Mit dem Trabi in Cottbus unterwegs

- Ein Reisebericht -

Vor 22 Jahren ist die Mauer gefallen und Ostalgie-Touren erfreuen sich immer höherer Beliebtheit. Darum kam für uns im September 2011 ein selbstorganisierter Urlaub dorthin infrage, um zu erfahren, wie die DDR damals so war. Bei unserem Urlaub in Cottbus haben wir uns also einen Trabi ausgeliehen, damit alles möglichst authentisch ist und nicht irgendwie künstlich aufpoliert.

Es ist eng in dem Einheitsgefährt der DDR-Bürger und es gibt keinerlei Komfort. Unter dem Lenkrad klemmen die Oberschenkel fest und das Bremspedal ist nur schwer durchzudrücken. Empfehlenswert ist auch einen Einführungskurs für die Lenkradschaltung. Autofahren diente wirklich nur dem Zweck, um von A nach B zu gelangen.

Aber jetzt macht es uns Spaß, über die Straßen von Cottbus, die manchmal noch so schlecht wie vor 20 Jahren sind, zu tuckern. Der Trabi hoppelt über das Pflaster und schüttelt uns kräftig durch.

Auf den Spuren der DDR führt uns die Tour zum Cottbuser Staatstheater. Es handelt sich dabei um ein Gebäude im Jugendstil, mit hohen Mauern, auf welchen Figuren sitzen. Es gibt vereinzelt noch gesperrte Straßen rundherum, da diese saniert werden. Freundlich lächeln die Häuserfronten ringsum zu uns herüber, die ihre traurigen und rissigen Gesichter liften ließen. Dank der guten Pflege in der kommunistischen Zeit ist das Theater in sehr gutem Zustand, während anderswo alle Jugendstilelemente einfach beseitigt wurden. Das Theater war bei den DDR-Bürgern mit seinen etwa 600 Plätzen recht begehrt. So betrug die Wartezeit für eine Karte des Theaterstückes das „Traumboot der Liebe“ beispielsweise sechs Monate, erzählte man uns. Es wurden hier sogar „West-Stücke“ wie das Musical „Cabaret“ gespielt, allerdings wollten die Parteien nicht mehr „Mark“ für die Rechte an die BRD bezahlen, wodurch es nur zehnmal aufgeführt wurde.

Bei der Sportförderung war die kommunistische Führung da schon großzügiger. So erhielt der Radsportclub Cottbus noch im Oktober 1987 ein Bahnrad-Stadion, das neu erbaut wurde. Der Trabi führte uns auf dem Weg dorthin durch die Innenstadt und dann auf eine neue vierspurige Straße, die Stadtumfahrung. Auf dieser rollt dichter Verkehr, vor allen dingen Lastwagen, in Richtung Polen. Vor ihnen fürchten wir uns beinahe in unserem Trabi, denn so mancher Lkw-Reifen ragt uns an der Ampel fast bis zum Dach. Vom Radstadion geht es nach einem längeren Zickzack-Kurs weiter zum Fußballstadion, in dem zu DDR-Zeiten große Erfolge gefeiert wurden. Nachdem wir uns dort umgesehen hatten, muss der Trabi bei der Rückfahrt zur Tankstelle, da der Motor, um seinen Durst zu löschen, acht Liter auf 100 Kilometer benötigt. Es gibt im Raum Cottbus nur noch eine Tankstelle, die „Gemisch“ verkauft, dem Benzin ist das Öl dort bereits beigefügt. Dann hoppelt unser Trabi wieder zum Ausgangsort zurück und wir sind um eine „Ostalgie-Erfahrung“ reicher.

Cottbus

anonym

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