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Trekking im Tongariro

- Ein Reisebericht -

Der Weg wird steiler und immer vereister. Die normalen Schuhe bieten bereits keinen optimalen Halt mehr. Es wird Zeit die Steigeisen anzulegen, um weiter zu kommen. Zuvor haben wir uns im Besucherzentrum des Tongariro Nationalparks noch die aktuellen Lawinenberichte geben lassen. „Kein Problem“ lautete die kurze Bemerkung des Mitarbeiters, „es wird nur kalt, aber das Wetter wird ansonsten erstklassig“. Die Ausrüstung konnten wir im benachbarten Dorf ausleihen.

Die Trekkingmöglichkeiten in Neuseeland sind nahezu endlos. Für jeden Geschmack und jeden gewünschten Schwierigkeitsgrad gibt es Möglichkeiten, die Wildnis dieser beiden vielfältigen Inseln kennenzulernen. Der Tongariro Nationalpark gehört dabei zu den bekanntesten, geschützten Gebieten auf der Nordinsel Neuseelands. Die Tagestour, das sogenannte „Tongariro Crossing“ wird als die schönste Tageswanderung der Welt bezeichnet und im Hochsommer schieben sich Hunderte von Menschen auf diesem Weg entlang. Der Höhepunkt sind die einzigartigen kleinen Seen „Emerald Lakes“, die man vom Gipfel des Tongariros aus sieht und die sich türkisblau von der dunklen Asche absetzen. Aber auch der viertägige Weg rund um das Vulkanmassiv gehört zu den Highlights einer Neuseelandreise.

Im Winter sind wir im Gegensatz zum Sommer fast alleine unterwegs. 4 Tage Marsch stehen uns bevor. Der Weg startet in einer Sumpflandschaft und ist noch völlig schneefrei. Erst mit dem Anstieg am zweiten Tag erreichen wir die Schneegrenze und gleichzeitig eine Winterlandschaft mit Panoramablicken, die in ihrer Schönheit kaum überboten werden können. Als wir den Gipfel des Tongariros erreichen, blicken wir bei bester Sicht auf schneebedeckte Gipfel, vereiste Täler und zwischendrin aufsteigende Rauchsäulen aus dem Boden des vulkanisch aktiven Gebietes. Stärker könnten die Gegensätze nicht sein, wenn der Schnee dem heißen Boden weicht. Steil bergab geht es von hier aus und die Zähne der Steigeisen krallen sich tief in das Eis. Das Gehen mit diesen Hilfsmitteln unterscheidet sich nicht allzu sehr vom normalen Wandern. Die Eisen geben nur zusätzlich Halt und Sicherheit auf dem rutschigen Terrain.

Entlang des Weges befinden sich unbewirtschaftete Hütten, in denen übernachtet werden kann. Diese bucht man vorab am Besucherzentrum. Auch hier sind wir wieder alleine und haben freie Bettenauswahl. Zum Glück funktioniert der installierte Gasofen und schnell wird es gemütlich in der Hütte. So gemütlich, dass es nicht mehr lange dauert, bis wir den Tag noch einmal in unseren Träumen Revue passieren lassen. Der nächste Tag zur nächsten Hütte ist ein kurzer Gehtag. Wir gelangen bei strahlendem Sonnenschein wieder auf Wege ohne Schnee, passieren ein paar Hängebrücken und genießen immer wieder neue Ausblicke auf die Landschaft, die schon aus Herr der Ringe berühmt geworden ist.

Der letzte Tag fordert noch einmal alle Ausdauer von uns. Denn über 20 Kilometer trennen uns noch vom Wakapapa Village dem Ausgangs- und Endpunkt dieses Tracks. Als wir durch die Vulkanlandschaft wandern, kommen uns schon wieder Gedanken, welchen Weg wir uns als Nächstes hier in Neuseeland vornehmen.

Marc Frantzen

Tongariro

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