Lofoten in Norwegen – Paradies für Angler und neuerdings auch Golfer

Angeln in Norwegen ist denkbar simpel: Man braucht einen gemieteten Kutter und fährt in eine beliebige Bucht. Dann wirtft man die Angelschnur aus, zählt innerlich bis zehn, rollt sie wieder auf und nimmt die fünf Fische vom Haken. Denn genau fünf Haken sind an der Angelschnur befestigt. Sind es sechs, hängen auch genau sechs Fische an der Leine – eine Kalkulation, die zumeist aufgeht, weil der Kabeljau so versessen und so zahllos ist in den Fjorden der Lofoten. Da die Fische von den heruntergekommenen Futterresten der Anlage nicht gesättigt werden, hetzen sie selbst 200 Meter von dieser Einrichtung entfernt begierig auf scheintote Gummiköder zu.

Aus Hov, einem kleinen Dorf an der Nordküste der Lofoteninsel Gimsøy, sollen die Vorfahren Eriks des Roten stammen. Der heutzutage von den Einwohnern Norwegens noch hoch verehrte Wikingerheld führte vor 1000 Jahren erst in Island und später in Grönland Krieg, bis seine geliebte Frau zum Christentum übertrat. Sie bändigte im Anschluss ihren kriegslustigen Gatten. Die Inseln Lofton sind jedoch Männerland: In den Fjorden zwischen Nordmeer und bis zu 1200 Meter aufragenden Bergen gibt es ständig viel zu tun für die Frauen. Sie haben sich in dieser abgelegenen Welt, 200 Kilometer nördlich vom Polarkreis aus gesehen, mit der Rolle der Hausfrau abgefunden. Gänzlich andersartig die Männer, die den Skrei, die Kabeljauschwärme, die in den Wintermonaten zum Laichen in den Vestfjord kommen, nur abschöpfen brauchten. Womit ihnen die Freizeit blieb, Hunderte von Seemeilen Richtung Süden zu rudern und neue Frauen für die Hausarbeit zu entführen.

Obschon der Golfstrom die Lofoten und den nördlich angrenzenden Vesterålen-Archipel auf bis hin 25 Grad Celsius in den Sommermonaten wohltemperiert und den Winter lieblich stimmt, sind die Inseln dürftig besiedelt. Allein in der Skrei-Saison kamen Hunderte Norweger, stellten Stockfisch her und kümmerten sich so darum, dass den Katholiken Europas nicht die Lust auf ihre Fastenspeise verging. Insbesondere die Italiener begehren ihren “stoccafisso”. Trotz ehemals 30 000 Saisonarbeitern sind es heute nur noch 3000, die den Export Aufrecht erhalten.

Seit zehn Jahren wird jedoch auf dem 68. Breitengrad der nördlichste Golfplatz der Welt betriebn. Für den kleinen Neun-Loch-Parcours spricht, der von der Architektin Jeremy Turner schlau in die Dünenlandschaft direkt am Meer errichtet wurde: Im Mittsommer gibt es hier acht Wochen lang keinen Sonnenuntergang. Golfer können daher rund um die Uhr spielen und in 16 Runden bis hin zu 144 Löcher schlagen. Daneben gibt es ausschließlich hier Golfmützen mit der Aufschrift “LofotenGolf”, eine sehr beliebte, weil außergewöhnliche Trophäe.

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