Patagoniens unendliche Weiten
- Ein Reisebericht -
Wir wussten von der Größe Argentiniens und Chiles. Wir haben auch vom ständigen Wind in Patagoniens gehört und von den menschenleeren und unberührten Weiten Feuerlands, von den antarktischen Tundren und den Tieren dort, denen fern der Zivilisation, negative Erfahrungen mit Menschen fehlen und deshalb keine Scheu kennen. Das reale Erlebnis unserer selbstorganisierten Reise übertraf jedoch all unsere Vorstellungen, denn es ist größer, weiter, einsamer, stürmischer, interessanter und schöner. Vier Wochen nur, und doch ist Argentinien und Chile in meinen Gedanken zu einer unendlichen Geschichte geworden, die nach Fortsetzungen ruft.
Die Romantik des Tangos
Buenos Aires empfing uns auf unserer selbstorganisierten Reise nach anstrengendem und unplanmäßigem Flug mit der Iberia sonnig und blühend, denn hier ist es Frühling, wenn in Deutschland die Herbststürme die letzten Blätter von den Bäumen fegen. Buenos Aires, in dieser Stadt leben ein Drittel aller Argentinier, das sind 13 Millionen Einwohner. Hafenpromenaden, Einkaufszentren und Gassen voller Restaurants, Bars und Cafés, blühende Parkanlagen, breite Straßen, historische und moderne Skylines - eine Stadt, wo ein Flyer über ihre Sehenswürdigkeiten die Dimension eines Telefonbuches hätte. Wir haben zwei Nächte im Hotel "La Mansión Dandi Royal" im Stadtteil San Telmo gebucht, der Geburtsstätte des Tangos. In diesem wunderschön renovierten Kolonialhotel spürt man die Atmosphäre jener Zeit, die hier im Tanzsaal auch heute noch regelmäßig zelebriert wird. San Telmo selbst hat eine geschichtsträchtige Entwicklung hinter sich. Alten Restaurants, Cafés, Hafen- und Parkanlagen zeugen davon. Jeden Sonntag ist auf dem Plaza Dorrego ein Antiquitätenmarkt mit alten Grammophonen und Musikinstrumenten, Möbeln und Geschirr. Abends wird in der Grünanlage dieses Platzes bei Wein und Lifemusik, klassischer Tango vorgeführt. Musik und Applaus erfüllen in solchen Nächten die Gassen dieses Stadtviertels.
Patagonien, Einsamkeit in Vollendung
Mit dem festen Wunsch, Buenos Aires als eigene Städtereise zu wiederholen, stiegen wir zwei Tage später am schön gelegenen nationalen Flughafen in eine Maschine nach Bahia Blanca und dort in einen modernen Reisebus von „Don Otto“. Mit ihm fuhren wir der Küstenstraße entlang nach Puerto Madryn, dem Ausgangspunkt unserer Ausflüge in die dortige Region. Obwohl es auf der Landkarte zwei Nachbarstädte waren, brauchten wir für die knapp 700 Kilometer fast 10 Stunden. 10 Stunden öde, leere Pampa auf der einen Seite und gelegentlich schroffe Klippen und Gezeitengräben auf der anderen Seite der Straße. Meine Frau schlief während der Fahrt, während ich keine Minute verpassen wollte. Nach vielen Stunden gesegneter Ruhe wachte sie wieder auf und fragte, ob sie etwas verpasst hatte. "Nichts", konnte ich nur entgegnen. In Puerto Madryn gingen wir vom Busterminal zum nächsten kleinen Hotel an der Küstenstraße. Natürlich hatte es noch freie Zimmer mit Meerblick und die ganze Nacht hörten wir das laute Rauschen der Brandung. Am nächsten Morgen war es still und der Blick aus dem Fenster brachte eine Überraschung: Das Meer war fort und die Schiffe am kleinen Hafenkai lagen auf dem Trocken. Der Tiedenhub liegt hier bei fast 11 Metern. Nach dem Frühstück ging es mit dem Taxi zur Autovermietung und wir bekamen wie geplant unseren Kleinwagen, der uns von nun an für eine Woche treu zur Seite stand. Zurück am Hotel luden wir unser Gepäck ein und fuhren auf die Halbinsel Valdés, ein UNESCO Naturreservat, welches mit über 3600 Quadratkilometern ausschließlich den Wildtieren und Schafe gehört. Die nächsten drei Nächte verbrachten wir auf der Estancia "La Ernestina" am Punta Norte. Juan von der Estancia zeigte uns mit seinem Landrover die Umgebung und die Meeressäuger und Pinguine an den Stränden, weshalb so viele Naturfotografen dorthin fahren. Am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang lief Joan von Tür zu Tür und rief laut: „Sie sind da, sie sind da!“ Wenige Minuten später saßen alle in seinem Landrover und wir fuhren zur wenige Kilometer entfernten Küste, wo als einzigen Ort auf der Welt, Schwertwale mit Schwung auf den Strand rutschen, um sich junge Seelöwen zu greifen und ins Meer zu ziehen. Es ist ein grandioses Naturschauspiel, weshalb jedes Jahr limitiert Profifotografen und Tierfilmer eine besondere Erlaubnis bekommen, aus nächster Nähe dabei sein zu dürfen. Die Tage darauf schauten wir uns weitere spektakuläre Regionen an. Darunter die weltgrößte Kolonie von Magellan-Pinguinen am Punta Tombo. Mehr als eine halbe Million Tiere brüten hier. Wir schauten uns auch die Seelöwenkolonien bei Cabo Dos Bahias, nahe dem Ort Camarones, an und tranken spüter, altenglisch zelebriert, Tee mit hausgemachtem Gebäck in einem Teehaus in Gaiman. Dieses Städtchen wurde zusammen mit den Nachbarorten Trelew und Rawson von walisischen Einwanderern gegründet.
Feuerland, die pure Kraft der Elemente
Von Trelew flogen wir dann auch weiter nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, direkt am Beagle Kanal. Feuerland, diese Region bekam ihren Namen aus der Entdeckerzeit, als Segelschiffe an den Küsten große Feuer ausmachen konnten. Sie stammten von den ehemaligen Ureinwohnern, die sich der kalten Temperaturen wegen daran wärmten. Ureinwohner und Feuer gibt es heute nicht mehr, nur der Name und das Klima sind geblieben. Kalte Winde vom Südpol beherrschen die Atmosphäre in dieser bis heute nahezu menschenleeren Region, die geprägt ist von Tundren, Sümpfen und windgeformten Wäldern. Der Nationalpark Tierra del Fuego gibt einen atemberaubenden Einblick in dieser von den Elementen beherrschten Landschaft. Die Tiere dort kennen keine Scheu, weil sie Menschen nie als Bedrohung kennen lernten. Wir fuhren mit einem großen Motor-Katamaran hinaus auf den Beagle Kanal, passierten dabei Inseln mit großen Seelöwen- und Seevogelkolonien, bis wir aufs offene Meer hinaus kamen und schlagartig die Gewalt des Windes spürten. Windgeschwindigkeiten von weit über 100 km/h ließen die Wangen Wellen schlagen. Albertrosse zogen vor dem Schiff wunderschön ihre Kreise knapp über der Wasseroberfläche. Sie sind nun in ihrem Element und können tagelang ohne einen Flügelschlag Fische fangen. In einer geschützten Bucht besuchten wir eine weitere Pinguinkolonie, die zum Zeitpunkt unserer Ankunft von Seeleoparden bedrängt wurden. Die Pinguine nutzen die Nähe unseres Katamarans, um ins offene Meer zu entkommen. Wohl nur wenige Menschen konnten bisher solch ein Naturschauspiel life miterleben.
Torres del Paine, ein Bilderbuch, dreidimensional
Gefesselt von diesen beeindruckenden Landschaften Feuerlands stiegen wir einige Tage später in einen Bus und begannen unsere Gletschertour zum Perito-Moreno und Upsala Gletscher. Wir glaubten nicht an eine Steigerung der Erlebnisse, doch wir wurden eines besseren belehrt. Entlang der zerklüfteten chilenischen Küste verging keine Minute ohne Erstaunen. Es sprengte unser Vorstellungsvermögen von unberührter Landschaft. Nicht einmal Kondensstreifen am Himmel störten die Eindrücke. Erster Stopp für eine Nacht war Punta Arenas an der Magellanstraße, wo wir uns am nächsten Morgen eine Pinguinkolonie am Seno Otway anschauten. Sie liegt an einem Kiesstrand vor malerischer Kulisse. Ein Fotoerlebnis der besonderen Art. Nächster Stopp am späten Nachmittag war Puerto Natales, wo uns am Busterminal eine nette, junge Chilenin ansprach und so hatten wir auch gleich ein preiswertes Bed & Breakfast. Sie war sehr hilfsbereit beim Organisieren der nächsten Tage und gab wertvolle Hinweise. Gleich am nächsten Morgen saßen wir im einem Kleinbus und fuhren zum Torres del Paine Nationalpark, etwas 45 Fahrminuten entfernt. Was wir dort erlebten an Landschaftseindrücken und Naturgewalten, läßt sich mit Worten kaum beschreiben. Bei einer Rundfahrt im Park kamen wir am Gletscher „Grey“ vorbei. Blaue, skurril geformte Eisblöcke lagen am Seeufer und der Wind, der den Gletscher herunter stürmte, war so stark, dass wir uns auf Knien gegen ihn stemmen mussten. Azurblaue Seen, tosende Wasserfälle, grüne Ebenen mit friedlich grasenden Guanakos und Wälder mit geisterhaft wirkenden Bäumen; Moore und Tundren lösen Felsgeröllhalden ab, die am Fuße des wohl schönsten Gebirgsmassives der Welt liegen, der Zinnen der Namen gebenden Torres del Paine mit dem 3050 Meter hohen Cerro Paine Grande. Am darauffolgenden Tag im Torres del Paine war der Himmel leuchtend blau und die Farben der Landschaften und Gebirgsformationen noch beeindruckender. Vier Tage, die nicht ausreichten, ein vollständiges Bild dieser Region zu bekommen. Aber unser Bus wartete und wir fuhren auf einer schmalen Straße, vorbei an einer kleinen Grenzstation zurück nach Argentinien, nach El Calafate.
Wie in einem Phantasiefilm
El Calafate, eine inzwischen bekannte Kleinstadt in Patagonien, hat ihren Namen durch eine sehr schmackhafte Frucht, die an Sträuchern in dieser Gegend wächst und zu leckeren Desserts und Eiscremes verarbeitet wird. Wer sie isst, so sagt man hier, wird wiederkommen. Es mag stimmen, denn nur nach wenigen Tagen in unserer Herberge "Cauquenes de Nimez" entstand unweigerlich dieser Wunsch. Von hieraus werden Tagesfahrten zu den spektakulärsten Gletschern der Welt angeboten. Perito-Moreno und Upsala-Gletscher, mit ihren über 100 Meter hohen und mehrere Kilometer breiten Abbruchkanten sorgen durch ihre manchmal Minuten dauernden und atemberaubenden Abbrüche für beispiellose Naturschauspiele, oft mehrfach in einer Stunde und manchmal direkt vor den staunenden Zuschauern. Leuchtend blaue Eisberge verteilen sich im Lage Argentino, die besonders bei Sonnenschein hell erleuchten. Eine Schifffahrt zum Upsala-Gletscher ist noch unglaublicher. Es ist wie eine Reise in eine unbekannte Welt. Landschaften mit vom Wind geformten Bäumen zwischen schroffen Felsen, die Gipfel Schnee bedeckt, mit schwerem Dunst in den Tälern. Durch den aufsteigenden Nebel des eiskalten Wassers verschmelzen Oberfläche und Horizont in diffusem Licht und bizarre und hellblau leuchtende Eisberge, so groß wie Hochhäuser, scheinen am Schiff vorbei zu fliegen und je dichter man sich der Abbruchkante des Upsala nähert, verdichten sich diese zu Labyrinthen wie in einem Phantasiefilm in 3D. Jedes Foto wird ein Kunstwerk. Und plötzlich stand sie vor uns, eine über 100 Meter hohe Gletscherwand aus zerklüftetem, blauem Eis. Man erkennt nicht, wo sie beginnt und wo sie endet. Man hört nur gelegentlich ein dumpfes Grollen in den Eismassen und lautes Getose aus dem Nebel, wenn wieder ein tausende Tonnen schwerer Eisblock abbricht und ins Wasser stürzt. An Deck des Schiffes herrschte gespenstische Stille, denn die Motoren waren aus und jeder lauschte der gewaltigen Stimme des Gletschers, die noch viele hundert Meter vor uns lag und man doch das Gefühl hatte, nur eine kleine Fliege an dieser Wand zu sein. Die letzten Abende in El Calafate waren ein Abschluss voller Gespräche über diese erlebnisreichen Wochen und dies bei bestem gegrilltem Lammfleisch und vollmundigem argentinischen Rotwein in eines der vielen Steakhäuser dieser Region, die man hier Barillas nennt. So sehr wir diese letzten Stunden in Patagonien genossen, so schwermütig war der Rückflug von El Calafate über Buenos Aires und Madrid nach Frankfurt, der fast 23 Stunden dauerte. Es waren vier Wochen absolute Superlative der Erlebnisse und doch haben wir Patagonien erst anfänglich kennengelernt. Das Estancialeben mit mehreren zehntausend Schafen und Rindern, den Gauchos dort mit ihren Pferden und Hunden und den Assados am abendlichen Lagerfeuer bei Gitarrenmusik. Oder der legendäre Patagonien-Express: Liebevoll restaurierte Personenzüge mit schnaufenden Dampfloks davor, die am Fuße der schneebedeckten Anden durch eine unberührte Pampa rollen. Nicht zu vergessen auch ein versteinerter Wald, der von der durch gewaltige Vulkanausbrüche gezeichneten Vergangenheit Patagoniens erzählt und auch heute noch gibt es aktiven Vulkanismus in den Anden, der mit etwas alpinen Kenntnissen life miterlebt werden kann. All dies und noch vieles mehr muss auf uns wartet, denn nur eine Reise ist für Argentinien und Chile nicht ausreichend - es scheint ein Leben dafür nicht reichen.
P. Stuwe
Ferienhäuser in der Umgebung
-
Torre San José Apartments in Buenos Aires, 64 Zimmer, Argentinien [681106]
bis zu 2 Personen
Die Unterkunft Torre San José Apartments verfügt über 64 Zimmer. Das Apartment liegt in Buenos Aires, Argentinien. 7.9 von 10 Punkten haben 33 der Gäste, die hier bereits übernachtet haben, diesem Apartment gegeben. Im Apartment stehen Ihnen Räume der Kategorie Doppel zur Verfügung. ...
-
Apart Independencia in Buenos Aires mit 14 Zimmern, Argentinien [639041]
bis zu 3 Personen
14 Zimmer stehen Ihnen in der Unterkunft Apart Independencia zur Verfügung. Das Apartment befindet sich in Buenos Aires, Argentinien. 8 Gäste haben das Apartment nach Ihrem Aufenthalt mit 7.6 von 10 Punkten bewertet. Im Appartement stehen Ihnen Räume des Typs Apartment zur Verfügung. ...
-
Fiamingo Apart Hotel in Buenos Aires, 20 Zimmer, Argentinien [693046]
bis zu 4 Personen
Die Unterkunft Fiamingo Apart Hotel bietet den Gästen 20 Zimmer. Das Apartment liegt in Buenos Aires, Argentinien. 7.7 von 10 Punkten haben 22 der Gäste, die hier bereits übernachtet haben, diesem Apartment gegeben. In diesem Appartement stehen Ihnen Räume des Typs Doppel, Doppel/Zweibett, ...
-
Montevideo 48 Apart in Buenos Aires mit 21 Zimmern und 2 Sternen, Argentinien [376843]
bis zu 2 Personen
Die Unterkunft Montevideo 48 Apart verfügt über 21 Zimmer und hat 2 Sterne. Das Apartment befindet sich in Buenos Aires, Argentinien. Das Apartment hat von 210 Gästen 7.4 von 10 Punkten erhalten. Im Appartement stehen Ihnen Räume des Typs Doppel zur Verfügung. Allgemein Klimaanlage Heizung ...
-
Loft & Arte Apart Boutique in Buenos Aires mit 21 Zimmern, Argentinien [565829]
bis zu 2 Personen
Die Unterkunft Loft & Arte Apart Boutique verfügt über 21 Zimmer. Das Apartment liegt in Buenos Aires, Argentinien. 103 Gäste haben das Apartment nach Ihrem Aufenthalt mit 7.9 von 10 Punkten bewertet. Im Appartement stehen Ihnen Räume der Kategorie Doppel/Zweibett zur Verfügung. Allgemein ...
weitere Ferienwohnungen und Hotels nahe Patagoniens unendliche Weiten









Finde uns auf Facebook
tourist-online