Familienkreuzfahrt rund um Großbritannien

- Ein Reisebericht -

Zur Silberhochzeit wollten wir eine ganz besondere Reise unternehmen, nämlich unsere erste Kreuzfahrt. Doch während es die meisten Urlauber mehr in südliche Gefilde zieht, träumten wir schon lange von einer Reise rund um die Britischen Inseln. Ferientermine, die richtige Route und nicht zuletzt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis unter einen Hut zu bekommen war nicht ganz einfach, doch schließlich hatten wir es geschafft und eine Reise für die Familie auf der MS c. Columbus gebucht. So viel schon vorab: Es war unsere erste, aber bestimmt nicht unsere letzte Kreuzfahrt!

Die Formalitäten bei der Einschiffung und die obligatorische Seenotrettungsübung brachten wir zügig hinter uns. Dann standen wir an Deck und beobachteten fasziniert, wie wir zu den Klängen von "Conquest of Paradise" den Kieler Hafen verließen mit Kurs Richtung Nord-Ostsee-Kanal. Dabei erlebten wir schon die erste Überraschung. Ein Kreuzfahrtschiff bewegt sich vergleichsweise sehr langsam, jeder Fahrradfahrer könnte es bequem überholen. Insofern verbrachten wir mehr als einen ganzen Seetag auf der Nordsee, bis wir endlich die Hafenstadt Rosyth erreichten, was insbesondere diejenigen, die unter Übelkeit litten, als sehr lange empfanden.

Doch der Anblick der schottischen Küste und der Eisenbahnbrücke über den Meeresarm Firth of Forth machten dies wieder wett. Am ersten Tag stand ein Ausflug in die Hauptstadt Edinburgh an und hier wurden wir bereits mit den Unwägbarkeiten des schottischen Wetters konfrontiert. Gerade als wir uns anschickten Edinburgh Castle zu besichtigen, ging ein Hagelschauer auf uns hernieder. Unsere einheimische Reiseleiterin blieb davon unbeeindruckt. In Schottland gebe es kein schlechtes Wetter, sondern nur "flüssigen Sonnenschein" erklärte sie uns freundlich. In den folgenden Tagen zeigte sich das Wetter ebenfalls recht durchwachsen. Auch bei der Busfahrt nach Loch Ness, der Heimstatt des sagenumwobenen Ungeheuers, erlebten wir überschwemmte Straßen, während es auf den Orkneys und den Hebrideninseln Skye und Lewis einigermaßen sonnig war, wenn auch mit Temperaturen um die 17 Grad. Gerade auf den Inseln merkte man, dass die Bevölkerung zu einem großen Teil vom Tourismus lebt. Schon beim Verlassen des Schiffes bekamen die Besucher Stadtpläne und Prospekte in die Hand gedrückt, damit sie auch ja ihren Weg zu den zahlreichen "Gift-Shops", den Andenkenläden fanden.

Stadtrundfahrten durch Glasgow und Dublin sowie der malerische Fischerort Fowey in Cornwall standen in den folgenden Tagen auf dem Programm. In Fowey wurde auch die berühmte Schriftstellerin Daphne du Maurier zu ihrem Roman "Rebecca" inspiriert. Als Mitbringsel für zu Hause erstanden wir "Fudge" in allen Variationen, eine Art lockeres Karamellkonfekt. Zum Abschluß ankerte unser Schiff in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth, von wo aus wir zu einem Ausflug nach Stonehenge starteten, der einzigen Enttäuschung auf der ganzen Reise. Es goss wieder einmal wie aus Kübeln, dennoch waren ganze Scharen von Besuchern anwesend. Nicht auszudenken, wie viele Leute sich bei schönem Wetter hier tummeln! Die berühmten Steinkreise selbst durfte man nur aus einer bestimmten Entfernung umrunden, aber nicht nur deshalb wirkten sie bloß halb so groß wie auf Fotos. Ein Ausflug, den man nicht unbedingt wiederholen muss. Wenn man schon in Portsmouth ist, sollte man lieber das berühmte Flaggschiff von Admiral Lord Nelson besichtigen, die "Victory", die hier auf Trockendock liegt. Leider reichte die Zeit nur, um es von außen anzusehen, denn abends ging es schon wieder zurück nach Cuxhaven. Viel zu früh, wie wir alle meinten, denn die Reise mit der "Columbus" war wirklich etwas Besonderes.

Zum einen ist es ein vergleichsweise kleines Schiff mit nur 420 Passagieren, was für eine fast familiäre Atmosphäre sorgte. Der Service an Bord war einzigartig, das gut geschulte Personal ließ keine Wünsche offen. Reiseleitung, Rezeptionsmitarbeiter, Kabinenstewardessen und Kellner taten alles, um ihren Gästen einen unbeschwerten Aufenthalt zu ermöglichen. Die hervorragenden Mahlzeiten standen oft noch unter einem besonderen Motto. So gab es einmal einen englischen Abend mit entsprechenden Spezialitäten, ein anderes Mal stand die eurasische Küche im Vordergrund. Die Kinder konnten entweder aus dem Menü der Erwachsenen wählen oder aus ihrer eigenen Speisekarte. Überhaupt wurde auf der Familienreise für die jüngeren Gäste viel geboten.

Eine eigene Kinderbetreuerin kümmerte sich mehrere Stunden täglich um sie, nahm mit ihnen das Abendessen ein und überlegte sich für jeden Tag neue Spiel- und Bastelangebote. Da wurden Luftballons geknotet, ein Bordtagebuch angelegt und eine Schiffsrallye unternommen. Mit dem Chefkoch durften sie Pizza backen und der Kapitän feierte mit ihnen ein stilechtes Piratenfest. Einfach nur toll! Allerdings waren lediglich etwa 30 Kinder und Jugendliche an Bord, rund zwei Drittel der Gäste waren Senioren und auch diesen kann man eine solche Schiffsreise nur wärmstens empfehlen. Für die erwachsenen Gäste gab es eine Fülle an Veranstaltungen mit Vorträgen, der Brückenbesichtigung, Bingo, Cocktailempfänge und vor allem viel Musik. Beruhigend ist es für diese Klientel gewiss auch, dass eine Ärztin an Bord war. Auch die Ausflüge waren sehr angenehm, da man sich um nichts kümmern musste, außer den richtigen Bus zu besteigen und sich dann entspannt zurückzulehnen.

Mein Fazit: Eine Kreuzfahrt eignet sich für jedes Alter, denn auf keine andere Art kann man so schön und bequem reisen. Am Tag werden Ausflüge unternommen, nachts erfolgt die Weiterfahrt. Und wenn man morgens aus dem Fenster blickt, dann befindet man sich schon wieder an einem anderen interessanten Ort. Allerdings wird die "Columbus" im kommenden Jahr durch die etwas größere "Columbus 2" ersetzt, da manche Gäste ihre Kabinen als zu klein, den Fitnessraum, den Pool und die Sauna als nicht ausreichend empfanden. Doch wenn der Service auf dem Nachfolgeschiff genauso groß geschrieben wird, wovon ich ausgehe, werden wir dort gerne ebenfalls anheuern.

Bärbel Jakob

Edinburgh

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