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Zwei Kinder, ein Rucksack und drei Wochen durch Kenia

- Ein Reisebericht -

„Papa, fahren wir am Wochenende wieder in den Urlaub?“ Kindermund tut eine gelungene Reise kund. Und in Kenia zwischen Regenzeit und Sommer-Hochsaison kann man nicht viel falsch machen. Unser erster Besuch in Schwarzafrika führte unsere vierköpfige Familie auf das etwa 2.000 Meter hohe Zentralplateau, in das benachbarte reizvolle Rift Valley, welches zum fast 10.000 Kilometer langen Ostafrikanischen Graben gehört, sowie auf eine Safari in die Ausläufer der berühmten Serengeti, welche auf kenianischer Seite Masai Mara geheißen wird und offenbar Heimat der stolzen, unverändert nomadisch lebenden Masai ist.

Diese selbstorganisierte Reiseroute wäre natürlich nur bedingt nach dem Geschmack unserer 5- und 7-jährigen Rabauken. Also suchten wir bereits einige Monate vor Abflug kindgerechte Leckerbissen heraus und buchten im Internet eine Nachtfahrt mit der „Iron Snake“. Die legendäre Eisenbahn, welche den Viktoria-See über Nairobi mit Mombasa und somit dem Indischen Ozean verbindet, zuckelt wie in alten Zeiten drei Mal wöchentlich von Ost nach West bzw. von West nach Ost. Und gleich südlich der alten Hafenstadt Mombasa, deren Schicksal mal arabisch, mal indisch, mal portugiesisch beprägt wurde und weiter wird, fanden wir im Internet unter der Flut von Hotels eines, welches uns für schlappe 40 Euro pro Tag für die ganze Familie ein traumhaftes Sonne-Palmen-Strand-Pool-all inclusive-Erlebnis bescherte. Was für ein Luxus-Schnäppchen am Diani Beach! Was für ein Schlemmen an täglich wechselnden Buffets, die exotischen Früchte, Säfte und Cocktails sowie neue Gaumenfreuden dank unbekannter einheimischer Gerichte! Und was für ein nie enden wollendes Planschvergnügen bei 24 Grad Wassertemperatur!

Bevor wir die Beine jedoch hoch legten, waren wir aktiv. Start- und späterer Abflugort war die Hauptstadt Nairobi. Bei Ausflügen bewanderten wir westlich der Metropole die Ngong Berge und kletterten unter gleißender Sonne auf den annähernd 3.000 Meter hohen und zum Glück erloschenen Vulkan Mount Longonot. Außer an Wochenenden hat man den Weg für sich allein. Der staubige Weg auf Vulkanasche ist allerdings in etwa so angenehm wie die dunklen Abgasschwaden Nairobis, die einem von den unzähligen Bussen, Lastern und zu Kleinbussen umfunktionierten Transportern wegen fehlender Rußpartikelfilter um die Nase wirbeln. Die Ausblicke ins Rift Valley entschädigen einigermaßen – unbeschreiblich imposant, wie das Hochplateau Kenias gleich einer gigantischen Stufe abbricht, einfach aufhört und weite Aussichten in die grün getupften Ebenen frei gibt. Dass der Ostafrikanische Graben den ganzen Kontinent von Mosambik bis Israel durchzieht bleibt freilich abstrakt und nur im Atlas erlebbar.

Hautnah aus fünf Metern und als unübertreffbaren Höhepunkt erlebten wir, wie eine Löwin ein Gnu riss. Eben noch huschte die Raubkatze plötzlich davon. Und als unser Safarijeep um das Gebüsch lenkte, hatte sie das von der Herde abgekommene Huftier bereits am Hals gepackt. Ihre Zähne bissen unerbittlich zu und lockerten sich erst, als das Gnu danieder sank. Die Löwin zog den leblosen Körper weiter ins seichte Unterholz, ehe sie ihre bis dahin verborgenen vier Babys zum Abendmahl bat. Unbekümmert, von den mittlerweile zahlreicheren Zweibeinern in Transportern unbeeindruckt, begann der spielerische Schmaus.

Obschon die große Wanderung von der Serengeti über den Mara-Fluss noch nicht eingesetzt hatte, entdeckten wir in den drei Tagen in der Masai Mara außer Nashörner wohl so ziemlich alle Tiere Afrikas. Der Tier- und Artenreichtum im Nationalpark – vor allem die Zebra- und Gnuherden – lässt die hügelreiche Savanne wie ein Sprenkelteppich aussehen. Giraffen, Büffel, Leoparden, Nilpferde, Affen, Krokodile, Elefanten, Antilopen, Hyänen…

Wer das Fernweh im Blut hat und gern individuell und selbst organisiert reist, kommt am schwarzen Kontinent nicht vorbei, sollte sich von Schreckensmeldungen nicht einschüchtern lassen und Kenia auf seiner Liste haben. Ohne kleine Kinder locken auch die fast 6.000er Gipfel des Mount Kenya bzw. Kilimanjaro. Hakuna Matata – keine Probleme – heißt es auf Swahili.

Frank Willberg

Nairobi

Mombasa

Diani Beach

Ololaimutiek im Masai Mara National Reserve

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