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Reise von Andalusien nach Marokko

- Ein Reisebericht -

Ein kleiner verträumter und nach Fisch riechender Hafen, eine raue Brise um die Urlaubernase und einen Blick auf das Atlasgebirge in Marokko, all das ist Tarifa. Tarifa, wo sich das Mittelmeer und der Atlanik treffen, wo sich die Surfer mit dem Wind verbrüdert haben und der reine andalusische Duft durch die Gassen weht. Andalusien ist wunderschön, Tarifa ist die südlichste Stadt auf dem europäischen Festland und unser Ausgangspunkt für eine Rucksacktour durch Marokko.

Den marokkanischen Auftakt liefert uns der laute Hafen von Tanger, welchen wir von Tarifa mit der Schnellfähre erreichen, wo Diebe mit Zollarbeitern scherzen und Urlauber zusehen, dass sie diesen geheimnisvollen Ort schnell und sicher verlassen können. Wir nahmen das erst beste Taxi und fuhren zum Hauptbahnhof von Tanger. Von hier sollte es in die Metropole und Hauptstadt Rabat gehen. Alles klappt gut, der Zug kommt pünktlich und wir beginnen unser Abenteuer. Der Zug fährt durch die Wüste, stundenlang und immer wieder unverhofft tauchen kleine Oasen am Zugfenster auf.

Rabat empfängt uns stimmungsgeladen und demonstrativ. Die Studenten der Stadt demonstrieren gehen Studiengebühren, bessere Lernbedingungen und schnellere Abschlüsse. Wir sehen zu, dass wir uns mit dem Rücken an eine sichere Wand stellen können, raus aus dem Getümmel und abwarten bis alles vorbei ist. An Durch- oder Vorbeikommen ist unmöglich. Rabat überrascht uns. Hauptstädte sind normalerweise groß und kalt. Rabat jedoch ist warm, beschaulich, alt, golden, arabisch. Auf der Suche nach einer Pension flanieren wir die Hauptstraße der Stadt entlang. Die Leute sind interessiert aber freundlich, Touristen sieht man außer uns keine.

In den folgenden zwei Tagen besuchen wir so wunderschöne Schauplätze wie die alte Medina, den Hassan Turm, das Mausoleum von Mohammed V., die Kasbah des Oudaïas sowie, unvergesslich und märchenhaft, die Chellah. Wir sind gefangen vom Orient, wir fühlen uns sofort mittendrin in dieser Märchenwelt aus Prunk und Geschichte, pulsierendem Leben und unerschöpflicher Lebensfreude. Die Pforten des Hauptbahnhofes öffnen sich und wir reisen weiter. Durch die Wüste, am Atlas entlang nach Marrakesch. Wieder eine Goldstadt. Das Palastviertel, die Koutoubia, der Djemaa el Fna - alles nimmt uns sofort gefangen, alles reißt uns mit sich. Wir laufen durch die aus rotem Sandstein gebauten Straßen, vorbei an Palästen und Villen in das Stadtzentrum. Hupende Autos, hupende Motorroller, klingelnde Fahrräder und Fußgänger, die sich nicht an Ampeln orientieren, nehmen uns mit in das Zentrum der Stadt. Wir finden schnell eine geeignete kleine Pension und lassen die Straßengeräusche durch das geöffnete Fenster des Zimmers auf uns wirken. Alles wirkt fremd und doch vertraut. Man sieht sich keinen Film an, welcher in Arabien spielt, man ist mitten drin. Die Wärme legt sich auf unseren Geist und wir versuchen ein wenig auszuruhen.

Am Abend unternehmen wir unseren ersten Spaziergang. Der Djemaa el Fna ist direkt um die Ecke, das Spektakel beginnt sofort. Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler, Medizinmänner und Köche, die in kleinen Pfannen kleine Kostbarkeiten zubereiten, umschließen uns ohne zu fragen. Man ist allein hier, als Tourist. Das macht es so schön, so spannend. Eine Portion Kous Kous später machen wir uns auf den Rückweg in die Pension. Die Eindrücke sind übermächtig. Es ist Nacht, eine ruhige Nacht. Wir schlafen leicht, hören die Bewegungen in den Häusergassen bis um fünf Uhr morgens der Muezin die Gläubigen zum Gebet ruft. 1001 Nacht, mitten drin. Nicht für Urlauber gemacht sondern für Marokkaner. Marokko schmückt sich nicht für den Tourismus, Marokko ist geschmückt, ist reich an Gerüchen, Geräuschen, Menschen, Farben, Blumen und so viel mehr. Wir verbringen aufregende Tage in Marrakesch. Besichtigen die Menaragärten, den El Badiaa Palast, flanieren durch die Villenviertel von Marrakesch bis hin zum Jardin Majorelle. Ein traumhafter Garten, angelegt zum Verweilen, zur Abkühlung, zum Genuss für die Sinne durch Farben, Formen und Pflanzen.

Es wird Zeit Marrakesch zu verlassen. Das große goldene Portal des Hauptbahnhofes empfängt uns. Auf den Gleisen wartet der Nachtzug nach Tanger - zurück zum Ausgangspunkt. Wir haben uns entschieden, die Städte Fes und Meknes zu besichtigen, wenn wir wieder in Marokko sind. Die Eindrücke dieser ersten Reise sind zu groß als das wir noch mehr aufnehmen könnten ohne auf die Wirkung der ersten Eindrücke zu verzichten. Alles ist so anders, so schön.

Tanger empfängt uns wie einige Tage zuvor. Laut, hektisch, gefährlich. Die Gefahr ist hier spürbarer als in anderen marokkanischen Städten. Die Schnellfähre bringt uns, begleitet von Delfinen, sicher nach Tarifa, wo wir uns noch ein paar Tage am Strand des Atlantik gönnen, mit dem Blick und den Gedanken nach Marokko gerichtet.

Marokko bietet kilometerlange Strände, die atemberaubende Schönheit alter orientalischer Städte, köstliches und gesundes Essen, schöne und freundliche Menschen, neue Geräusche, neue Gerüche und neue Farben. Das selbstorganisierte Reisen mit dem Zug durch Marokko ist unkompliziert. Die Züge sind pünktlich und sehr sauber, die Fahrpreise sehr günstig. Übernachtungen findet man in einfachen Pensionen, bis hin zu modernen Hotelanlagen mit jeder vorstellbaren Annehmlichkeit. Große Ausflugspläne sind unnötig, da allein das Flanieren durch die Städte, Parks und Paläste stundenlanges Staunen garantiert. Ein Grundwortschatz der arabischen Sprache ist zu empfehlen, möchte man von den Marokkanern respektiert werden. Dabei reicht es aus, wenn man die Worte für Bitte und Danke kennt.

Anonym

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