Zehn Tage Campingurlaub an der patagonischen Atlantikküste
- Ein Reisebericht -
Patagonien, die raue Steppenlandschaft im Süden Argentiniens, ist eigentlich nicht unbedingt als Strandziel bekannt, sondern eher als Ziel für Naturfreunde. Doch laden mehrere Seebäder auch zu einem Sommerurlaub ein. Zwar sind die Strände windig, doch die Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad übertreffen die der traditionellen Badeorte Argentiniens rund um Mar del Plata deutlich. Im Jahr 2008 entschied ich mich für einen Campingurlaub im größten Seebad Patagoniens, Las Grutas bei San Antonio Oeste. Ich fuhr alleine mit dem Bus los und traf dort dann auf Bekannte, die dort den Sommer über jobbten. Die Busverbindungen von Las Grutas nach Buenos Aires (mehrmals täglich) und anderen Städten Argentiniens sind gut, Flugverbindungen gibt es jedoch nur wöchentlich.
Las Grutas ist ein kleiner Ort mit 5.000 Einwohnern, der jedoch im Sommer auf das Zwanzigfache anschwillt. Im Januar ist es oft schwer, Hotelzimmer zu finden. Als Campingurlauber hat man es dabei etwas leichter, soweit man nicht gerade am Wochenende ankommt – dann sind auch die Campingplätze oft voll. Ich bekam eine kleine Parzelle auf einem Platz, der einer Gewerkschaft gehörte. Der Platz war allerdings sehr voll und auch dementsprechend laut.
Der Strand von Las Grutas hat mehrere Besonderheiten. So liegt er am Fuß einer Steilküste mit Grotten, die dem Ort den Namen gaben. Während bei Ebbe unterhalb des Strandes viele Felsen zum Vorschein kommen, reicht das Wasser bei Flut bis fast an die Steilküste, so dass der Strand dann sehr eng wird. Dies hat durchaus seinen Reiz, so kann man bei Ebbe auch in mehreren in den Fels gehauenen "Schwimmbädern" baden. Das Wasser ist klar und warm, das Wetter meist heiß, wenn auch manchmal windig, doch vor den starken Böen schützt die Steilküste. Wer es etwas einsamer mag, kann an den Strand "Piedras Coloradas" fahren oder laufen, der 4 km südlich liegt und wo rötlich gefärbte Felsen in der Sonne für ein reizvolles Farbenspiel sorgen.
Gastronomie gibt es in Las Grutas reichlich, dabei stechen vor allem viele Fischrestaurants hervor. Am Abend gibt es ebenfalls mehrere Optionen um auszugehen: von Mainstream-Diskotheken, die ein sehr junges Publikum anziehen, bis zu rockigen Bars und einem sogenannten Parador (Strandbar), der Techno und House spielt. Auch ein Casino ist vorhanden. Manchmal finden unregelmäßige Partys am Strand statt.
An einem etwas windigeren Tag erkundete ich die nahe Stadt San Antonio Oeste. Die Hauptattraktion ist hier das große Wattenmeer der Bucht von San Antonio, die sich in die patagonische Steppe regelrecht hineingefressen hat. San Antonio hat wenige Sehenswürdigkeiten, doch das Hafenviertel mit seiner traditionell-patagonischen Holz-Wellblech-Architektur ist einen Blick wert.
Nach einer Woche purem Strandurlaub packte mich doch noch die Lust, etwas Neues zu entdecken. So nahm ich den Bus und fuhr in das 120 km südlich gelegene Sierra Grande. Diese Stadt hat zwar außer einer kleinen Hügelkette nichts besonderes zu bieten, nahe liegt jedoch einer der schönsten Strände Argentiniens überhaupt: Playas Doradas ("Goldene Strände"). Dorthin muss man einen Lokalbus nehmen, der mehrmals täglich verkehrt.
Playas Doradas ist das Gegenstück zu Las Grutas und wie geschaffen für einen erholsamen Campingurlaub: abgelegen, ruhig, sicher und ohne Lärm. Der Massentourismus hat hier noch nicht Einzug gehalten. Auf dem einzigen Campingplatz war trotz Hochsaison noch viel Platz. Der goldfarbene Strand ist hier rein sandig, mit einigen Felsen am Rand und eingerahmt von begrünten Dünen, und das Wasser genauso warm wie in Las Grutas. In der Nähe kann man zudem Pinguine und Seelöwen beobachten, es werden organisierte Touren angeboten.
Ein Campingurlaub an der patagonischen Atlantikküste kann also von allem etwas bieten: von durchtanzten Nächten bis hin zur absoluten Ruhe und Einsamkeit. Ein unbekanntes, aber durchaus empfehlenswertes Reiseziel.
D. Gensler
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