Aktuelle Reisehinweise - Deutschland: Verbot touristischer Übernachtungen vom 2. bis 30. November 2020

Ankunft in Portugal

- Ein Reisebericht -

Ende August 2008 stieg ich am Budapester Flughafen in ein Flugzeug der portugiesischen Fluggesellschaft TAP nach Lissabon, um im südeuropäischen Land ein Jahr zu verbringen. In Portugal habe ich niemanden gekannt, ich war dementsprechend aufgeregt, wie ich in der unbekannten Ferne alleine zurechtkomme.

Das Flugzeug flog bereits in Budapest eine Stunde später als geplant los, und ich überlegte mir, ob es am ungarischen Chaos oder an der portugiesischen Entspanntheit lag. Durch die Verspätung kam ich am frühen Abend in Lissabon an. Aus dem Lissaboner Flughafen heraustretend, erfüllte mich ein angenehmes Gefühl. Es war Liebe auf dem ersten Blick. Palmen begrüßten mich, alles war weiß und hell, die Luft war anders als zu Hause. Ich nahm den Shuttlebus zum Busbahnhof, da ich am selben Tag noch weiterreisen wollte. Mein Reiseziel war Coimbra, das ich unbedingt bis Mitternacht erreichen wollte, da ich dort ein Zimmer reserviert hatte. Als ich am Busbahnhof ankam und mit meinem gebrochenen Portugiesisch ein Ticket kaufen wollte, wurde mir kühl gesagt, dass an dem Tag keine Busse mehr nach Coimbra fahren. Ich wollte es nicht glauben und sammelte alle meine Sprachkenntnisse, um der Dame zu beweisen, dass auf dem Fahrplan im Internet stand, dass bis 21 Uhr Busse nach Coimbra fahren. Sie sah mich kalt an, zuckte mit den Schultern und warf mir nur kurz zu: "Na und?" Enttäuscht trat ich mit meinem 35 Kilogramm schweren Rucksack aus der Warteschlange, drehte mich um und hatte das Gefühl, dass der ganze Bahnhof mich anschaute. Ich fand Lissabon und Portugal gerade nicht mehr so einladend.

Es wurde dunkler, und die Menschen um mich herum sahen gefährlich aus. Ich saß auf einer Bank, um mir zu überlegen, was ich jetzt machen soll. Ich wusste, Züge fuhren nicht mehr um die Zeit, außerdem wusste ich nicht genau, wie ich am schnellsten zum Bahnhof komme. Plötzlich sprachen mich drei sichtbar nordeuropäische junge Frauen an. Es stelle sich heraus, dass sie im gleichen Boot saßen wie ich, sie fanden auch falsche Informationen auf dem Online-Reiseplan. Sie wollten aber nach Faro. Sie fragten mich, ob ich mit ihnen zu Abend essen gehen will, was ich sehr nett fand, aber mich störte der Riesenrucksack, und ich wollte zunächst eine Unterkunft suchen. Als sie von mir Abschied nahmen, erblickte ich ein Taxi und ging schließlich hin. Ich erklärte dem Taxifahrer, was passierte, und er versprach mir, er würde mich nicht alleine lassen, bis ich eine Unterkunft finde. Ich fand es sehr beruhigend und hatte wieder ein gutes Bild von Portugal.

Das erste Hostel hatte ein freies Bett für mich, so nahm ich vom Taxifahrer Abschied und zog in mein Zimmer ein, das ich mir drei anderen Frauen teilte. Ich war so müde, dass ich mit niemandem redete. Am nächsten Tag ging ich gleich zur U-Bahn, um zum Bahnhof zu fahren. In der U-Bahn Station sprachen mich zwei Frauen an, die ich erkannte, weil sie die Nacht mit mir im gleichen Zimmer verbrachten. Es waren zwei Portugiesinnen, die mir nach einem 5- bis 10-minütigen Gespräch anboten, dass ich sie zu jeder Zeit in Aveiro besuchen kann. Sie gaben mir, ohne dass ich danach gefragt hätte, ihre Telefonnummern und Adressen. Ich war recht überrascht und wieder vom südeuropäischen Land und seinen Bewohnern verzaubert. Auf dem Weg nach Coimbra verstärkte sich dieses Gefühl in mir, und wie ich aus dem Fenster hinausschaute und die Gegend betrachtete, wusste ich, dass es mein Land ist.

Anonym

Lissabon