Mein Freund mit den vielen Gesichtern – der Gardasee

- Ein Reisebericht -

Seit mehr als dreißig Jahren reise ich ein – bis zweimal im Jahr nach Italien an den Gardasee. Mein Mann kommt aus Cassone, ein romantisches Dörfchen und Ortsteil von Malcesine. Man könnte meinen, es müsste langweilig werden immer wieder den Urlaub am gleichen Ort zu verbringen, aber es gibt stets etwas zu entdecken. Ob Sport, Kultur, Natur, Müßiggang, Nachtleben oder kulinarischer Genuss - wie ein Chamäleon passt sich der See den unterschiedlichsten Interessen und Vorlieben an.

Da wir mit Hund reisen, verbringen wir unseren selbstorganisierten Urlaub in einer Ferienwohnung, mal in Malcesine, mal in Cassone. Ich liebe Cassone. Mit seinen engen Gässchen und Winkeln spiegelt es noch den Charme früherer Jahre, fern von moderner Architektur und Technik. Wer erholsamen, ruhigen Urlaub sucht ist, selbst zur Hauptreisezeit, in Cassone gut aufgehoben. Nightlife, Trubel und schicke Boutiquen, das findet man dann im etwa 4 Kilometer entfernten malerischen Städtchen Malcesine.

Frühmorgens entlang der Promenade nach Malcesine joggen, dabei die aufgehende Sonne im Blick und das beruhigende Plätschern des Sees im Ohr, am Hafen von Malsecine einen Cappuccino genießen, noch bevor die Touristenströme den Ort erreichen, dann gemütlich zurück nach Malcesine schlendern – das ist für mich Urlaub pur!

Wer es sportlicher mag, der tobt sich aus beim Segeln, Tauchen oder Surfen. Der Surfer findet am Gardasee die perfekten Winde. Aber auch Mountainbikes kann man überall ausleihen oder man hat die Möglichkeit an, zum Teil geführten, Wanderungen, die viel Information zur Flora und Fauna bieten, teilzunehmen. Für den gemäßigten Sportler, wie mich bieten die engen Spazierwege am Fuß des Monte Baldo, dessen Gipfel mehr als 2000 m über den See ragen, unverblümte Natur. Alte Olivenhaine laden zur Rast ein, sanft schimmern die silbrigen Blätter der Bäume in der Sonne und kaum jemand hat eine Vorstellung davon wie mühsam die Olivenernte ist, wenn er das köstliche Öl genießt. Riesige Netze werden unter den Bäumen ausgebreitet und die Erntehelfer müssen mit schwindelerregend hohen Leitern in die Baumkronen steigen, um von Hand die kleinen Früchte von den Ästen zu streifen und sie dann unten aus den Netzen sammeln.

Zur Mittagszeit gehe ich gerne in die Pizzeria „Le Stelle“ in Cassone. Spezialität dort ist eine Pasta mit Scampi, eingebacken in Brotteig. Der Teig umhüllt die Pasta und wahrt das volle Aroma der Meeresfrüchte. Man muss ihn nicht essen, aber man kann, was die Portion allerdings sehr üppig macht, als Aromapack für die Tagliolini mit Scampi hat er eigentlich seinen Zweck erfüllt.

Nach einer ausgiebigen Siesta, wie in Italien üblich, zieht es mich dann nach Malcesine. Einkaufen in schicken Boutiquen, einen leckeren Eisbecher am Hafen genießen und dabei die Menschen unterschiedlichster Nationalität beobachten und den Schiffen zusehen, die hier wie Busse ein- und auslaufen. Man findet auch noch stille Gässchen in Malcesine, alle schlängeln sich hoch zur Scaliger Burg, dem Wahrzeichen des Ortes. Kulturinteressierte Touristen sollten einen Besuch der Burg nicht versäumen. Das ganze Castello ist ein Museum, das Ausstellungen zur Geschichte der Region und zur Botanik und Geologie des Monte Baldo hat. Ein Raum ist ganz dem Besuch des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe gewidmet hat, der hier lange Zeit weilte. Allerdings nicht um zu dichten sondern, um sich der Malerei zu widmen, was man bei soviel landschaftlicher Pracht, wie sie der Blick von der Burg eröffnet, auch gut verstehen kann.

Einen genussfreudigen Abend verbringe ich gern in Castelletto di Brenzone. Nicht allein der romantische Ort sondern viel mehr das, direkt am See gelegene, Fischrestaurant „Da Umberto“ lockt mich an. Hier serviert man köstlich frische Gardaseefische in vielen Variationen, vom Grill, aus der Pfanne, im Risotto oder mit Pasta.

Wer einmal gar keine Lust zum Ausgehen hat und den Mittag oder Abend auf der Terrasse seiner Ferienwohnung verbringen möchte, der wird bei „Alimentari Vincenzi“ bestens versorgt. Der gutgelaunte Inhaber ist stets zu einem Schwätzchen bereit und hat von feinen Antipasti bis frischem Brot und Käse einfach alles in seiner Auslage, was das Herz des Genießers höher schlagen lässt. Vor der Heimreise halte ich stets bei ihm, um mich mit feinen Olivenölen aus der Region, mit Risotto-Reis, Pasta und Weinen zu versorgen, damit auch zu Hause nichts für die mediterrane Küche fehlt.

Während ich dies schreibe, freue ich mich schon auf meine nächste Reise im Herbst, die mich vielleicht entlang der „Strada del Vino“ , der Weinstrasse von Bardolino oder nach Verona führt. Wer weiß? Wie gesagt, der See hat viele Gesichter!

Bruni Concini

Malcesine

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