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Unterwegs zu den Langhäusern der Kejaman

- Ein Reisebericht -

In Sibu, im malayischen Teil Borneos, stehen wir ungläubig vor dem Boot. Eigentlich hatten wir ein langes Holzboot mit einem kleinen Außenbordmotor erwartet. Stattdessen stehen wir vor einem modernen, gut 50 Meter langen Speedboot, was uns den Fluss in Richtung Kapit mit 60 Kilometern die Stunde heraufführen wird. Unser Ziel sind die Langhäuser der Kejaman, einer ethnischen Volksgruppe hier im Regenwald.

Die vierstündige Fahrt gleicht Bildern aus einer Fernsehreportage, die wir im Kopf haben. Auf einem Fluss mit braunem Wasser, der von dichtem Regenwald gesäumt ist, geht es flussaufwärts. Am Ufer ziehen kleine Dörfer vorbei, in denen sich das tägliche Leben abspielt. Kinder springen zum Schwimmen ins Wasser, Fischer stehen brusttief im Fluss und werfen ihre Netze aus und Frauen waschen Berge von Kleidung. Aber auch ein eher trauriges Bild großer mobiler Boote, die das geschlagene Holz verladen, begegnet uns.

Unsere erste Zwischenstation ist Kapit. Die kleine Stadt liegt mitten im Regenwald und ist nur per Flieger oder eben mit dem Boot zu erreichen. Trotz alledem wirkt sie eher modern. Wir erkunden die Stadt und den bunten Markt. Am Abend erhalten wir am Nachtmarkt einige Kostproben der Kochkunst. Die Weiterfahrt bis nach Belaga, unserem eigentlichen Ziel, ist noch etwas unklar. Nur in der Regenzeit, die gerade begonnen hat, ist der nächste Flussabschnitt zu bewältigen. Aber die Boote fahren derzeit. Diesmal müssen Stromschnellen gequert werden. Am übernächsten Tag betreten wir wieder eines der Speedboote, welches uns nun weitere 5 Stunden flussaufwärts bringt. Unbestrittener Höhepunkt der Fahrt sind die Pelagus Stromschnellen, die vom Kapitän beträchtliches Fahrgeschick erfordern.

In Belaga angekommen, stehen wir als Individualreisende auf Borneo der nächsten Herausforderung gegenüber. Wo finden wir nun einen Führer, um zu den Langhäusern zu gelangen? Ein paar Stunden später treffen wir ihn, mehr oder weniger zufällig. Weitere zwei Tage, inklusive einer Übernachtung im Langhaus mit traditionellem Essen stehen uns bevor. Der nächste Tag beginnt so, wie schon lange erwartet. Ein kleines Holzboot holt uns diesmal ab. Wir fahren langsam den Fluss hoch und haben nun Gelegenheit, dem Treiben mit etwas mehr Ruhe zuzusehen. Das erste Dorf der Kejaman, welches wir besuchen, ist auffällig modern. Es hat eine kleine Schule und sogar Internet. Und das alles mitten im Regenwald. Der Strom wird durch einen Generator geliefert. Wir haben sogar Gelegenheit einen Blick in die Langhäuser zu werfen, weil uns der Chef des Dorfes auf einen Tee einlädt.

Das nächste Langhaus, wo wir übernachten werden, ist weitaus traditioneller. Wir sind zu Gast bei einer Familie, die für unser Wohl sorgt. Wir dürfen uns relativ frei im Dorf bewegen und allen Leuten bei ihren Tätigkeiten zuschauen. Wir probieren, einem Fischer beim Knüpfen eines Netzes zu helfen, versagen allerdings schon bei der vierten Masche. Am Abend gibt es ein traditionelles Mahl mit Gemüse aus dem Regenwald. Bei keinem Gericht darf der Reis fehlen. Aufgrund der Hitze entscheiden wir uns für die Nacht trotz der Moskitos auf der langen Veranda zu schlafen, die die einzelnen Wohnungen des Langhauses verbindet. Am nächsten Tag steht noch eine Wanderung durch das Dschungelterrain an, bevor es dann wieder zurück nach Belaga geht.

Bei einem selbstorganisierten Urlaub auf Borneo ist dies ein empfehlenswerter Ausflug, das Leben der Menschen im Wald kennenzulernen. Aber auch dort kommt der Fortschritt mit sehr großen Schritten täglich näher. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen ihre Traditionen bewahren.

Marc Frantzen

Belaga