Hinter dem Horizont

- Ein Reisebericht -

Seit Wochen freute ich mich schon auf diesen Kurzurlaub nach Berlin. Ich liebe Berlin. Berlin ist für mich das pure Leben - es ist nicht so öde und langweilig wie in meinem verschlafenen Dorf. Kaum bin ich in Berlin, habe ich gute Laune und fühle mich wohl. In Berlin ist immer etwas los. Wie immer führte mich mein erster Weg zum Fernsehturm. Ich begrüße ihn gern persönlich und rede mir ein, er erwartet das von mir. Er ist natürlich zu stolz, um zu zeigen, dass er sich freut. Ich weiß, ich spinne. Aber so geht es mir nun einmal in Berlin.

Langsam schlenderte ich zu den Hackschen Höfen, trank im Traditionsrestaurant 1840 am Hackschen Markt einen Mitchellino und beobachtete die Leute. Dabei entstanden bereits wieder die ersten Geschichten in meinem Kopf. Der dicke Mann neben mir, der seine Frau kaum beachtete, aber dafür jedem Rock hinterher sah, entwickelte sich in meiner Phantasie bereits zum Mörder. Eine Gruppe Italiener zwängte sich lärmend durch die Tische. Als sie an meinem Tisch anrempelten, erschrak ich. Ein Blick auf die Uhr ließ mich blass werden. In einer halber Stunde musste ich am Potsdamer Platz sein. Für das Musical "Hinterm Horizont" hatte ich zum Geburtstag Karten geschenkt bekommen.

Meine Familie weiß, dass ich seit Jahrzehnten Udo-Fan bin. Keiner versteht es, aber das ist mir auch egal. Wie habe ich geweint, als seine DDR-Tournee verboten wurde. Für mich ist er nicht nur einer der wenigen Künstler, die ihre politische Meinung kundtun. Für mich ist er einer der größten Poeten. Gibt es für eine Flasche Schnaps eine schönere Beschreibung als Lady Whiskey?

Nach dem letzten Gong wurde es im Zuschauerraum dunkel. Ein überdimensionaler Hut ist die ganze Bühnendekoration und dann geht es los. Lieder, die mich seit Jahren trösten, mir Mut und Freude machen, erklingen. Die Geschichte nimmt mich gefangen. Als dann Bilder vom 9. November 1989 gezeigt werden, kann ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Damals träumte ich von einem Konzertbesuch bei Udo, hätte es aber niemals für möglich gehalten, dass dies Wirklichkeit werden kann. Hat wirklich noch jemand daran geglaubt vom Kudamm zum Alexanderplatz zu schlendern? Ich zumindest nicht. Und wieder wird mir in diesem Moment klar, was wir für ein Glück gehabt haben. Eine historisch einmalige Zeit und ich war dabei! Davon kann ich noch meinen Urenkeln erzählen.

"Jeder Tag ist gleich lang, doch unterschiedlich breit!"

Meiner war heute besonders breit. Danke Udo!

Nina Nett

Berlin

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