Urlaub in Indonesien
- Ein Reisebericht -
Die Terminologie „Voll“ gibt es in einem Land wie Indonesien nicht. Ein Bus ist niemals voll, eine Fähre ist niemals voll und auch ein Bemo, ein kleiner landestypischer Van, ist niemals voll. Lachend rückt die zahnlose, alte Frau noch ein Stück näher als ein weiterer Passagier einsteigt und klopft mir anerkennend aufs Knie. Während der Fahrt kommen wir uns so nah, dass sie langsam beginnt, begeistert mit meinen Haaren auf den Beinen zu spielen. Haare auf den Beinen sind bei indonesischen Männern selten. Unsere Fahrt von Bali nach Komodo beginnt.
Noch auf Bali versuchte man uns zu erklären, dass es so gut wie keine Möglichkeit gibt, mit öffentlichen Transportmitteln bis nach Flores, dem Ausgangsort nach Komodo, zu kommen. Die Lösung hieß, direkt vor Ort eine extra für Touristen ausgearbeitete Spezialtour auf einem Partyboot zu unternehmen. Wer ein wenig zwischen den Zeilen lesen kann, und das ist in Indonesien nicht allzu schwierig, weiß, dass diese Aussage ein klares Indiz ist, dass es auf jeden Fall eine alternative Möglichkeit gibt. Eine Individualreise ist da sicherlich die interessantere Alternative.
Im Bemo sind wir auf dem Weg zum Fährableger auf die Nachbarinsel Lombok. In Padangbai angekommen, belagert man uns und will direkt helfen. Die normale Fähre sei heute nicht planmäßig, aber man könne uns ein Schnellboot als Ersatz anbieten. Natürlich mit geringem Aufpreis. Dankend lehnen wir ab, als wir bereits das Dröhnen der Schiffsirene im Hintergrund hören. Diese Reise könnte lustig werden.
In 4 Stunden geht es nach Mataram zur Nachbarinsel Lombok. Dort geht das Suchen weiter. Wir fragen im Gasthaus nach und jemand kennt jemanden, der uns ein Ticket besorgen könnte. Gut 2 Stunden später halten wir das Ticket nach Labuanbajo auf der Insel Flores in der Hand. Ein kleiner Gefälligkeitsaufpreis ist zwar im Ticket enthalten, aber es ist kein Vergleich zum Tourpreis auf dem Partyboot. Und für ein bisschen Abenteuerurlaub zahlt man ohnehin gerne ein paar Rupien mehr. Die Fahrt beginnt am Nachmittag des nächsten Tages. Wir werden vom Gasthaus abgeholt in einem Gefährt, bei dessen Anblick uns die Sorge befällt, ob es noch bis zum Busbahnhof zusammenhält. Es hält. Am Busbahnhof angekommen, fühlen wir uns fast in einen Film versetzt. Turbulenter kann es nirgendwo zugehen, es wird gehupt, geschrien, aufgeladen, abgeladen, verpackt verzurrt und wieder: Voll gibt es nicht.
Einigermaßen pünktlich setzt sich unser Bus, der grundsätzlich einem europäischen Reisebus nahe kommt, allerdings mit einem Drittel mehr Sitzplätzen, in Bewegung. 3 Stunden geht die Fahrt über Lombok, dann auf eine Fähre. In einer Stunde bringt uns diese auf die Insel Sumbawa. Mittlerweile verschwindet die Sonne unter dem Horizont und die Nachtfahrt steht an. Gut 10 Stunden bis zum anderen Ende der Insel. Der Bus rast durch die Nacht. Erst am sehr frühen Morgen kommen wir in einer kleinen Stadt an, in der wir in einen winzigen Bus zum nächsten Fähranleger wechseln müssen. Aus unerfindlichen Gründen hat dieser Bus eine Wartezeit von gut zwei Stunden einkalkuliert mit der Folge, dass wir die nächste Fähre verpassen. 8 Stunden Fährfahrt stehen uns noch bis zum eigentlichen Ziel bevor. Natürlich kann man uns helfen, denn ein Schnellboot… wir lehnen dankend ab. Diesmal allerdings müssen wir auf das nächste Boot 13 Stunden warten. Indonesische Verkehrspläne sind nicht unbedingt aufeinander abgestimmt. Eine weitere Nacht im öffentlichen Verkehrsmittel steht an, die aber diesmal weitaus bequemer ist. Für ein paar Rupien können wir uns auf dem Schiff eine Matratze leihen, diese auf dem Boden ausbreiten und die Nacht durchschlafen. Im Morgengrauen erreichen wir Labuanbajo. Ab hier gibt es nur noch eine Möglichkeit. Man muss auf eigene Faust ein kleines Boot chartern, das einen nach Rinca oder Komodo bringt. Bestenfalls findet man ein paar Personen um sich die Kosten, die sich dennoch sehr im Rahmen halten, zu teilen. Belohnt wird man mit einem unvergesslichen, persönlichen Erlebnis, wenn in der trockenen Savannenvegetation die ersten Riesendrachen umherschweifen und einen listig mit einem Züngeln anschauen, bevor sie wieder im Dickicht verschwinden.
Anonym
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