Aktuelle Reisehinweise - Deutschland: Verbot touristischer Übernachtungen bis 20. Dezember 2020

Ewiger Sommer, Sonne, Strand und viel Me(h)er in Ägypten

- Ein Reisebericht -

Die Reiseplanung - und warum man uns für verrückt erklärte

Als ausgesprochener Ägyptenfan stand nach den ersten beiden Besuchen 2009 und 2010 für mich fest: auch 2011 wird dieses wundervolle Land bereist. Allerdings sollte es diesmal anders werden. Mehr von Land und Leuten sehen, auch abgelegenere Ziele sollten besucht werden. So der Stand der Dinge im Winter 2010. Dann im Januar 2011 der große Dämpfer in Sachen Planung: in Ägypten brachen die Demonstrationen aus, in deren weiterem Verlauf Präsident Mubarak - endlich - seinen Stuhl räumen musste. Gebannt saß ich in diesen Wochen regelmäßig vor dem Fernseher, Al Jazeera wurde zum Hauptsender, und verfolgte mit einer Mischung aus Entsetzen und Trauer die Geschehnisse in Kairo. Freunde und Bekannte machten Bemerkungen wie:"Das dürfte es jetzt gewesen sein mit deinem nächsten Trip" oder "Unverantwortlich, wer jetzt noch plant, dorthin zu fahren". Dass die Reiseveranstalter nun auch begannen, die Urlauber aus den Destinationen am Roten Meer auszufliegen, machte die Sache nicht besser. Dann, im Februar, die Wende. Mubarak räumte seinen Posten, Hoffnung machte sich im Land und bei denen, die es lieben, breit. Und was machte ich? Keine vierundzwanzig Stunden nach dem Abgang des verhassten Präsidenten buchte ich. Ich machte Abstriche, große Abstriche. Aus der geplanten Reise durch das Land wurde ein Aufenthalt am Roten Meer. Hauptsache zurück nach Ägypten, ich wollte sehen und hören, wie die Menschen die Veränderungen aufnahmen, was sich veränderte und wie es weitergehen sollte. Da sämtliche Reiseveranstalter kaum noch Kontingente anboten, glich die Suche nach Flügen und Unterkunft der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen, doch ich wurde letztlich fündig. Im Juni also ging es auf zu vierzehn Tagen Cluburlaub im Albatros Palace Resort & Spa in Hurghada. Flug und Hotel getrennt gebucht, die Vorfreude machte sich breit.

Hoffen und Bangen in den Monaten bis zum Abflug

Das teilweise planlos anmutende Verhalten der Fluggesellschaften mit Flugstreichungen, Änderung von Abflughäfen und Zusammenlegung von Flügen sorgte dafür, dass sich in die Vorfreude immer auch wieder Unsicherheit mischte. Keiner wusste, ob die gebuchten Flüge überhaupt und wenn ja, vom gebuchten Flughafen aus gehen würden. Ein Dank an dieser Stelle an meine Fluggesellschaft, die geduldig so manche Frage wenn es sein musste auch doppelt beantwortete. Drei Wochen vor Abreisedatum glaubte ich, es könne nun nichts mehr passieren. Nur die Zeit müsste etwas schneller vergehen. Nun, man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Zweieinhalb Wochen vor Urlaubsbeginn zwang eine Krankheit mich ins Krankenhaus. Meine erste Frage, wie es mit dem Fliegen sei, brachte die Ärzte dazu, an meinem Verstand zu zweifeln. Das ginge ja mal gar nicht, sei lebensgefährlich. Nein, auf gar keinen Fall. Nun, sie hatten die Rechnung ohne den Wirt, in diesem Fall ohne mich, gemacht. Eine Woche lang schluckte ich die Kröte, im Krankenhaus zu bleiben, dann durfte ich gehen. Die weitere Behandlung konnte über den Hausarzt erfolgen. Auch der schüttelte ob meiner Pläne entsetzt den Kopf. Was mich nicht abhielt. Ich informierte mich und klärte mit dem Krankenhaus in Hurghada ab, ob die notwendigen Untersuchungen auch vor Ort möglich seien, was mir bejaht wurde. Also, auf ans Kofferpacken. Und tatsächlich: Ich saß am Abreisetag im Flieger. Ägypten, ich komme.

Endlich in Ägypten angekommen - Erholung von der ersten Sekunde an

Nach einem angenehmen Flug endlich die Landung in den frühen Abendstunden. Ruhig ist es am Airport, sehr ruhig, im Vergleich zu früher. Nur wenige Maschinen landen, so dass Einreiseformalitäten, Passkontrolle und das Abholen des Gepäcks in gerade einmal zwanzig Minuten erledigt ist. Raus aus dem Terminal und ein Taxi gesucht. Der Taxifahrer überschlägt sich fast vor Freude, es muss wirklich dramatisch gewesen sein in den Wochen und Monaten nach der Revolution. Kaum Gäste sind gekommen, berichtet er. Und die, die gekommen sind, haben den Massentransport der Reiseveranstalter einer Fahrt mit dem Taxi vorgezogen. Er ist traurig, möchte wissen, weshalb die Menschen so ängstlich sind. Kein Ägypter möchte doch einem Besucher etwas Böses? Ich kann ihm die Frage nicht beantworten, aber ich kann ihn verstehen. Ganze Familien sind von dem mageren Einkommen abhängig, das ihre Väter und Ehemänner in den Urlaubsregionen verdienen. Und das nun fast nicht mehr vorhanden ist. Mein Taxifahrer erzählt mir auf der Fahrt viel von den Hoffnungen, die sich unter den Menschen breit macht. Hoffnung auf Freiheit, Gerechtigkeit, auf ein Leben ohne Willkür und Angst. Die Fahrt zum Hotel macht mich nachdenklich. Im Hotel angekommen stelle ich fest, dass auch hier spürbar weniger los ist, als das normalerweise der Fall ist. Die Angestellten bemühen sich sehr um jeden einzelnen Gast, versuchen, auch Unmögliches möglich zu machen. Die Gäste sollen sich willkommen fühlen und von der ersten Minute an genießen. Und genau das tue ich. Ein wunderschönes Zimmer mit Blick auf eine riesige, wunderschön gestaltete Poolanlage wartet auf mich. In sieben Restaurants kann nach Herzenslust geschlemmt werden, was das Buffett hergibt und nur wenige Schritte entfernt wartet das Rote Meer mit seinen zahlreichen Bewohnern.

Delphine, Riffe, Wüstenschiffe

Neben Entspannung am Strand oder Pool besuche ich, wie auch in den Jahren zuvor, meine ganz persönlichen Lieblinge: Delphine. In einer kleinen Gruppe fahren wir mit einem Boot hinaus und wir haben, wieder einmal, Glück. Eine große Delphinschule taucht auf, umkreist immer wieder das Boot und macht keine Anstalten, uns bald wieder zu verlassen. Schnorchel, Maske und Flossen anlegen und hinein ins Meer. Es ist immer wieder atemberaubend. Die großen Meeressäuger umkreisen uns, kommen auf Armeslänge an uns heran. Tauchen unter uns weg, um gleich darauf wieder neben uns zu erscheinen. Sie umkreisen einen, verharren auch einmal kurze Momente, sind unglaublich neugierig. Zwei oder drei Delphinkühe haben ihre Jungen dabei. Ein atemberaubender Anblick. Ein Erlebnis, das mir jedes Mal von Neuem die Tränen in die Augen treibt. Es zu schildern, ist fast unmöglich, man muss es einfach selbst erlebt haben. Die Tour endet nach einigen Zwischenstopps an phantastischen Riffen, deren Vielfalt ihrer Bewohner einfach wundervoll ist.

Vom warmen Meer geht es in den nächsten Tagen in die heiße Wüste. Nach einstündiger Fahrt mit dem Motorrad kommen wir in den Bergen an. Dort heißt es: umsteigen von 120 Pferdestärken auf eine Kamelstärke. Mit Kamelen geht es weiter durch die Wüste zu einem kleinen Beduinenlager. Ich bin in einer anderen Welt. Leben mit einfachsten Mitteln und immer Abhängig von der Natur. Wasser ein Luxusgut, Strom ein Fremdwort und dennoch strahlen diese Menschen eine Ruhe und Zufriedenheit aus, der man sich nicht entziehen kann. Ein Wellnessurlaub hätte mir nicht diese Erholung bieten können, die mir die Tage an diesem Ort gegeben haben.

Viel zu schnell vorbei

Viel zu rasch sind die so lang ersehnten Tage wieder um und es geht zurück nach Hause. Dabei fühle ich mich doch schon zu Hause, hier, in diesem schönen Land mit seinen wunderbaren Menschen. Noch auf dem Flughafen beginne ich zu überlegen, wie mein nächster Urlaub in Ägypten aussehen könnte...

Anonym

Hurghada

Marsá al `Alam

Asyūţ