort noch übliche Weidennutzung mit Rindern, Pferden und Schafen haben Wiesen und Felder geschaffen, die an die Alpen erinnern. Im Schutzgebiet mit seinen mehr als dreihundert verschiedenen Baum- und Blütenarten leben um die dreihundert Schmetterlings- und fünfzig verschiedene Vogelarten, nicht nur im Sommer eine traumhafte Umgebung.
Wer bei seinem selbst organisierten Kurzurlaub im Westerwald über die B413 vom Hohen in den Niederwesterwald fährt, kommt auf der Rute Siegen – Neuwied – Neustadt/Wied durch den Oberwesterwald an der Westerwälder Seenplatte vorbei. Die charmanten Seen werden gerne von Touristen besucht, die Landschaft ist lieblich, wenn auch teilweise etwas langweilig, allerdings sind die Dörfer sehr hübsch. Vorsicht ist auf dieser Strecke ab Hachenburg geboten, hier stehen mehrere fest installierte Blitzanlagen hintereinander, die nur schwer zu sehen sind. Ab Dierdorf, einem Straßendorf, das sich eigentlich nur durch den guten Metzger auszeichnet, wird die Strecke zum Rhein wieder interessanter. Die enge, steile Straße führt durch Wälder, in denen im Herbst Unmengen an Steinpilzen und Pfifferlingen wachsen und einen leicht erdigen Geruch über die Landschaft legen.
Obwohl etwas neben der Route nach Neustadt/Wied liegend, sollte bei einem selbst organisierten Kurzurlaub im Westerwald ein Besuch von Bendorf-Sayn bei Neuwied nicht verpasst werden. Das im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) schwer beschädigte und im Anschluss fast verfallene neugotische Schloss Sayn erstrahlt seit den neunziger Jahren wieder in altem Glanz und ist nicht nur wegen des ganz interessanten Rheinischen Eisenkunstguss-Museums einen Stopp wert. Der von März bis November geöffnete, zum Schloss zählende Schmetterlingsgarten gehört auf jeden Fall ins Besuchsprogramm. Zwischen exotischen Pflanzen und dem kleinen Teich in subtropischer Atmosphäre tummeln sich farbenprächtige Falter aus aller Welt, wie zum Beispiel der chinesische, fast dreißig Zentimeter große Atlas-Spinner oder der brasilianische Morpho. Durch die Gewöhnung an den Menschen kommt es durchaus vor, dass sich ein Falter plötzlich auf der Schulter eines Besuchers niederlässt. Vorsicht ist auf den Wegen geboten, wenn die ebenfalls im Glashaus lebenden Zwergwachteln mit ihrem hummelgroßen Nachwuchs über den Weg huschen, schnell ist ein so kleines Tierchen totgetreten, allerdings sind die Elterntiere auch nicht besonders groß und manchmal schwer zu sehen.
Zu den besonders schönen Strecken zählt die Route von Neuwied über Altwied bis Neustadt/Wied durchs Wiedtal. In dem Flusstal finden Reiter und Wanderer wunderschöne Wege durch lichte Wälder und weite Felder, für Motorradfahrer ist die Strecke ein Paradies. Wer mit offenen Augen an dem Fluss entlang fährt, kann im Sommer insbesondere in dem Abschnitt kurz nach Altwied in dem flachen, auslaufenden Bereich nach dem Stauwehr Graureiher beobachten, die sich in den letzten Jahren dort verstärkt angesiedelt haben. Die kleine Burgruine Altwied, die unter Pflege des örtlichen Burgvereins steht, strahlt wunderschön im Sonnenlicht, in der Dämmerung wirkt sie ausgesprochen romantisch und wenn es dunkel wird sehr unheimlich, Gespenstergeschichten lassen grüßen...
Andrea Larius
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