Pure Singapur
- Ein Reisebericht -
PURE SINGAPUR
Was habe ich nicht alles versucht – Sauna, Zwiebellook und dann tatsächlich wieder die Heizung aufgedreht...und das im Juli! Aber der Sommer 2011 hat mich wettertechnisch nicht wirklich in Strand- und Badelaune gebracht. Da hilft nur noch eins: Ab nach Osten!! Genauer gesagt nach Singapur. Zugegebenermaßen handelt es sich bei dieser Reise nur um einen Zwischenstopp von 5 Tagen auf dem Weg nach Australien, aber Bingo! Denn um es auf den Punkt zu bringen - Singapur ist einfach nur HOT... und das in jeder Hinsicht.
Nach guten 12 Stunden Flugzeit von Frankfurt aus lande ich am Singapore Airport und denke bei der prunkvollen Ankunftshalle eher an ein 5* Hotel denn an einen Flughafen - wären da nicht die allgegenwärtigen Security-Guards...
Hinein in den subtropischen Meltingpot zahlreicher Kulturen und Rassen – mit dem Taxi vorbei an den Vororten und dem langen Stadtstrand erreiche ich die pulsierende Millionenstadt voller Kontraste und Gegensätze in wenigen Minuten.
Bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 100%, den wie warme Duschen wirkenden beständigen Regenschauer und einer Durchschnittstemperatur von gefühlten 55 Grad wähne ich mich in einem riesigen Dampfbad. Da bekommt die Frisur schnell Schieflage und das T-Shirt ein paar Schwitzefleckchen. Verkehrte Welt - hier braucht man sich nur warm anzuziehen, wenn man irgendwo hinein geht, denn (fast) jedes Gebäude wird dank Klimaanlage gnadenlos auf „arktische“ 15-20 Grad herunter gekühlt. Auch in der sehr gepflegten Jugendherberge in der ich für 4 Nächte bleiben werde ist es – dezent gesagt – erfrischend.
Doch sonst bleibt es heiß: Bei den stylischen Menschen und coolen Geschäften in denen man wirklich alles kaufen kann. Dazu Restaurants deren Speisekarten die ganze kulinarische Bandbreite entsprechend der ethnischen Vielfalt dieser Stadt widerspiegeln. Szenige Bars und exklusive Clubs reihen sich an Museen, gepflegte Parks nebst exotischen Pflanzen, Insekten und Vögeln oder Sehenswürdigkeiten mit größtenteils religiösem Hintergrund. Winzige, uralte Tempel in denen immer noch gebetet wird haben ihren Platz zwischen den ultra- modernen, verglasten Skyscrapern im Business-District bislang behaupten können.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist weit günstiger als ich erwartet habe und gerade bei (unterhaltungs-)elektronischen Markenartikeln, Klamotten und Schuhen kann man super Schnäppchen machen! Vor allem abseits der touristischen Ballungszentren ist vieles preiswerter als in Deutschland – mit Ausnahme von Milchprodukten und Eis (kein Wunder, wenn man mal die Kühlkosten dafür mit einrechnet...).
Zwar weniger günstig, dafür aber umso beliebter und für alle Shopping-Addicts ein absolutes Must ist die Orchard-Rd. und die angrenzenden Shoppingmalls, wie z.B. die Wisma oder Tanglin Mall.
Innerhalb der Stadt kann man sich sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen, genauer gesagt mit der SMRT (Singapore Metro Rail Transport). Wenn man erst einmal die z.T. recht trickreich versteckten Eingänge zur U-Bahn gefunden hat, funktioniert diese dort auch nicht anders als in deutschen Großstädten. Die Preise sind moderat und man kommt so schneller von Ort zu Ort als sich mit dem Taxi durch den oft zähen Verkehr zu quälen.
Um mit einem Vorurteil aufzuräumen: Auch in Singapur ist es nicht so sauber dass ich vom Fußboden essen würde. Geschweige denn aus dem Singapore-River trinken!
Eine Bootsfahrt ist trotzdem empfehlenswert: Der Fluss fließt in 2 großen Schleifen mitten durch Singapur hindurch, sodass ich neben vorbeitreibendem Müll auch interessante Einblicke auf verschiedene Stadtteile vom Wasser aus bekomme.
Weniger ratsam ist dagegen der Genuss der – meines Erachtens - ungenießbarsten Frucht der Welt – der Durian...weder ein optischer und erst recht kein geschmacklicher Spaß solltet ihr auf eure Nase hören und dankend ablehnen, wenn sie euch zum Kosten angeboten wird! Dagegen ist das zwischen Neon-farbene Toastscheiben gepackte Bohnen- oder Mais-Eis das die Händler überall verkaufen schon fast eine Delikatesse! Auf weitere kulinarische Abenteuer kann man sich bereits in jedem Supermarkt einlassen, wo getrocknete Entenfüße in Reih´ und Glied in den Gängen aufgehängt auf hungrige Käufer warten. Für die ganz Mutigen bieten dann noch die öffentlichen Märkte, die in überdachten Hallen oder aber auch am Straßenrand aufgebaut sind wahre „Leckerbissen“ an. Hier bekommt ihr alles was dem Durchschnitts-Europäer normalerweise weniger in Küche und Topf wandert...Doch es lohnt sich alle Mal diese Märkte zu erforschen. Ich verbringe hier Stunden um den Händlern und Einheimischen beim Verkauf, Kauf und der Zubereitung von Speisen in ihren kleinen, lokalen Garküchen zu zuschauen.
Auch sonst kann ich viel Neues bestaunen: Sein es die Schutzhüllen für nasse Regenschirme in den Shoppingmalls (habe ich bereits erwähnt dass es in Singapur öfters regnet?) oder die Toaster-artigen Handtrockner in den Toiletten, in die man seine Finger hineinsteckt mit dem unguten Gefühl sie als Grillwürstchen wieder heraus zu ziehen. Ganz vorne mit dabei sind auch die Uhren an allen Ampeln, die einem anzeigen wie lange man noch Zeit hat, die Straße zu überqueren bevor man von einem der vielen Autos erfasst werden könnte. Ja, sicher ist es (zumindest in den touristischen Zentren) allemal – denn dort stehen überall, also wirklich überall (sogar vor den WCs) Security Guards mit unbeweglichen Mienen herum.
Ein Erlebnis der ganz anderen Art ist hingegen die Night-Safari durch den Singapore-Zoo: Nachtaktive Tiere, z.T. nur auf Armlänge entfernt und dazu die besondere Stimmung einer Nacht in den Tropen...
Der Hektik der Stadt entfliehe ich mit einem Schnellboot nach Bintaan, einer bereits zu Indonesien gehörenden, vorgelagerten Insel. Für kleines Geld bekomme ich hier das Gefühl eine ganze Insel mein Eigen nennen zu dürfen, so leer ist der Strand!
Die Singapori selbst sind freundliche mit einer anständigen Portion Geschäftssinn aber auch viel Hilfsbereitschaft ausgestattete Zeitgenossen. Allerdings hörten sich für mich die gut gemeinten Ratschläge in ihrer Amtssprache Englisch oft mehr nach Farsi, Chinesisch, Japanisch oder Thailändisch an. So viele Sprachen – so viele Stadtteile: China-Town, India-Town, christliche, muslimische, hinduistische und buddhistisch geprägte Viertel mit ihrer ganz eigenen Architektur, Kultur und Küche solltet ihr euch am besten zu Fuß erlaufen um ihre speziellen Atmosphären aufzunehmen. Sie sind das Herz Singapurs – einer Weltstadt mit vielen faszinierenden Gesichtern!
Cordelia Neumetzger
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