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"Summer" in Sydney

- Ein Reisebericht -

Yo Mates!

Obwohl ich beim Hinflug nach Australien tatsächlich meine Nagelschere im Handgepäck mitbrachte und damit beim Umstieg in Singapur einen mittleren Katastrophenalarm ausgelöst hatte, habe ich es schließlich doch nach Down Under geschafft und bin wohlbehalten in Sydney gelandet.

Während in der Heimat Sommerwetter angesagt ist, lande ich hier direkt im australischen "Midwinter" und werde nicht nur was die Temperatur angeht erst einmal ins kalte Wasser geschmissen: Auf Basis meiner bisherigen Bekanntschaften mit Australiern im Rahmen diverser Festivitäten wie dem Oktoberfest oder der Fußball-WM war mir ein eher rustikales Bild des "gemeinen Australiers“ im Hinterkopf geblieben. No offence – aber ich hatte auch in Sydney mit bodenständigen, etwas lauten, dafür aber umso kumpelhafteren und lustigen Zeitgenossen gerechnet - echten „Rednecks“ eben. Und mir dementsprechend bei meiner Ankunft auf dem 5. Kontinent keine besondere Mühe mit meinem Outfit gegeben...(Ok – zu meiner Entschuldigung – immerhin lagen insgesamt über 20 Stunden reine Flugzeit hinter mir, nicht zu vergessen die „kleine Aufregung“ in Singapur!) Doch auf die Einwohner Sydneys trafen meine Vermutungen dann mal definitiv nicht zu – denn der einzige „Hinterwäldler“, der da morgens in Australiens bekanntester Metropole herum lief, war wohl ich! Zugegeben – eine Stadt, in der die Polizeiautos aussehen wie „Muscle Cars“ und die Vorhöfe der Kathedrale als Skate-Platz genutzt werden dürfen, kann eigentlich nur vielversprechend in Sachen Style und Trendsetting sein...Da ich dazu auch noch das Glück hatte direkt im Stadtteil Bondi bei Bekannten zu wohnen, bin ich somit auch gleich im In-Viertel von Sydney gelandet: Ein Vintage/Second-Hand-Laden reiht sich an den anderen, dazwischen Surf-Shops, Bars, winzige Cafés die mit „Homemade Pastries n Cakes“ locken und dazu die entsprechende Klientel: Braun gebrannte SurferInnen, weißblonde „Beachbabes“, die mit ihren Hunden am Strand Gassi gehen, junge, sportliche Familien mit barfüßigen Kindern in Baggypants, Skater, Punks und darüber ein Flair relaxten Hippietums der noch die Originalnote der frühen Siebziger zu haben scheint...I like!

Bondi (übrigens das Aborigine-Wort für "Wasser über Steinen"), welches ja allseits vor allem für seine Surfer-Community bekannt ist, ist jedoch jetzt im australischen Winter nicht besonders voll. Im Sommer dagegen soll es jedoch mittlerweile Mallorca-mäßig anmuten. Da ist es mir jetzt – trotz kühlen Regenwetters - auf jeden Fall lieber! Es ist wunderschön am Strand spazieren oder joggen zu gehen und man kann von dort auf ein paar Klippen klettern, von denen man einen fantastischen Blick über den Pazifik zur einen und hinunter zur Stadt zur anderen Seite hat.

Zum Chillen bei leckeren Drinks aber auch als Unterkunft ist das „Icebergs“ direkt an den Felsen von Bondi eine gute und bekannte Adresse.

Sydneys Vororte erinnern mich mit den schmalen Backstein-Reihenhäusern unweigerlich an englische Kleinstädte. Die britische Vergangenheit ist nach wie vor spürbar – und ich spreche nicht nur vom Linksverkehr! Am Wochenende solltet ihr auf jeden Fall auch mal nach Manly auf den Flohmarkt fahren.

Downtown mutet dagegen eher wie eine amerikanische Großstadt an, gepaart mit dem Flair alter viktorianischer Bauten und Häusern, die der „Belle Epoque“ der 20er/30er Jahre nachempfunden sind. Im Gegensatz zu der „Laid-Back-Attitude“ in Bondi sind die Menschen hier alle ziemlich busy...Und man könnte auch meinen im Business District von New York oder im Börsenviertel von Frankfurt gelandet zu sein. Meine Freundin gab mir den Tipp, während den Rush-Hours lieber niemanden nach irgendetwas fragen. Und Recht hatte sie!

Ansonsten aber sind die Aussies auch in Sydney stets zu (derben) Scherzen aufgelegt, man wird grundsätzlich mit "Darling" oder "Dear" angesprochen und vieles wird mit einem Augenzwinkern gesagt – so habe ich gleich bei meinem ersten (sehr guten übrigens!) Kaffee einen Heiratsantrag vom Kellner bekommen. Als ich dann meinte, er sei sicher schon verheiratet, meinte er "Sure honey, I'm married to the bottle". Tja, da kann ich natürlich nicht mithalten.

Da Sydney um eine Bucht herum gebaut ist, gehören die Fähren genauso zu den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Busse oder Bahnen. Das heißt man kann eine Bootsrundfahrt zum Nahverkehrs-Preis erleben. Bei den Bussen müsst ihr allerdings wissen, dass ihr durch nachhaltiges Winken auf euch aufmerksam machen müsst, wenn ihr zusteigen möchtet. Es reicht nicht körperlich anwesend an der Haltestelle zu stehen! Sonst bleibt ihr eben (so wie ich) auch schnell mal eine geschlagene Stunde im Regen stehen, während Bus an Bus wasserspritzender Weise an euch vorbei fährt.

Ja, es regnet und regnet, und so kommt das riesige Aquarium als Schlechtwetterprogramm wie gerufen. Und wer es schon nicht zum Great Barrier Reef schafft, hat so wenigstens die Gelegenheit, es in Miniaturausgabe zu sehen. Die unterschiedlich gestalteten und bewohnten Unterwasserwelten die verschiedene Klimazonen repräsentieren sowie der „Shark-Tunnel“ sind wirklich einen Besuch wert!

Ansonsten sollte man auf jeden Fall die Oxford-Street und Umgebung mit genügend Cash oder Kreditkarte in der Tasche ablaufen, dort gibt es tolle Shops und Clubs. Auch das Gay-Viertel befindet sich dort.

Obwohl ich eigentlich kein Freund von touristischem Standardprogramm bin, kann ich hier eine Stadtrundfahrt auf jeden Fall empfehlen. Die Innenstadt ist zwar auch gut zu Fuß zu erlaufen, aber mit all seinen Vororten ist Sydney doch sehr weitläufig und im Rahmen einer „guided Tour“ kommt man dann auch zum Olympia-Gelände und anderen interessanten Plätzen.

Alles in allem solltet ihr auf jeden Fall mindestens eine Woche Zeit für Sydney einplanen – mit den Einheimischen feiern gehen oder auch mal ein Rugby-Spiel in einem Pub anschauen. Allerdings bitte nicht im Neuseeländischen „All Blacks“-Trikot!

Die zahlreichen Museen erzählen anschaulich die spannende Geschichte der Besiedlung Australiens durch britische Strafgefangene und auch die Geschichte der Aborigines bis heute, die jedoch gesellschaftlich leider immer noch ein Schattendasein in Australien fristen.

Einer Weltstadt würdig gibt es interessante, wechselnde Kunstausstellungen und tolle Konzerte internationaler Künstler. Und natürlich gibt es das weltberühmte Sydney Opera House, welches einerseits für die einzigartige Architektur, aber mindestens genauso für seine besondere Akustik bekannt ist.

Wenn ihr noch Zeit habt, allerdings nicht genug um weitere Landesteile zu erforschen, dann empfehle ich einen Tagestrip wie z.B. die „Blue-Mountains-Tour“ - Kängurus inklusive...

Sydney ist super und hat - so wie seine Bewohner – vielleicht manchmal eine raue Schale, aber einen weichen, wundervollen Kern!

Cordelia Neumetzger

Sydney

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