Mittagspause in der Nikolaikirche in Leipzig

- Ein Reisebericht -

Dieses Jahr im April verbrachte ich die Osterwoche geschäftlich in Leipzig. In meiner Funktion als Verlegerin hielt ich eine Vorlesewoche in einer Grundschule ab. Mittags genoss ich die freie Zeit, um mir wieder einen kleinen Teil von Leipzig anzusehen. Diesmal schlenderte ich durch die Innenstadt und besichtigte die Nikolaikirche.

Die imposante Kirche und die Üppigkeit der Stuckaturen überwältigten mich im ersten Moment. Die zarten, pastelligen Farben geben der Kirche eine Leichtigkeit, die sehr anrührend und heiter ist. Die rosa Gipsummantelung der Mittelsäulen schließt unten mit weißen Blätterkränzen und weißen Schmuckbändern ab. An der Decke bildet grünes Blattwerk den Säulenabschluss, das in die Stuckarbeiten des gebogenen Dachgewölbes übergeht.

Die sich miteinander abwechselnden Stuckaturpartien mit Blüten in Rosa und Blattrosetten in Grün bedecken die gesamte Decke. Zierlich und detailgetreu faszinieren die Blütenkasetten, getrennt von breiten, goldenen, schlichten Streifen. Dicht an dicht sitzen die rosa Blütenköpfe oder die hellgrünen Blattrosetten. Trotzdem ist jedes Blatt und Blütenblatt einzeln zu erkennen. Ich widerstand der Versuchung, hier zählen zu wollen. Es schien mir so viele Einzelornamente wie Sterne am Nachthimmel zu geben.

In den Fenstern wechseln sich kleine Glasscheiben in hellem Gelb und zartem Rosa ab, was viel Licht herein lässt. Die Sonne verstärkte den goldenen Glanz in der Kirche noch. Draußen wechselten Sonne und Wolken sich ab, sodass die Lichtstimmung in der Kirche sich ständig änderte. Die veränderte Lichtstimmung hob immer andere Details stärker hervor.

Im Mittelgang stand auf halber Länge ein schmiedeeiserner Kerzenständer mit vierzig Teelichtern, die die 40 Tage bis Ostern symbolisierten. Ein Orgelspieler lenkte die Aufmerksamkeit auf die eher schlichte Orgel. Silbrig graue Orgelpfeifen stehen aufgereiht in mehreren Reihen in der mittelbraunen Holzverkleidung. Harmonisch erklangen die einzelnen Melodien.

In den Seitenkapellen der Kirche sind die Wände mit Marmor oder Granit verkleidet, in dem polierten Stein meint man sich fast spiegeln zu können. Hoch in den Rundungen der Kapellentürme entdeckte ich pastellig bunte Fresken mit Engelmotiven des Barocks. Diese rundlichen Engelfiguren mit ihrer kindlichen Ausstrahlung faszinieren mich wieder immer neu. Die biblischen Szenen frappieren mit ihren genauen Details, die Farben sind auch hier pastellig und leicht gedämpft. Die gewählten Szenen schwebten auch optisch weit über mir. Helle Wolkenformationen bilden immer den Abschluss einer Szene.

Die Nikolaikirche bezaubert seine Besucher mit der romantischen Üppigkeit ohne einen damit zu erdrücken. Der Gegensatz, die Beschränkung auf Stuck im Mittelschiff und Malerei in Kapellen und im Altarraum, verbindet Leichtigkeit und Ruhe. Fast andächtig verließ ich die Nikolaikirche.

Rina_Monti

Leipzig

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