Per Anhalter nach Fátima
- Ein Reisebericht -
Vor ein paar Jahren wollte ich mit zwei Freundinnen von Ferreira do Zêzere aus nach Fátima fahren. Es war der 13. Oktober, ein Sonntag, an dem in der kleinen Stadt im Westen von Portugal die Erscheinung der Jungfrau Maria gefeiert wurde. Es war eine absolut selbstorganisierte Reise, wenn man denn von Organisation sprechen kann...
Da es keine direkte Verbindung zwischen Start- und Zielort gibt, beschlossen wir, per Anhalter zu fahren. Dies ist eine relativ gefährliche und abenteuerliche, aber dennoch recht erfolgreiche Art der Reise durch ein südeuropäisches Land. Nach einigen Minuten des Wartens an einer Straße hielt ein riesengroßes Auto an. Der Fahrer sagte uns zu, dass er uns in die nächstgrößere Stadt bringen würde, nach Tomár. Von dort aus könnten wir dann weiterfahren. Die Fahrt war kurz und sehr angenehm, wir freundeten uns schnell mit den Fahrer an. Miguel - so hieß er - kündigte uns an, dass wir unser Ziel gleich erreicht hätten. Doch als wir in Tomár einfuhren, bremste er nur zögerlich und überlegte laut: "Ach, es ist Sonntag, ich habe nichts zu tun, und ihr wollt zu Ehren der Heiligen Jungfrau nach Fátima fahren. Warum bringe ich euch nicht einfach hin?!" So entschloss er sich, einen Umweg von 140 Kilometern auf sich zu nehmen, um uns drei Fremden nach Fátima zu bringen. Auf dem Weg erzählte er uns die Geschichte, die hinter den Feierlichkeiten steht.
Diese liegen in einer Begebenheit begründet, die sich im Jahr 1917 ereignete. Am 13. Mai dieses Jahres erschien die Jungfrau Maria drei Hirtenkindern aus Fátima auf einem Feld. Sie befahl ihnen, in jedem folgenden Monat jeweils am 13. zurückzukehren, aber niemandem davon zu erzählen. Eines der Kinder hielt sich jedoch nicht an das Versprechen, und so kamen von Monat zu Monat immer mehr Menschen zu dem Feld. Im September kündigte die Erscheinung für den 13. Oktober ein Wunder an, und siehe da: An diesem Tag sahen mehrere tausend Menschen das Sonnenwunder. Dabei drehte sich die Sonne schnell um sich selbst und sah aus wie ein Feuerrad.
Schließlich kamen wir in Fátima an und nahmen von unserem Fahrer Abschied. Erstaunt standen wir vor der größten Kirche des Ortes, die im Gegensatz zu den meisten portugiesischen Kirchen nicht von Fliesen geschmückt ist und sehr modern wirkt. Noch überraschender aber waren die auf Knien kriechenden älteren Frauen, die der Heiligen Maria huldigten, und die Organe und Körperteile aus Wachs, die man kaufen konnte. Man warf sie ins Feuer, je nachdem, welches eigene Organ oder Körperteil geheilt werden soll. Trotz der überraschenden Dinge, die nicht so ganz in unser vorherrschendes Bild von Portugal passten, entschieden wir uns, in Fátima zu übernachten und den großen Feierlichkeiten beizuwohnen. Zuvor hatten wir uns noch nicht um eine Übernachtungsmöglichkeit gekümmert, aber wir erfuhren, dass für Pilger, die zu Fuß in die Stadt kamen, kostenlose Unterkünfte und Versorgung bereitstehen. Zwar kamen wir mit dem Auto - was wir auch zugaben -, aber trotzdem zeigte man uns nicht die kalte Schulter. Die netten Damen, die wir nach einer Übernachtung fragten, waren so beeindruckt davon, dass sich drei junge, ausländische Frauen für Fátima interessieren, dass sie uns ausfragten und uns Tickets für den Übernachtungssaal und die Mensa gaben. Auf das Essen hätten wir auch verzichten können, weil wir so froh über die Unterkunft waren, aber die Damen bestanden darauf, dass wir mit ihnen aßen.
Die Nacht brach herein, und tausende Menschen versammelten sich auf dem Platz vor der Kirche. Die Boten aus verschiedenen Ländern wurden begrüßt, es wurden Lieder gesungen und eine Statue der Heiligen Maria herumgetragen. So konsterniert, wie wir von der Modernität der Kirche und der anderen Gebäude und Statuen auf dem Vorplatz waren, so atemberaubend schön fanden wir die nächtlichen Feiern. Tausende von Kerzen brannten, alle Menschen sangen, manche verbrannten ihre Wachsorgane, und andere krochen stundenlang auf Knien. Schließlich gingen wir zum Übernachtungssaal, einem riesigen Raum mit mehr als 100 Matratzen auf dem Boden. Auch wenn es wie eine Notunterkunft nach einer Katastrophe wirkte, waren wir zufrieden und glücklich, dass wir an einem Ereignis teilhaben durften, was so vielen Portugiesen so viel bedeutet: der Jungfrau von Fátima zu huldigen.
Orsolya Mária Kords
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