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Ägypten - Reise ins Land der Pharaonen

- Ein Reisebericht -

Unsere zwölftägige Ägypten-Reise begann Ende Juli mit dem Flug von Stuttgart nach Hurghada. Ich konnte es kaum erwarten in Ägypten anzukommen, denn ich träumte, wie so viele Menschen, schon als Kind davon, eines Tages ins Land der Pharaonen zu reisen. Nun, endlich, erfüllte sich mein Traum: vom Fenster aus konnte ich die Mittelmeerküste Ägyptens sehen.

Mein erster Eindruck war: Sand - nichts als Sand! Plötzlich erschien aus dem Nichts eine scheinbar riesige Oase. Schon hörte ich eine Stimme aus dem Cockpit, die erklärte, dass es sich um das Niltal handelt. Wir flogen noch ein Weilchen bis wir schließlich Hurghada erreichten.

Mittlerweile war es dunkel geworden. Da dies meine erste Reise in ein orientalisches Land war, musterte ich die Einheimischen mit großem Interesse. Sofort fiel mir auf, dass wir nur Männer zu Gesicht bekamen: Männer arbeiteten im Ankunftsbereich, natürlich beim Zoll, in Restaurants, in Souvenirgeschäften, sogar als Putzfrauen in Toiletten. Es schien fast so, als gäbe es hier keine Frauen... Am Bus angekommen, wurden wir kurz von unserem Busfahrer begrüßt. Noch während wir auf alle Gäste warteten, stand er auf, nahm ein Karton und kniete darauf auf dem angrenzenden Rasen um zu beten. Als wir nun vollzählig waren, fuhren wir los zum Hotel.

Da es mittlerweile schon ziemlich spät war, checkten wir schnell ein, ließen uns aufs Bett fallen und schliefen tief und fest ein. Am nächsten Morgen war ich schon um sehr früh wach und machte mich sofort auf um das Gelände zu erkunden. Ich war fasziniert von der orientalischen Baukunst. Überall wurde man hier daran erinnert, wo man sich befand: die Architekten des Hotels setzten wohl viel daran, Einflüsse des alten Ägyptens in den modernen, orientalischen Baustil einfließen zu lassen. Der Garten der Anlage war geprägt von exotischen Pflanzen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich hier Dattelpalmen gesehen. Und eine Gottesanbeterin, die gemütlich im Grünen saß. Plötzlich wehte mir eine salzige Meeresbrise um die Nase. Ich hatte schon fast vergessen, was ich eigentlich als Erstes sehen wollte: das Rote Meer! Schnellen Schrittes lief ich weiter zum Strand. Ich zog meine Flip Flops aus und lief barfuß durch den warmen, grobkörnigen Sand, da entdeckte ich schon eine Station, die kostenlos Schnorchelausrüstung zur Verfügung stellte. Das Hotel verfügte über ein hauseigenes Riff... Sofort lief ich zurück ins Hotelzimmer, hüpfte in meinen Bikini und ging Schnorcheln.

Von der Schönheit des Roten Meeres war ich sofort überwältigt. Ich schnorchelte vorbei an bunten Korallen, an größeren und kleineren Fischen, die ich sonst nur aus Aquarien oder Fernsehreportagen kannte. Im Souvenirshop gab es eine Einweg-Unterwasserkamera, mit dieser dokumentierte ich nun mein wunderschönes Schnorchelerlebnis. Noch nie sah ich solch ein wunderschönes Meer! Seit dem wundert es mich nicht mehr, dass das Rote Meer als eines der schönsten Tauchgebiete weltweit gilt.

Nach tagelangem Sonnen am Strand wollte ich nun endlich etwas anderes sehen und buchte bei der Reiseleitung einen Tagesausflug nach Luxor. Dieser begann schon um 5 Uhr morgens. Wir fuhren mit dem Bus an einen Treffpunkt außerhalb Hurghadas. Als geschätzte 30 weitere Reisebusse dort ankamen, fuhren wir in einem vom Militär begleiteten Konvoi los. Obwohl wir während der Fahrt durch mehrere Checkpoints kamen und immer wieder bewaffneten Soldaten über den Weg liefen, fühlten wir uns nicht bedroht oder gestört, eher beschützt auf eine diskrete Art und Weise.

Unsere Fahrt nach Luxor führte uns quer durch die Arabische Wüste. Wir fuhren vorbei an Beduinen-Zelten, fuhren über Berge bis wir schließlich nach ca. 3 Stunden im Niltal ankamen. Ich war sehr überrascht, wie einfach die Menschen hier noch hausen. Seit der Zeit der Pharaonen hat sich hier nicht viel geändert. Die Häuser entlang des Nils werden aus einem in der Sonne getrockneten Gemisch aus Nilschlamm und Stroh gebaut. Als Dächer werden Palmenblätter verwendet. In einem Land, in dem es pro Jahr maximal 3 Tage regnet, genügt dies als Dach, meinte der Reiseführer. Selbst der Acker wird mit einem Esel und einfachem Holzwerkzeug gepflügt. Die Männer, die ich vom Bus aus sah, trugen fast alle lange, weiße Gewänder, während die Frauen komplett in Schwarz verhüllt waren. Die Kinder spielten ausgelassen am Nil, einige badeten.

Endlich kamen wir nun an unserem ersten Ziel an: der Karnak Tempel in Luxor. Laut Reiseführer ist dies die größte, noch erhaltene Tempelanlage weltweit. Während wir in der prallen Sonne (40 ° C um 10 Uhr morgens) standen, bewunderte ich die Hieroglyphen. Allesamt sind noch sehr gut erhalten und das, obwohl der Tempel aus der 12. Dynastie unter Sesostris I. stammt und somit schon mehrere tausend Jahre alt ist. Zu Mittag aßen wir in einem Hotel am Nilufer. Über die Mittagszeit fuhren wir in eine Papyrusfabrik. Dort wurde uns gezeigt, wie die alten Ägypter aus einfachen Papyrussträngen Papier machten: die einzelnen Papyrusstänge werden in Wasser eingelegt, danach in einem gitterförmigen Netz auf flachem Untergrund gelegt und festgeklopft. Das alles wird zwischen zwei Steinen gepresst und danach getrocknet. Fertig ist das Papyrus-Blatt und kann nach belieben mit alt-ägyptischen Hieroglyphen oder Malereien geschmückt werden.

Mittlerweile war es ca. 15 Uhr nachmittags, als wir unsere Fahrt fortsetzten. Wir fuhren nun auf die andere Seite des Nils. Im alten Ägypten lag auf der östlichen Seite des Nilufers die "Stadt der Lebenden", das alte Theben, auf der westlichen Seite des Ufers begann die "Stadt der Toten". Wir fuhren also durch die Ausläufer der Libyschen Wüste hinauf ins sagenhafte Tal der Könige. Dort stieg das Thermometer auf unglaubliche 65° C als wir den Bus verließen. Wenn ich an dieser Stelle kurz bemerken darf: reisen Sie niemals im Hochsommer ins Tal der Könige, es sei denn, Sie sind als Saunagänger solche Temperaturen gewöhnt. Die Hitze machte mir jedoch nicht so sehr zu schaffen, denn ich hatte nur eines im Sinn: endlich würde ich in ein Pharaonengrab steigen und die Malereien, die ich in Büchern sah, in Wirklichkeit sehen. Und dann war es soweit: wir stiegen hinab in die Gräber von Ramses XII und Ramses XIII...

Ich war überwältigt vom Anblick dieser Schönheit! Die Wandmalereien, die das Leben der Pharaonen erzählen, sind teilweise noch so gut erhalten, als hätte man sie gerade erst in Auftrag gegeben. Das liegt wohl daran, dass die Gräber hoch über dem Nil in einem Berg aus Kalkstein liegen und sie somit nicht durch Wasser zerstört werden konnten. Im Inneren der Gräber dürfen leider keine Fotos gemacht werden, da das Blitzlicht die Farben der Malereien schädigen würde.

Ich war in Gedanken noch lange bei den schönen Gräbern, als der Bus bergab Richtung Hatschepsut Tempel fuhr. Auf dem Weg dorthin sahen wir ein Haus, das auf einem Berg stand. Hier wohnte der Entdecker des Grabes von Tutenchamun. Der wohl bekannteste Pharao Ägyptens liegt ebenfalls im Tal der Könige begraben. Der Bus hielt ein ganzes Stück vor dem Tempel der Hatschepsut. Schon beim Hinlaufen beeindruckte die einmalige Architektur des Terrassentempels, der mitten in den Fels gebaut wurde. Ich lief die Treppen hoch von Terrasse zu Terrasse. Zu Beginn eines Stockwerks saßen rechts und links vor dem Geländer der Treppen große Statuen, die den Sonnengott Re darstellten. Wegen archäologischen Ausgrabungen durften wir jedoch nicht die gesamte Ausgrabungsstätte erkunden. Das, was wir aber zu sehen bekamen, hinterließ bleibende Eindrücke und war die Reise wert!

Es dämmerte schon, als wir im Konvoi wieder zurück durch die Arabische Wüste Richtung Hurghada aufbrachen. Während der Fahrt wurde es langsam dunkler und dunkler, bis es schließlich Nacht war. Auf dieser Fahrt sah ich den schönsten Sternenhimmel meines Lebens! Der Himmel ist hier, mitten in der Wüste, so klar, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Ich konnte die Sterne so klar und deutlich sehen, dass ich sogar Zeuge eines sterbenden Sternes wurde. Der Stern wurde immer heller und heller, bis sein Licht schließlich für einen kurzen Sekundenbruchteil wie ein heller Ball erschien, der dann kurz darauf erlosch, als wäre hier niemals ein Stern gewesen.

Es war schon spät als wir im Hotel ankamen. Trotz allem bekamen wir noch warmes Essen im Restaurant. Die restlichen Tage verbrachte ich mit viel Sonnen und Schnorcheln. Die Zeit verging wie im Flug und plötzlich war schon der Tag der Abreise gekommen.

Mit dieser Pauschal-Reise habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Und trotzdem habe ich nicht genug gesehen. In ferner Zukunft werde ich sicherlich noch die Pyramiden von Gizeh besichtigen!

C. Spiering

Hurghada

Luxor