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california dreamin

- Ein Reisebericht -

California Dreamin

Die 747 ging ab London Heathrow und stieg vollgetankt und schwer bepackt langsam Richtung Westen auf. Irgendwo über der Irischen See Richtung Norden haben wir dann die Reiseflughöhe erreicht und nach einigen Stunden ging es über das ewige Eis des Nordpols. Hier heben sich die Größenverhältnisse auf, 10.000 Meter können auch 1.000 Meter sein, es gibt keinen Bezugspunkt. Nach weiteren sechs Stunden Flug über die unendlichen Weiten Kanadas und ständig wechselnden Landschaften und Vegetationszonen schweben wir unendlich lange über Los Angeles ein. Nur aus der Luft kann man die unvorstellbare Ausdehnung der Stadt ermessen und die breiten Straßen, die Deutsche Autobahnen als Feldwege erscheinen lassen.

Der Flughafen in L.A. ist ebenfalls ein Erlebnis der besonderen Art. Zwei parallele Start- und Landebahnen – Flugbetrieb in alle Richtungen. Die Einreise ist so, wie man es aus Filmen kennt, mürrische Beamte blicken durch dunkle Brillen und es beschleicht uns kurz die Sorge, dass wir aus welchen Gründen auch immer wieder den Heimflug antreten sollen. Aber wir werden zum Glück durchgewunken und suchen uns unseren Leihwagen. Die erste Angst das Hotel am Sunset-Boulevard nicht zu finden, erweist sich als unbegründet, denn der Weg ist gut beschrieben. Im Hotel macht sich dann langsam der Jetlag bemerkbar und wir gehen früh zu Bett, um unseren ersten Tag der Rundreise in L.A. zu genießen.

Die Universal Studios begrüßen uns am nächsten Morgen und wir gestatten uns eine Tour vorbei am weißen Hai, King Kong, fahren durch den Jurassic Park und vieles kommt einem bekannt vor. Besonders beeindruckend, eine riesige Leinwand mit blauem Himmel hinter einem See, die für viele Aufnahmen auf „hoher See“ die Kulisse für die Unendlichkeit des Meeres vorgegaukelt hat.

Der Folgetag bringt uns nach San Diego– mit seinem wunderschönen Hafenviertel, der Halbinsel Coronado und man spürt die Nähe zu Mexiko. Wir liegen am Strand vor dem Hotel del Coronado, das bereits Tony Curtis und Jack Lemmon im Film "Manche mögens heiß" als Kulisse gedient hat.

Der nächste Tag unserer Rundreise wird für uns ein Gewaltritt. Wir fahren gen Osten – ins Landesinnere. Schnurgerade ziehen sich Landstraßen oder Highways durch das Land, der Tempomat bleibt stoisch bei der gewünschten Geschwindigkeit und der Wunsch nach ein wenig Schlaf bei so viel gemächlichem Reisen wird immer stärker. Dann wird die Vegetation wieder grüner – es geht langsam bergauf. Und es sind nur noch wenige Kilometer, dann sind wir an unserem Ziel. Wir stellen den Wagen auf dem ersten Parkplatz ab, gehen durch den dichten Nadelwald und mit einem Mal öffnet sich der Wald und wir stehen vor dem größten Naturschauspiel, dass wir jemals gesehen haben. Dem Grand Canyon. Keine Filmaufnahme, kein Foto ist in der Lage die Dimension dieses gigantischen Tals auch nur ansatzweise zu beschreiben. Es gibt dafür aber ein Wort – unbeschreiblich. Am kommenden Tag wandern wir einmal bis zum mittleren Plateau – 900 Höhenmeter runter in die Hitze und 900 Meter am gleichen Tag wieder hinauf. Den Colorado haben wir von dort nur als kleines grünes Rinnsal gesehen, aber verlässliche Quellen berichten von einem reißenden Strom.

Am nächsten Tag führt uns unsere Rundreise dann auf den Weg Richtung Las Vegas und wir haben uns im Luxor ein Quartier besorgt- einer schwarzen Pyramide mitten in der Wüste in der man in einem über 100 Meter hohen Raum steht. Las Vegas aber entfaltet seinen Reiz erst, wenn es Nacht wird. Dann leuchten die Lichter, die Hotels ziehen mit allen möglichen Shows und Attraktionen die Besucher in ihren Bann. Gambling ist ein absolutes Muss, auch wenn die Bank immer gewinnt – aber so schnell werden wir die Slot-Machines nicht wieder sehen. Las Vegas kann man lieben oder man kann es hassen. Es ist purer Kommerz, oberflächlich, aber es gibt diesen Ort kein zweites Mal auf dieser Erde.

Nach zwei Übernachtungen – in Las Vegas sind die Hotels ausgesprochen günstig – geht es nach San Fransisco San Francisco. Extra nehmen wir einen Umweg in Kauf um über die Golden Gate Bridge in die Stadt zu fahren. Dummerweise trifft dieses Mal der Song It never rains in southern California von Albert Hammond nicht zu, was aber auch daran liegen könnte, dass San Fransisco eben nicht im Süden, sondern schon deutlich nördlicher liegt .Wir suchen unser Motel und fahren gleich wieder zurück in die Stadt, die am ehesten noch eine Bar und Kneipenkultur kennt. Der Besuch von Alcatraz ist für uns verpflichtend und wir bekommen schnell einen schaurigen Eindruck, wie hier über Jahre Menschen eingesperrt waren. Es waren zwar keine Heiligen, sondern Schwerverbrecher, aber die Art der Unterbringung ist menschenverachtend.

Wieder zurück an Land geht’s ab mit den Cable Cars rauf und runter durch die Straßen von San Fransisco. Zwar begegnen uns nicht Karl Malden und Michael Douglas, aber auch hier sind wir erstaunt, wie steil die Straßen in der Realität wirklich sind. Der Abend gehört dann dem Nightlife in San Fransisco. Wir suchen uns einen netten Italiener in Berkley und genießen die letzten Tage unserer Rundreise, bevor wir dann einige Tage später den langen Heimflug zurück nach Europa antreten.

Jürgen Klose

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