Aktuelle Reisehinweise - Deutschland: Verbot touristischer Übernachtungen bis 20. Dezember 2020

Kurzurlaub im Heidepark

- Ein Reisebericht -

Früher gingen die Kinder mit den Eltern und Großeltern sonntags oder in den Ferien in ein Märchenland. In einem großen Glaskasten spielten animierte Puppen Klassiker wie "Schneewittchen und die sieben Zwerge", "Rotkäppchen" oder "Rumpelstilzchen" nach. Vielleicht gab es noch eine kleine Bootsfahrt oder ein Eisenbähnchen. Nicht fehlen durften auch ein Spielplatz und ein Eiswagen.

Aus den einstigen Märchenländern wurden in den letzten drei Jahrzehnten riesige Freizeit- und Erlebnisparks. Deren Fahrangebot ist so groß geworden, dass ein einziger Tag kaum ausreicht, um alle Attraktionen wenigstens einmal auszuprobieren, vor allem, wenn die Wartezeiten lang sind. Da muss man schon zwei oder sogar drei Tage für einen Besuch einplanen, will man nicht im Schweinsgalopp hindurchrennen. Immer mehr Parks verfügen daher inzwischen über eigene Hotels, bei denen dann auch ein bestimmtes Thema im Mittelpunkt steht. So kann man im Heidepark Soltau im Hotel "Port Royal" in die Welt der Piraten eintauchen, ein Motto, das vor allem, aber nicht nur, Jungs Spaß macht.

Schon das Äußere des Gebäudes erinnert an eine massive Piratenfestung. Und auch die Familienzimmer, pardon, Kajüten, sind so eingerichtet, dass sich gleich Seeräuberfeeling entwickelt, auch wenn die echten Freibeuter wahrscheinlich nicht so viel Komfort hatten. Betten mit (hoffentlich nur künstlich angebrachten) Holzwurmlöchern, Fässer als Tischchen, originelle Lampen und eine Toilette, die an Urgroßmutters Plumsklo erinnert, entführen die Gäste in eine Zeit, in der die Piraten die sieben Weltmeere unsicher machten. Auf den Gängen gibt es die Lebensbeschreibungen berühmter Vertreter dieser Zunft zu entdecken, darunter waren erstaunlicherweise auch Frauen, wie Anne Bonny. Piratentum war also keine reine Männerdomäne. Schon beim Einckecken erhalten die Kinder ihr Piraten-Outfit mit Kopftuch und Augenklappe, damit sie am Abend bei der Kids Action mit Kapitän Schwarzbart stilecht auf Schatzsuche gehen können. Auch für die Erwachsenen gibt es ein wechselndes Show-Programm, eine Mischung aus Musik, Zauberei und Artistik. Das Abendessen kann man wahlweise im a la carte Restaurant "Schatzinsel" oder dem Büfettrestaurant "La Tortuga" einnehmen, nicht ganz billig für eine vierköpfige Familie, aber mit einer riesigen Auswahl. Und lecker! Kapitän Schwarzbart hilft den Kindern auch gerne höchstpersönlich beim Waffelbacken oder Getränkeabzapfen.

Doch im Mittelpunkt des Kurzurlaubs steht natürlich der Heidepark selbst. Man kann sich das Wetter ja nicht zuvor aussuchen, doch wenn sich wie bei uns der Regen kübelweise vom Himmel ergießt, schließen nicht nur die meisten Attraktionen, die Hotelgäste flüchten auch schnell zurück in ihre Zimmer. Auch am zweiten Tag unseres Aufenthaltes war das Wetter nicht eben ideal, aber immerhin besser als zu Anfang. Nass werden konnte man trotzdem, aber dafür machte es diesmal Spaß. Etwa bei den beiden Wildwasserbahnen, wobei die eine ein eher kurzes Vergnügen verheißt. Die zweite bietet sehr viel mehr mit einer Fahrt durch einen Bergwerkstollen, aber dazu benötigte man Geduld bei einer Wartezeit von etwa einer halben Stunde, ebenso wie beim Mountain-Rafting. Achterbahn-Fans kommen im Heide-Park voll auf ihre Kosten, besonders seit die "Krake" , (ein Dive-Coaster) hier ihr Unwesen treibt. Selbst vom Boden aus verfolgt man atemlos, wie die Fahrgäste für mehrere Sekunden in luftiger Höhe hängen, bevor sie schreiend nach unten rasen.

Weiteren Thrill verheißen unter anderem auch die Holzachterbahn "Colossus", die Hängeloopingbahn "Limit", der Free-Fall-Tower "Scream" und mehrere Attraktionen im Maya-Land. Wer es gemütlicher mag (also jemand wie ich), der kann im Park verschiedene Bahnfahrten unternehmen, etwa mit der Monorail-Bahn, der Panoramabahn oder dem Heidepark-Express. Entspannend sind auch die Bootsfahrten wie der Käpt's Törn, die Märchenfahrt und die Kanalfahrt. Für Kleinkinder gibt es ebenfalls mehrere spezielle Fahrangebote. Und im Panoramaturm kann man eine Fahrt nach oben unternehmen und sich solcherart einen Überblick über den gesamten Park verschaffen. Den Mississippidampfer gibt es indes leider nicht mehr, nur noch die Freiheitsstatue mitten im Wasser stehend und eine kleine Nachbildung des "Weißen Hauses". Darin ist ein Restaurant untergebracht, in dem man mal eben schnell Pizza oder ein Nudelgericht essen kann. Eine interessante Idee ist der Expressbutler, ein virtuelles Anstellsystem für bestimmte Attraktionen. Er hält dem Besucher einen Platz in der Schlange frei, ohne dass dieser selbst anstehen muss. Das kostet dann allerdings wieder zusätzlich, kann aber an Tagen mit großem Besucherandrang bestimmt Nerven schonen.

Für eingefleischte Freizeitpark-Fans, die sich so ein Vergnügen öfter gönnen, empfiehlt sich außerdem der Kauf einer Merlin-Jahreskarte, mit der man neben dem Heide-Park noch 14 weitere Einrichtungen, wie Legoland Günzburg oder die Sealife Center besuchen kann. Und auf Einkäufe in den Shops gibt es ebenfalls noch zehn Prozent Rabatt. Fazit: Ein schöner Kurzurlaub für Familien! Und bei dem die Kinder, anders als bei Schloss- und Museumsführungen bestimmt nicht gelangweilt maulen: "Gehen wir bald?"

Zum Abschluss noch ein Tipp: Wenn man mit dem Zug anreist, sollte man dies nicht an Sonn- und Feiertagen machen, denn dann verkehrt kein Shuttle-Bus zwischen dem Park und dem Bahnhof Soltau. Da bleibt dann nur eine Fahrt mit dem Taxi, die mit rund 15 Euro für die einfache Fahrt zu Buche schlägt.

Ja

Soltau