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Unbekanntes Patagonien - Eine Woche durch die Anden Neuquéns

- Ein Reisebericht -

Die argentinischen Südanden im Westen Patagoniens haben viele Gesichter. Wir - ich und meine Lebensgefährtin - hatten uns entschlossen, im Januar 2011 in einer Woche eine der unbekannteren Ecken dieser Gegend zu erkunden: den Norden der Provinz Neuquén mit den Städtchen Andacollo und Chos Malal als Ziele. Anders als der viel bekanntere Süden der Provinz mit seinen Regenwäldern und Seen ist diese Gegend trockener und rauer. Schroffe Felslandschaften wechseln mit Vulkanen und fast alpinen Wiesen und Bächen, ein Paradies für Aktivurlauber. In Frage kam bei einer derart unerschlossenen Gegend nur ein selbstorganisierter Urlaub mit dem Linienbus als Verkehrsmittel.

Unser Ausgangspunkt war die Provinzhauptstadt Neuquén, die von der Hauptstadt Buenos Aires täglich angeflogen wird und von ganz Argentinien aus mit dem Bus erreicht werden kann, was allerdings eine lange Tour bedeutet. Neuquén, gelegen in einer typisch patagonischen Landschaft in einer Flussoase mitten in der Steppe Patagoniens, bietet als moderne und reiche Stadt alle Annehmlichkeiten für den Reisenden, hat aber wenige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Von hier aus nahmen wir den Bus nach Chos Malal (400 km, ca. sechs Stunden), der mehrmals täglich verkehrt.

Chos Malal ist eine für patagonische Verhältnisse vergleichsweise alte Stadt und war bis 1904 Hauptstadt des Territoriums Neuquén, wovon noch einige historische Bauten und ein Museum zeugen, das die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Militärstützpunktes darstellt. Unser Hotel, das sehr günstige Kallfu Kuyen, war annehmbar sauber, wenn auch sehr einfach. Mit 11.000 Einwohnern ist der Ort ruhig und beschaulich. Am Rand der Anden gelegen kann man in der Umgebung durch das weite, von kleinbäuerlichen Betrieben geprägte Tal des Río Neuquén inmitten von rotbraun bis violett gefärbten Felsenbergen spazieren. Wir taten dies bei unserem Urlaub ausgiebig, nach zwei Tagen zog es aber doch weiter in die Anden hinein: nach Andacollo.

Bereits die Straße zwischen Chos Malal und Andacollo ist spektakulär: sie führt langsam in Serpentinen durch grüne Täler in immer rauere Gefilde mit schroffen Felsformationen. Gemildert wird die Trockenheit durch neu angepflanzte Nadelwälder, wohl ein Teil des Programmes zur Reduzierung des Kohlendioxids in der Atmosphäre.

Andacollo, das eigentliche Ziel unseres Urlaubs in Neuquén, ist eine Kleinstadt mit 4.000 Einwohnern im Hochtal des Río Neuquén, der hier ein reißender Bergfluss ist - nichts für Badefreunde, diese können jedoch an einigen Nebenflüssen glücklich werden. Doch der eigentliche Protagonist für Freunde des Aktivurlaubs hier sind die Anden selbst: im Vordergrund mittlere, rotviolett gefärbte Hügel, und dahinter die schneebedeckten Riesen der Hauptkordillere, die in diesen Breiten immerhin bis 4.700 m hoch werden. Unsere Unterkunft war die Hostería Andacollo, ein günstiges (ca. 30 Euro Doppelzimmer) und sauberes Landhotel, das Budgetreisenden nur empfohlen werden kann und auch ein einfaches Restaurant mit den typisch argentinischen Standardgerichten (Fleisch, Pizza und Pasta) besitzt. Verblüfft stellten wir fest, dass wir trotz Hauptsaison in der ersten Nacht die einzigen Gäste waren. Hilfreich ist immer die Touristeninformation, die an der Plaza des Ortes zu finden ist.

In den fünf Tagen in Andacollo hatten wir sowohl Tage der Ruhe als auch einige Ausfüge eingeplant. So fuhren wir am zweiten Tag in das nur 6 Kilometer entfernte Huingancó, ein idyllisches Dorf ganz in traditioneller Holzarchitektur an einem Berghang und vor allem mit viel Grün - der ganze Ort ist bewaldet. Den Ausflug beendeten wir in einer gemütlich traditionellen Teestube, in der man sich auch in den Alpen wähnen könnte. Einen Tag später ging es mit dem Bus durch ein spektakuläres Felsental nach Las Ovejas, einem Ort, der wie der spanische Name schon sagt, von der Schafzucht lebt und von saftigen Wiesen umgeben ist. Weitere Ausflüge, zu denen uns leider die Zeit fehlte, kann man zu den Thermalbädern Aguas Calientes und zu den Bergseen Epu-Lauquén in einem kleinen Regenwald unternehmen.

Nach dieser wunderschönen Woche Urlaub in Neuquén hatten wir das Gefühl, ein echtes Juwel entdeckt zu haben. Wir können einen Urlaub in Andacollo und Umgebung jedem empfehlen, der gerne abseits der Touristenpfade wandelt, seine Reise selbst organisieren kann und Reiz an einem Aktivurlaub findet.

D. Gensler

Andacollo

Chos Malal

Neuquén