Mexikos koloniales Erbe - Die Lichter der Städte: selbstorganisierter Trip nach Mexiko

- Ein Reisebericht -

Die Gegensätze könnten nicht exemplarischer, nicht drastischer und klischeehafter ausfallen als auf dem Weg von Texas mit dem Auto über die Grenze nach Mexiko. Ich fuhr von Laredo nach Nuevo Laredo und befand uns mich sofort in einer anderen Welt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass dieses Klischee nicht überall zutrifft. Nicht jede amerikanische Stadt ist so steril, so leblos und ausschließlich mit Burgerketten und Walmarts gepflastert wie das abscheuliche Laredo. Und nicht jede mexikanische Stadt ist so unübersichtlich, so schmutzig und so voll wie Nuevo Laredo. Ein mexikanischer Freund hatte mir genau dieses Szenario vorausgesagt: "Du merkst nicht nur aufgrund der Grenze, dass Du in ein anderes Land fährst, Du merkst es einfach".

Der Kulturschock ist eine gute Art der Bekanntmachung mit einem neuen Land. Er nimmt einem die Illusion, man müsse sich nicht anstrengen. Reisen ist etwas Wunderbares, aber richtiges Reisen, das Kennenlernen anderer Kulturen, erfordert einige Anstrengung. Kommt der Kulturschock früh genug, kommt meist auch die Bereitschaft sich anzustrengen kurz danach. So war es in Mexiko. Alles, was in Mexiko folgte, war ein Mitschwimmen mit der Masse der Menschen auf den Straßen, in den Kneipen und im Verkehrschaos der Metropolen.

Der Norden des Landes ähnelt in der Mitte sehr der Landschaft in der südlichen USA, die ich zuvor bereits zu Genüge gesehen hatte. Die Wüste mit ihren Joshua Bäumen und Riesenkakteen hatte ein wenig an Reiz verloren, so dass ich weiterfuhr und nach kurzen Zwischenstopps zum übernachten ankam in Zacatecas. Viele Urlauber besuchen die Städte im Landesinneren nicht, da der weiße Sandstrand von Cancun ebenso weit weg ist wie die vielen Maya- oder Aztekenstädten, wegen der die meisten Besucher das Land besuchen. Wer ein wenig mehr Zeit hat oder sich für koloniale Städte interessiert, sollte nicht nur die Küsten des Landes ansteuern, so schön sie auch sein mögen. Als ich in Zacatecas ankam, hatte ich auf Anhieb das Gefühl, noch nie so eine schöne Stadt gesehen zu haben. Die gepflasterten Straßen und engen Gassen führen ein zu majestätischen Plätzen mit Brunnen und Straßencafés, die man eher in Florenz oder Rom erwarten würde. Zacatecas kam durch das Silber in seinen Bergen zu Ruhm und Geld und gehörte einst zu den reichsten Städten der Welt. Was den Unterschied zu den schönsten europäischen ausmacht und Zacatecas für mich als Europäer noch schöner erscheinen ließ, ist die Exotik, die sich in den Giebeln der Herrenhäuser eingenistet hat. Aus malerisch schönen Häusern mit aufwendig verzierten Holzbalkonen kommen immer gleiche Quietschgeräusche. Mit der Zeit weiß ich schon am Anfang einer Straße, wo sich die nächste Tortilleria mit einer Presse befindet, die aus Maisteig Hunderte von Tortillas fertigt und mir so einen Teil meines Abendessens präpariert. Ich erkenne an heraushängenden Bananen und Zwiebeln von Weitem, wenn irgendwo ein winziger Abarrotes (Tante-Emma-Laden) alles Erdenkliche verkauft, was auf dem winzigen Raum nur mit einem innovativen Ordnungssystem funktioniert, das für Außenstehende wie mich nicht immer einfach nachvollziehbar ist.

Die nächste Stadt auf meiner Route hört auf den schönen Namen Guanajuato. Wenn Zacatecas traumhaft schön ist, fehlen für Guanajuato schlicht die Worte. Die Stadt ist atemberaubend und einzigartig. Ich hatte mich in Zacatecas länger mit einem angegrauten Briten unterhalten, der nicht zu Übertreibungen zu neigen schien, dennoch schienen ihm die Superlative nur so aus dem Mund zu fallen, wenn er über Guanajuato sprach. Das machte auch mich neugierig und nun gebe ich die Übersetzung auf deutsch weiter. Dank der großen Universität hat die Stadt trotz ihrer relativ geringen Größe ein weltoffenes Flair. Zudem hatte ich unglaubliches Glück, während der Semana Santa in der Stadt zu sein. Es gibt eine vor Ort sehr bekannte Mariachigruppe bestehend aus Studenten, die Zusammensetzung der etwa 20 jungen Männer wechselt daher regelmäßig. Am Anfang des Abends zahlt man einen Betrag, der bei ungefähr 7 Euro lag, um den ganzen Abend mit der Gruppe durch die Stadt zu ziehen, ein Glas Wein in die Hand zu bekommen und sich bei Bedarf immer nachschenken zu lassen. So bekommt man eine Stadtführung, großartige Konzerte an den schönsten Orten und viel Wein für einen Schnäppchenpreis geboten. Die Akkustik der am Hang gebauten Stadt bietet sich für dieses Vergnügen, dass die Mariachis nicht nur während der Semana Santa machen, geradezu an. Die bunten Häuser am Hang bilden abends übrigens eine besonders schöne Kulisse, wenn sie von den orangefarbenen Laternen angestrahlt werden. Nebenbei ist es eine schöne Abwechslung für eine lateinamerikanische Stadt, wenn kaum Autos unterwegs sind. Des einen Glück, ist des anderen Pech, und ich befand mich in beiden Rollen, da das Autofahren in den Tunneln unter der Stadt für Ortsfremde eine fast nicht zu lösende Aufgabe ist.

Dennoch fand ich den Weg aus der Stadt heraus und setzte die Reise fort.

Über Mexiko könnte ich noch viele Seiten füllen: Das Essen, das von Stadt zu Stadt variiert und schon nach 50 Kilometern Fahrt dazu führt, dass die Einheimischen die Bestellung nicht verstehen. Die Flora und Fauna, so reich und unterschiedlich, dass man nach längerer Reise nicht mehr glauben kann, dass man sich die ganze Zeit in einem Land befand. Die aufregende Metropole Mexiko Stadt, viel weniger gefährlich, als es einem die Warnungen von außen glaubhaft machen wollen. Doch wenn es um Städte und Architektur geht, um das Flair der mexikanischen, aus meiner Sicht gar der lateinamerikanischen Kolonialstadt, dann bleiben meine Erinnerungen in Zacatecas und den Mariachis in den traumhaft verwinkelten Gassen von Guanajuato. Ich kann nur jedem Kulturinteressierten eine selbstorganisierte Reise nach Mexiko ans Herz legen!

Lars F.

Guanajuato

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