Kleckselkuchen und Kirchenbesuch in Leipzig

- Ein Reisebericht -

Windig, kalt und regnerisch empfing uns das Wetter an diesem Morgen im März in Leipzig als meine Freundin Hanna und ich aus dem B&B-Hotel traten, um mit dem Auto zur Leipziger Messe zu fahren. Drei Stunden später hatten wir unseren Messestand auf der Buchmesse zu unserer Zufriedenheit eingeräumt und dekoriert. Endlich hatten wir Zeit, die Stadt Leipzig zu entdecken.

Einen Parkplatz fanden wir im Parkhaus am Marktplatz. In der Passage bewunderten wir die Pralinenmacher, die sündhafte Köstlichkeiten herstellten, die mich mehr anzogen als die Schmuckstücke des Juweliers nebenan. Uns gegen den Wind stemmend, retteten wir uns in das Barfußgässchen. Über das Kopfsteinpflaster liefen wir langsam bis zum Brunnen vor dem ältesten Kaffeehaus Leipzigs, dem Coffee Baum. Wärme umfing uns in dem engen Flur. Vorsichtig stiegen wir die alten, ausgetretenen Stufen in den zweiten Stock empor. Hanna entschied sich für das Wiener Zimmer, das uns anheimelnd mit seinen hohen, roten Plüschsofas und den dunklen Holztischen empfing. Die dichten Spitzengardinen verdeckten fast den Blick auf die Dächer und Türme der Thomaskirche. Wir bestellten den Leipziger Kleckselkuchen, ein Quarkkuchen in den Kirschen und Mohnflecken eingebacken werden, zum Kaffee. Auf diese Köstlichkeit mit Mandelsplittern bestreut, hatten wir uns gefreut. Süß und fast cremig zergeht dieser Kuchen auf der Zunge.

Später in der Thomaskirche, in der Johann Sebastian Bach gewirkt hatte, betrachteten wir die feine, aber kleine Ausstellung mit Texten zu seinem Leben, Notenblättern und Instrumenten, die er gespielt hatte. Die Originalschriften gelb und die Schrift leicht verblasst, ließen den Komponisten und Kapellmeister trotzdem sehr lebendig werden. Danach setzten wir uns in den Mittelgang des Kirchenraums. Die bunten Glasfenster zeigten in protestantischer Tradition immer wieder Hinweise auf die Spendengeber der Kirche. Geometrische Muster wechseln mit Wappen im unteren Bereich ab. Die biblischen Szenen leuchten in intensiven Farben, die bei Sonnenschein noch stärker zur Geltung kommen.

Auch im Altarraum bezeugten große Ganzkörperportraits von der Dankbarkeit den Spendern gegenüber. Besonders faszinierend sind die Deckengemälde dieser Kirche, die um die Rosetten oben im Mittelschiff prangen. Täuschend schlicht wirkt die Darstellung der Kräuter. Erst ein genaues Hinsehen zeigt, dass jede Rosette von einem anderen Gewürzkraut umgeben ist. Nur langsam öffnen sich die verschiedenen Grüntöne und die zarten Farbtöne der Blüten in Gelb, Rosa und Violett dem Betrachter. Fast filigran wirken die Blätter der einzelnen Kräuter und staunend erkennt man die harmonische, unaufdringliche Vielfalt der Gemälde.

In andächtiger Stimmung verließen wir die Kirche. Diese Stimmung verflog schnell, mein Handy läutete.

Leipzig

Anonym

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