Auf Ötzis Spuren durch Südtirol

- Ein Reisebericht -

Außer einem Ozean gibt es hier alles, was man sich zur Erholung wünschen kann. Und alles bequem erreichbar auf engstem Raum. Man spricht deutsch und trotzdem hat das Leben hier etwas von dieser viel besungenen italienischen Leichtigkeit. Wir verbrachten zwei wundervolle Urlaubswochen im Tal der Etsch. Das traditionelle Hotel „Bauhof“ in Kastelbell begeistert mit familiärer Atmosphäre und seiner hervorragenden Küche.

Fast vor der Haustür befindet sich ein Haltepunkt der Vinschgerbahn, die Meran mit Mals verbindet. Und in Sichtweite vom Hotel erhebt sich das Schloss Kastelbell, das auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann. Es wird seit Jahren restauriert, kann aber wieder besucht werden und beherbergt die Dauerausstellung zur früheren Römerstraße Via Claudia Augusta.

Total romantisch wurde es, wenn unser Hausherr Erich Linser zur Weinverkostung im privaten historischen Keller aus dem 12. Jahrhundert einlud.

Auch eine Besichtigung der restaurierten Baumandl-Bauhof-Mühle oder eine Fahrt mit ihm als Chauffeur im hoteleigenen Nostalgiebus standen auf dem Programm. Dabei erzählte er uns spannende Geschichten aus seinem Arbeitsleben, seiner ungewöhnlichen Audienz beim Papst Johannes Paul II. oder vom Geheimnis des Schnapsbrennens.

Das Land Südtirol verfügt über einen großen Reichtum an alten Burgen und Schlössern.

Da wäre Reinhold Messners Sommerwohnsitz Schloss Juval; wir erreichten es in einem mehrstündigen Fußmarsch über den Schnalswaalweg. Die Waale, in vorgeschichtlicher Zeit angelegte Bewässerungssysteme, durchziehen die Landschaft kilometerweit. Sie sind auch von ungeübten Wanderern gut zu begehen. Der Extrembergsteiger Messner hat vier Museen Südtirols mit Kunstgegenständen aus aller Welt ausgestattet. Seine umfangreichen Sammlungen befinden sich unter anderem in Sulden, auf dem Monte Rite bei Cortina d´Ampezzo und auf Schloss Sigmundskron.

Eine der besterhaltenen Burgen Südtirols ist das imposante Renaissanceschloss Churburg in Schluderns. Gleich hinter dem inneren Burgtor öffnet sich der dreigeschossige Arkadenhof mit prächtigen Wandmalereien. Im ehemaligen Heustadel ist die wertvollste und größte private Rüstkammer der Welt untergebracht.

Weithin sichtbar überragt der mächtige Gebäudekomplex des Klosters Marienberg in Burgeis die Landschaft. Es ist die höchstgelegene Benediktinerabtei Europas. Wir bewunderten die 1156 eingeweihte Krypta mit ihren romanischen Fresken. Diese wurden niemals übermalt, doch im 17. Jahrhundert durch den Einbau von Wandgrüften teilweise verborgen. Es war eine kleine Sensation, als sie durch Zufall wiederentdeckt wurden.

Die botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff bei Meran waren uns einen Tagesausflug wert. Geordnet nach Themenbereichen wie Wald-, Sonnen- und Wassergärten blüht im Wechsel der Jahreszeiten eine Vielzahl exotischer Gewächse. Sissi, die Kaiserin von Österreich verbrachte im Schloss, welches um 1850 aus mittelalterlichen Ruinen wieder errichtet wurde, zweimal ihre Winterkur. Jetzt ist darin das Museum für Tourismus untergebracht.

Wer kennt nicht „Ötzi“, den über fünftausend Jahre alte Mann aus dem Eis! Er wurde 1991 im schmelzenden Similaungletscher am Tisenjoch gefunden. Seinen mumifizierter Körper und alles was er bei sich trug stellt das Archäologiemuseum Bozen aus.

Das Erlebnismuseum „ArcheoParc“ im Schnalstal ist „Ötzis“ Lebensraum und der Alltagskultur seiner Zeit gewidmet. Im dazugehörigen Freigelände gibt es unter anderem Hütten wie am Ende der Jungsteinzeit und Versuchsfelder mit alten Getreidesorten. Wechselnde Angebote wie die Herstellung von Steinzeitwerkzeugen und Brot backen im Lehmofen machen die Anlage für jung und alt attraktiv. Wir versuchten uns mit mehr oder weniger Geschick im Bogenschießen.

Doch für einen echten körperlichen Ausgleich sorgen Wander- und Klettertouren. Damit es nicht zu beschwerlich wurde, benutzten wir bergan Lifte und Seilbahnen und legten den Heimweg zu Fuß zurück. Ein frostiges Vergnügen war die Fahrt mit der Schnalstaler Gletscherbahn zur futuristischen Bergstation auf 3212 Meter Höhe. Dem folgte ein mehrstündiger anstrengender und gewagter Abstieg. Das Schnalstal ist ein familienfreundliches und schneesicheres Skigebiet für das ganze Jahr.

Die Straße durch den Nationalpark Stilfser Joch bis zur Passhöhe erfordert vom Kraftfahrer wegen ihrer vielen Kehren höchste Konzentration. Beeindruckend ist dabei der phantastischen Blick über das Ortler-Massiv. Den Weg dorthin verbanden wir mit einem Abstecher zum Reschenstausee. Dieser wurde 1949 angestaut und in ihm versanken Teile des Grenzortes Reschen und das alte Dorf Graun. Das Projekt veränderte die umliegende Landschaft gravierend. Imponierend und wie ein Mahnmal ragt nur noch der Kirchturm aus den Fluten empor.

Ilona Schönherr

Cortina d’Ampezzo

Unsere Servicezeiten:
Montag - Donnerstag: 09:00 - 22:00 Uhr
Freitag - Samstag: 09:00 - 20:00 Uhr
Sonn- & Feiertage: 11:30 - 20:00 Uhr

Jetzt anrufen!