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ein drittes Mal London

- Ein Reisebericht -

Schon seit vielen Jahren ist mir klar, dass die beste Musik aus England kommt, weil mit einem solchen Akzent alles gleich viel besser klingt. Mein erster Besuch fand bereits 2006 statt, bei dem ich ein Praktikum beim Nachrichtensender CNN machte. Der nächste Flug war für 2007 gebucht und der Letzte liegt knapp ein Jahr zurück.

Da die Hostels aus den Jahren zuvor, teurer geworden sind und teilweise auch schon gar nicht mehr existierten, suchten wir uns ein neues, günstiges Hostel. Dabei war uns nicht wichtig, dass es sehr zentral liegt, sondern nur, dass es bei den Bewertungen nicht allzu schlecht abschneidet und das man mit dem Bus oder mit den U-Bahnen, ohne großartig umzusteigen, an die zentralen Plätze gelangt. Gebucht wurde dann für eine Woche das Torquay Hostel nahe der Royal Oak Station.

Mit Ryan Air ging es von Bremen aus nach London. Ab dort fuhren wir mit dem Terravision Bus zur Liverpool Station und von dort aus wurde erst mal ein Geldautomat gesucht.

Bei den ersten Besuchen habe ich mein Geld noch immer in Deutschland umgetauscht, da mir jedoch Freunde rieten das Geld direkt in London von meinem Konto abzuheben, vertraute ich darauf. Schließlich arbeiteten sie bei der Bank, sie sollten es also wissen.

Der erste Automat fand sich schnell, doch es passierte nichts. Die Karte verließ den Automaten ohne Geld, auszuspucken. Die Panik war da allerdings noch nicht allzu groß, weil weder meine Karten noch die meiner Mitreisenden funktionierte. Der nächste Automat war schnell gefunden und spuckte zumindest bei einer von uns Geld aus. Wir versuchten die nächsten Automaten, aber es passierte wieder nichts. Ich schaute mir meine Karte genauer an und entdeckte einen Kratzer auf dem Magnetstreifen. Wo kam der her? Noch vor ein paar Tagen wurde die Karte zum Bezahlen verwendet, seitdem wartete sie in meinem Portemonnaie auf ihren Einsatz.

Als auch die nächsten 5 Automaten kein Geld rausrücken wollte, machten wir uns auf die Suche nach der nächsten Bank. Schließlich sollten die uns ja weiterhelfen können.

Die Frau am Informationsdesk schüttelte den Kopf, sobald sie meine Sparkassenkarte erblickte und der Mann am Schalter rief direkt den nächsten, als er das rote S in meiner Hand sah.

Verzweifelt rief ich meinen Vater an, der sich mit meiner Bank in Verbindung setzen sollte. Doch die hatten Mittagspause und beim Notfalltelefon konnte man nur seine Nummer hinterlassen. Irgendwann würden die sich dann melden.

Leicht panisch liefen wir durch die Liverpool Station um zumindest die paar Euro umzutauschen, die ich vorsichtshalber mitgenommen hatte. Kurz vor der Wechselstube entdeckte ich einen weiteren Automaten, von einer Bank, die versprach alle Karten, anzunehmen. Meine Freundin rief mir noch "wenn dir das Spaß macht kein Geld zu bekommen" zu und ich versuchte es. Ich tippte einen kleineren Betrag ein, als ursprünglich geplant, hörte die Maschine rattern und konnte wenige Sekunden später endlich die Pfundscheine in Empfang nehmen bzw. wedelte mir davon erst mal den Schweiß von der Stirn, während mich der Securitymann mit einem misstrauischen Blick musterte.

Wenige Minuten später klingelte mein Handy, weil mein Vater mir mitteilen wollte, dass diese Probleme in England häufig vorkommen. Manchmal haben die Automaten für deutsche Bankkarten einfach kein Geld da. Warum auch immer.

Sehr euphorisch kauften wir uns die Oystercard, luden diese direkt mit einem 7-Tages-Ticket auf und fuhren zur Royal Oak Station. Wir liefen 2-mal in die falsche Richtung, ehe wir uns auch nur ansatzweise in die Nähe des Hostels begaben. Während wir die schicke Gegend bewunderten, hielt ein Auto an um uns den richtigen Weg zu erklären. Etwas erschöpft erreichten wir dann das riesige Betongebäude und traten ein. Der Weg zur Station betrug ca. 5-10 min. Wir liefen ca. eine halbe Stunde.

Schnell checkten wir ein, bezogen unser 4 Personen Zimmer und schauten uns etwas um. Auf jedem Stockwerk gab es ein Badezimmer und eine Küche. Es war nicht luxuriös, aber für 10€ die Nacht konnte man das auch nicht erwarten.

Die nächsten Tage verbrachten wir damit das übliche Touri-Programm, zu machen: Big Ben bewundern, die Themse entlang schreiten, vor dem Buckingham Palace auf die Queen warten und auf der Oxford Street Geld gegen ein paar schicke Klamotten tauschen. In Camden Town wurde nach einzigartigen Sachen gesucht, die es nur dort und nirgendwo anders geben sollte und auf der Portobello Road in Notting Hill warteten wir darauf von Hugh Grant mit einem O-Saft in der Hand umgerannt, zu werden.

Wir liefen uns die Füße wund um nach der Peter Pan Statue im Kensington Garden, zu suchen, da wir um sie herumzutanzen und vorstellen wollten, wie Robin Williams, in meinem Lieblingsfilm Hook, vor ihr lag, nachdem er das Nimmerland verlassen hatte.

Und als ob die Füße nicht schon genug qualmten, machten wir uns auch noch, bewaffnet mit einer 2l Flasche Strongbow, auf den Weg in den Koko Club in Camden Town.

Weil ich bereits zum 3. Mal in London war und eigentlich schon alles kannte, was wir uns anschauten, buchten wir an der Liverpool Station eine Tour. Im Internet fanden wir ein Angebot für eine Tour zum Windsor Castle, Stonehenge und Oxford.

Durch meine Touren als Backpacker in Australien bin ich es gewohnt nur mit jungen Leuten in meinem Alter, zu reisen. Auf dieser Tour waren wir die Jüngsten und der Rest, so schien es mir zumindest, bereits im Rentenalter. Aber wir mussten uns ja nicht mit ihnen unterhalten, suchten uns einen Platz weit vorne und lauschten dem Guide, der einiges zu erzählen hatte.

Der erste Halt war Windsor. Wir erhaschten ein paar Blicke auf die schicken Jungs des Eton College und liefen kichernd den alten Menschen hinterher. Im Schloss schauten wir uns interessiert um, staunten über die vielen Stühle in den einzelnen Zimmern und wunderten uns über die kleinen Betten.

Die Queen war an dem Tag übrigens nicht zu Hause.

Weiter ging es zum Stonehenge Bauwerk, auf das wir uns am meisten freuten. Wir bekamen schon vorher gesagt, dass wir die Grabanlage nicht betreten dürfen und ein Weg um sie herumführt, der einige Meter entfernt ist. Das erklärt, warum auf den ganzen Fotos nie Menschen zu sehen sind. Wir suchten uns den besten Platz und schossen eine halbe Stunde lang Fotos.

Wir waren die Letzten, die den Bus erreichten, weswegen es auch direkt weiter nach Oxford ging.

Dort bekamen wir einen Teil der Oxford Universität gezeigt, erfuhren dass die Halle in der Christ Church als Vorbild für den großen Saal in Hogwarts diente und dass Harry Potters Erkennungszeichen, die blitzförmige Narbe, auf dem Boden der Universität zu finden ist. Während wir über den neongrünen Rasen wanderten, schauten wir uns nach dem weißen Kaninchen aus "Alice im Wunderland", Frodo und Quasimodo um. Schließlich studierten ihre Erschaffer dort und von irgendwo musste ja ihre Inspiration kommen.

Nachdem wir durch die schöne Altstadt gewandert sind, ging es mit dem Bus wieder zurück nach London.

Da gestreikt wurde und einige U-Bahn Haltestelle geschlossen waren, sollte sich unsere Rückfahrt als etwas schwieriger gestalten. Zwar erwischten wir alle Busse und Bahnen rechtzeitig, jedoch war auf den Straßen von London so viel los, dass sich der Bus zum Flughafen verspätete.

Vor uns wartete noch eine ganze Gruppe anderer Passagiere, die den Flieger vor uns erreichen mussten und denen Vorrang gewährt wurde. Unser Bus kam mit einer Verspätung von 45 min. an. Zur Rush-Hour schlichen wir uns aus London heraus und wagten kaum den Blick auf die Uhr, weil es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis wir endlich den Highway erreichten.

Relativ zügig fanden wir die Check-In Schalter und kamen auch gut voran, wäre nicht das Gepäckband ausgefallen und hätten wir uns nicht noch mal an einer anderen Schlange anstellen müssen.

Nachdem wir fertig eingecheckt hatten, rannten wir zur Sicherheitskontrolle und blickten uns nach möglichen Passagieren um, die ebenfalls nach Deutschland wollten. Schließlich wollten wir nicht die Deppen sein, die das Flugzeug aufhielten oder es gar verpassen. Keuchend, schwitzend und in völliger Panik erreichten wir das Gate, was seit 15 min. geschlossen sein sollte. Doch zu unserem Glück befand sich davor eine relativ lange Schlange und für uns war es noch nicht zu spät.

Erschöpft, aber froh traten wir die Heimreise an, freuten uns auf unsere Zimmer, einem Bad, was man sich nicht mit mehreren Leuten teilen muss und darauf nicht mehr 10 Stunden am Tag durch die Gegend rennen zu müssen.

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