Die Ostsee um Kühlungsborn von der Ferienwohnung aus erkunden

- Ein Reisebericht -

Ostseebad Rerik

Eine Woche entspannende Herbstferien mit meinem Freund am Ostseestrand – dafür haben wir uns per Internet eine Ferienwohnung in Kühlungsborn gemietet. Die Unterkunft soll zurzeit 10 Euro unter dem Normalpreis kosten, da an der Hausfront Malerarbeiten ausgeführt werden.

Gespannt erreichen wir gegen Mittag das Ostseebad und finden schnell die Zimmervermittlung in der F.Borgwarthstraße. Eine nette Dame erklärt uns die Lage der Wohnung im Haus Bernstein, die sich nur einige Häuser weiter befindet, und übergibt uns die Schlüssel und einiges an Touristik-Literatur. Wir dürfen die Wohnung ansehen und Störungen durch die Malerarbeiten testen, bevor wir bezahlen.

Die Ferienwohnung gefällt uns auf Anhieb. Sie ist sehr sauber und mit allem ausgestattet, was Feriengäste brauchen könnten. Von Klopapier übers Bügelbrett, Gewürze, Teelichter, sogar an Teebeutel und eine Fleischvorlegegabel wurde von der Vermieterin gedacht. In den Informationen zur Ferienwohnung lesen wir die Bitte, vorgefundene Vorräte wieder aufzufüllen, damit die nächsten Gäste einen ebenso bequemen Start haben wie wir. Die Wohnung ist praktisch für eine Ferienunterkunft geschnitten und verfügt über zwei Balkons. Wir fühlen uns sehr schnell heimisch. Nur beim Anblick des Badezimmerspiegels wundern wir uns über die Höhe, in der er angebracht wurde. Wir kichern bei der Vorstellung, wie meine eher kleingeratene Mutter sich gerade noch ab Augenhöhe im Spiegel betrachten könnte. Von den Malerarbeiten bemerken wir lediglich das Gerüst vorn am Haus.

Der erste Gang in Kühlungsborn führt uns natürlich die 700 m zur Ostsee. Ach, welch ein feiner Wellengang. Wir laufen von der Strandpromenade runter durch den Sand direkt ans Wasser. Obwohl es trotz Oktobersonne nicht gerade warm ist und eine steife Brise weht, stehen wir eine Weile ganz still und lauschen den Wasserbewegungen. Ja, hier können wir mal auf andere Gedanken kommen und dem Alltagstrott entfliehen. Die alten Villen und auch die Neubauten im Stil der Bäderarchitektur gefallen uns richtig gut. Der Ort Kühlungsborn kommt uns nicht zu groß für unseren Urlaub vor. Aber dass es trotzdem Geschäfte für alle Belange gibt, sogar einen Tabakladen, erleichtert uns. Auch die Restaurants, die überall vor allem mit fangfrischem Fisch locken, machen durchweg einen einladenden Eindruck.

Beim Italiener „Unter den Kolonnaden“ wärmen wir uns beim Cappuccino auf, fürs Abendessen hätten wir allerdings einen Tisch reservieren müssen. So geht es uns auch mit einigen anderen Lokalen, von denen im Gästebuch im „Haus Bernstein“ geschwärmt wird. Aber kein Problem für uns Urlauber mit Ferienwohnung, in deren Küche wir uns selber von unseren mitgebrachten Vorräten ein Essen brutzeln. Für die nächsten Tage reservieren wir uns, klug geworden, immer einen Tisch in anvisierten Restaurants wie dem „Fisch-Hus“ und dem „Corso“, wobei wir die Qualität der Reihenfolge nach als steigend bewerten.

Ausflugsziele finden sich genug in der Umgebung von Kühlungsborn. Da die Ferienwohnung nah bei dem Bahnhof liegt, ergibt sich natürlicherweise eine Fahrt mit der über 100 Jahre alten historischen Bäderbahn „Molli“. Wir genießen die Zugreise von Kühlungsborn-West über Kühlungsborn-Ost nach Heiligendamm. An der Strandpromenade empfängt uns die Ostsee mit weichen Farben in Rosa und Violett und veranlasst uns zu entzückten Ausrufen wie: „Oh, wie wundervoll!“ Imposant auch die weißen Villen, wovon einige in ihrem Verfall bizarr wirken, aber auch nach Restaurierung schreien. Verärgert müssen wir die Absperrung am Ende der Promenade hinnehmen, und auch der Weg zur alten Kur-Halle, dem Wahrzeichen Heiligendamms, scheint nur noch Gästen des Grand-Hotels offen zu stehen. Später erfahren wir, dass die „Fundus-Gruppe“ fast das gesamte Ostseebad aufgekauft hat und hier weitere Unterkünfte plant, die für Leute wie uns unbezahlbar sein werden. So schön, wie es ist, das älteste Bad Deutschlands Heiligendamm, wir kehren ihm den Rücken und wandern durch das Wäldchen zum Bahnhof zurück, wo wir „Molli“ für die Rückfahrt besteigen.

Da fühlen wir uns im Ostseebad Rerik wohler. Zwar ist die Strecke dorthin nicht gerade gut ausgeschildert, aber während der Fahrt durch die Hügellandschaft „Kühlung“ söhnt uns der Anblick der Ostsee weit unten im Tal in der Sonne glänzend vollkommen aus. Wohltuend ist es für die Feriengäste des alten Fischerstädtchens, am Hafen zu sitzen und die Ruhe auf sich wirken zu lassen. Am besten noch mit einem leckeren Fischbrötchen im Bauch. Spaß macht ein Bummel durch die kleinen Geschäfte mit bezahlbaren Andenken.

Die Krönung unseres Urlaubs an der Ostsee wird dann die Fahrt mit dem Ausflugsdampfer „MS Rerik“, der mit uns durch das Salzhaff bis zur Insel Poel schippert, wobei der Kapitän uns mit lehrreichen und lustigen Kommentaren unterhält. Schade nur, dass die Sicht durch leichten Nebel getrübt ist und wir von Sehenswürdigkeiten hören, die wir sehen könnten, wenn …

Der gebratene Zander im Restaurant „Steilküste“ setzt der Krönung noch die i-Tüpfelchen auf. Wie in einem großen Wohnzimmer sitzen die Gäste zusammen und hören dem Wirt zu, der für alle die heutige Speisekarte kundtut.

Danach schaffen wir es noch, pünktlich auf der Barkasse „Salzhaff“ zu erscheinen, um dem Dia-Vortrag des Polarforschers Dr. Klaus Feiler beizuwohnen. Gemeinsam mit seiner Frau hat er ein Buch über „Die verbotene Halbinsel Wustrow“ geschrieben und berichtet über das Schicksal der Halbinsel unter Hitlers Soldaten und späterer sowjetischer Besatzung. Auch hier ist die „Fundus-Gruppe“ aktiv geworden und hat das gesamte Eiland aufgekauft, um einen Jachthafen und Golfplatz zu errichten und zahlreiche Häuser mit Appartements zu bauen. Bis dahin ist der Zugang zur Halbinsel Wustrow wie auch unter den verschiedenen Besatzungsmächten wieder gesperrt, leider auch für die Führungen des Ehepaars Feiler.

Dieser interessante Vortragsabend beschließt unseren Ostsee-Urlaub im Ferienhaus. Noch einmal fahren wir die kleinen Straßen von Rerik nach Kühlungsborn, begleitet vom nächtlichen Licht des Leuchtturmfeuers. So viel haben wir in den Tagen gesehen und erfahren und uns trotzdem gut erholt. Kühlungsborn – wir wollen wiederkommen. Und am liebsten in die schöne Ferienwohnung im „Haus Bernstein“.

Beja C. Garduhn

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