Einmal Mittel- und Osteuropa für 3€ pro Tag zum Mitfahren bitte!

- Ein Reisebericht -

Der Himmel ist bedeckt über Hamburg, aber das macht uns nichts. Wir wollen ja eh weg. Dorthin, wo die Sonne das ganze Jahr scheint. Überpünktlich und motiviert stehen wir drei, durch unsere fast 20 Kilo schweren Rucksäcke gebeugt, am schmutzigen Bahnsteig des Hauptbahnhofs. „An diesen trostlosen Anblick müssen wir uns gar nicht erst gewöhnen“, sind sich Felix und Morten, meine zwei Mitreisenden, sicher. Das sind zumindest unsere Erwartungen, zu Beginn der 3-wöchigen Interrailtour quer durch Europa. Aber was für Erwartungen werden sich erfüllen? Freundliche Schaffner in Deutschland? Eine legendäre Nacht in Amsterdam? Ein Franzose, der Englisch sprechen kann oder das große Glück in Monaco? Gutes Wetter in Italien oder Natur pur in Kroatien?

Nachdem wir unsere Heimat und unsere Eltern mit ihren Sorgen hinter uns gelassen haben, kommen wir nach einem kilometerreichen Tag in Amsterdam an. Nach einem Gang entlang der Hauptstraße, Richtung Zentrum, bricht auch schon die Nacht mit ihren zahlreichen Bars und Coffee- Shops über uns herein. Wenigstens ein Gang durch die beliebten engen Gassen im Rotlichtviertel sollte man einmal gemacht haben – das ist, anders als in der Hamburger Herbertstraße, auch als Frau möglich!

Nach durchzechter Nacht steigen wir früh morgens in die Bahn, um die zweite Großetappe bis nach Paris zu bestreiten. Dass wir die Strecke nach Maastricht zweimal fahren müssen, weil alle drei die Endstationen verschlafen, war vorprogrammiert. Abends kommen wir in der Stadt der Liebe an, treffen spontan noch einen Briten, der seit der Finanzkrise ebenfalls durch Europa irrt und finden tatsächlich einen Schlafplatz auf der vollgrünen Wiese vor dem Eiffelturm. Ein Zelt haben wir nicht mitgenommen. Das würde keiner tragen wollen und wir rechnen ja fest mit dauerhaft gutem Wetter. Trotz feierwütiger Australier, sowie der halben afrikanischen Welt, die uns mit Eiffeltürmen (Achtung: Wenn ein Blechturm schon sein muss, dann wenigstens ordentlich handeln, vor allem Mengenrabatte bringen’s) oder Schnaps übers Ohr hauen wollen, finden wir (mit Nachtwache) irgendwann sehr erholsamen Schlaf. Bis 6 Uhr morgens. Denn das wohlgenährte Gras vor Paris Stolz kommt nicht von irgendwoher: Wasserspringer scheuchen uns noch vor dem Wachwerden in den TGV nach Genf, wo wir unseren letzten Mitreisenden abholen und einen sonnigen Tag im Freibad (mit Sprungturm, Seilbahn, Mootsverleih und einzigartigem Panoramablick auf die Altstadt, sowie Europas höchster Fontäne) und eine ebenso schöne Nacht am Genfer See verbringen.

Die nächsten Tag vergeuden wir leider in und um Lyon, da wir zunächst zur Tour de France wollten – diese jedoch mit französischem Bahnnetz unerreichbar scheint. Denn eins ist gewiss: Nutzt man nicht ihren Nationalstolz, den TGV, wird man von jedem Schaffner gehasst. Ein Beispiel: Von Lyon fährt man nach Bordeaux (Luftlinie: ca. 500km) am schnellsten über Paris, mit TGVs (fast 1.000km). Ein Luxus, den wir Rundreisenden uns nur einmal leisten wollten. Chamonix, das schönste Bergdorf der Alpen, erreichten wir letztlich doch noch. Gondeln hoch zur Spitze Europas, dem Mont Blanc und authentische Wanderwege geben dem Dorf seinen Charme.

Am nächsten Tag erreichen wir Marseille und genießen zunächst unser leckerstes Sandwich, mit bestem französischem Baguette am Yachthafen und später einen umwerfenden Sonnenuntergang am Fuße der stadtüberragenden Kirche „Notre Dame de la Garde“. Auch das arabische Viertel, mit den vielen überaus netten, aber aufdringlichen Händlern ist ein Muss für Schnäppchenjäger.

Nach einem Strandtag in La Ciutat (das Wasser sieht leider wesentlich wärmer aus, als es ist), fuhren wir in das Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt: Monaco. Das steuerfreie Paradies beeindruckt rundum. Schon am Bahnhof könnten wir vom Boden essen. Auch wenn einem dann missbilligende Blicke von den vielen millionenschweren Opas, sowie ihren 20-jährigen Freundinnen zugeworfen werden würden. Ob Rennstrecke, Yachthafen (nirgendwo wir so viel Geld im Wasser versengt – absolut sehenswert!), botanischer Garten oder Casino. Es heißt Autos und Frauen gucken. Da haben wir uns den Schlaf an dem Betonklotz „Badestelle“ redlich verdient.

Die nächsten Tage verbringen wir in einem der Cinque Terre- Dörfer: Monterosso al Mare. Dies sind fünf kuschelige, aber inzwischen leider sehr touristische Dörfer am Meer. Bekannt durch die Wanderroute inmitten der Zitronen- und Weinplantagen. Entgegen unserer anfänglichen Erwartungen, regnet es die nächsten Tage, sodass wir den Koma- und Gardasee nur peripher sehen. Lediglich die Pizza vor Mailands Dom und Modeläden macht die Reise zurzeit schmackhaft.

Besseres Wetter in Venedig. Die Brückenstadt muss man gesehen haben! Da die Gondeln unbezahlbar sind, steigt man gerne auf herkömmliche Schiffe um, die einen inklusive Stadtrundfahrt zum Markusplatz/-Dom bringen. Das erste was man sich kauft ist jedoch ein Stadtplan!!

Mit Nachtzügen gelangen wir über Zagreb (für eine Hauptstadt total verschlafen; und Traveller-Treffpunkt Nummer 1!) nach Split, wo uns eine Fähre nach Hvar fährt. Die angeblich schönste der vielen Inseln vor Kroatiens Küste. Für einen Tag und wenig Geld mieten wir uns ein Boot, um von Insel zu Insel zu fahren. Die ansonsten sehr naturbelassenen Inseln erreicht leider mehr und mehr der Massentourismus, an der Küste bildet sich ein Appartementrand. Trotz 2.700 Sonnenstunden erleben wir einen gewaltigen Sturm. Wir haben genug von der felsigen oder durch Betonklötzen versaute Côte d’Azur und Adria. Es geht nach Siofok an den Balaton. Der „Ballermann für Arme“ ist jedoch speziell für deutsche Touristen ausgelegt. Das erste Mal können wir sogar für unter 3€ pro Tag auskommen. Natürlich ohne Hotel oder Restaurant.

Leider wischt uns das Wetter auch in Budapest ordentlich eins aus. Doch durch den Regen hindurch scheinen wunderschöne Paläste, Brücken, Skulpturen, Kirchen. Ein ähnliches Bild bietet Prag. Jedoch mit ganz anderem Charakter, den wir nach dem eher langweiligen Bratislava sehr zu schätzen lernen. Prag liefert uns dann auch ein unvergessliches und perfektes Ende unsere Rundreise durch Europa: Wir vier stehen nachts auf der Karlsbrücke, schauen auf den bezaubernden alten Königspalast und im Hintergrund spielt ein Geiger „Time to say goodbye“. Was für eine Reise!

J.Sandbrink

Hamburg

Amsterdam

Paris

Genf

Lyon

Annecy

Chamonix

Albertville

Marseille

La Ciotat

Monaco

Mailand

Peschiera del Garda

Venedig

Zagreb

Split

Hvar

Budapest

Pressburg

Prag

Hamburg

Unsere Servicezeiten:
Montag - Donnerstag: 09:00 - 22:00 Uhr
Freitag - Samstag: 09:00 - 20:00 Uhr
Sonn- & Feiertage: 11:30 - 20:00 Uhr

Jetzt anrufen!