Das Kreuz mit der Straße von Bonifacio

- Ein Reisebericht -

Wenn mein Blick auf das Poster fällt, dass die Vollschiffe Cutty Sark und Thermopilae unter allen Segeln von Shanghai auslaufend zeigt, packt mich ein Fieber, meine Phantasie bekommt Flügel. Zu hause auf dem Sofa in Träumereien von der Segelschifffahrt zu schwelgen ist das eine, dann aber tatsächlich eines Tages durchnässt und ausgekühlt auf der Kante sitzend, das Boot in stürmischem Wetter zum nächsten vermeidlich sicheren Ankerplatz zu steuern, etwas ganz anderes.

Vormittags irgendwo zwischen den Inseln von Maddalena und Porto-Vecchio, vor dem östlich Ausgang der Straße von Bonifacio, Kurs Nord, mein kleines H-Boot wird von einer kräftigen Backstagbrise über die langen Wellen getrieben, es ist eine wahre Freude das Boot möglichst feinfühlig auf optimalem Windkurs zu steuern. Die nächste Welle rauscht von achtern aus heran, ich drücke das Boot nach Lee in die Tiefe bis die Pinne zu vibrieren beginnt, gerade wenn der Wellenkamm unter dem Rumpf durchläuft, alle Kräfte im Gleichgewicht sind, erreicht mein kleiner Segler seine Höchstgeschwindigkeit, die weit über das theoretische Maximum hinausschießt.

Diese wenigen Stunden höchsten Seglerglücks entschädigen für Plagen und Missgeschicke, die sonst immer wieder überraschend und heimtückisch über einem hereinbrechen.

Wenige Tage zuvor, ich habe gerade das Kap di Feno auf der Strecke zwischen Propriano und Bonifacio gerundet, gerate ich, je weiter ich in die Straße von Bonifacio hinein kreuze, in stärker werdenden Wind und rauere See. Von den zahlreichen der Küste vorgelagerten Klippen und Untiefen frei zu bleiben, hat mein Denken derart beherrscht, dass mir die wirkliche Lage nicht vollständig bewusst wird. Statt zu erkennen das hier der Kapeffekt zum Tragen kommt und es taktisch günstiger wäre, den langen Schlag auf Steuerbordbug zu nehmen, bolze ich das Boot in kurzen Schlägen gegen Wind und Wetter vor die Einfahrt der Bucht von Bonifacio. Abends eine Flasche Bier in der Hand, mit mir selbst über mein Versagen als Seefahrer wieder einiger Maßen versöhnt, bin ich doch froh und zufrieden, den Tag ohne Schaden überstanden zu haben.

In der Bucht von Porto Pozzo vor Anker liegend, an einem seelenruhigen strahlenden Morgen werde ich aus dem Schlaf gerissen, das Boot bewegt sich merkwürdig, sofort bin ich in voller Alarmbereitschaft. Ich blinzle aus der Luke und erkenne, dass der Anker mal wieder nicht gehalten hat, der Kiel hat Grundberührung, merkwürdig nur, es ist kein Schlagen zu spüren. Bringe mit dem Schlauchboot den zweiten Anker aus und versuche durch wechselseitiges ziehen und schließlich noch unter Einsatz des Außenbordmotors wieder frei zu kommen. Nichts, keine Wirkung, die Anker finden keinen Halt und dann treibt auch noch das Beiboot ab, habe es wohl in der Hektik schlampig vertäut. Zwei Surfer kommen mir schließlich zur Hilfe, einer hängt sich in die Backbordwanten, um so das Boot weiter zu kränken, der andere zieht an der Ankerleine, während ich mit heulendem Motor des Boot in Fahrt bringe. Während ich im flachen Wasser schwimmend und durch knietiefen stinkenden Morast staksend mein Schlauchboot wieder einfange, wird mir klar, dass hier kein Anker fassen konnte, sich der Kiel sachte und weich regelrecht festgesaugt hat. Zum Dank jeweils ein Bier für meine Helfer und dann bloß weg, diese Bucht hatte jeden Charme verloren.

Von den vielen Tagen in Flaute oder so schwachem Wind, dass nur mit allen Tricks überhaupt Fahrt aufrecht erhalten werden kann, noch abgesehen, ist Segeln aber doch mehr als Geldscheine unter der Dusche zerreißen.

Anonym

Capo di Feno

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