Sommerlicher Tagesausflug nach München - selbstorganisiert

- Ein Reisebericht -

Mein Wohnort Regensburg und die Landeshauptstadt München liegen gerade einmal 150 km von einander entfernt. Trotzdem war ich vor sage und schreibe 5 Jahren das letzte Mal dort. Unglaublich! Um diesen unfassbaren Missstand zu ändern mein schneller Entschluss: nächstes Wochenende geht´s selbstorganisiert nach Minga (altbayerisch für München)! Samstag morgen 7 Uhr 15: eineinhalb Fahrtstunden mit dem Zug warten auf mich, ist doch eine Lapalie! Nach dem Durchfahren aller drei altbayerischen Regierungsbezirke (Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern) läßt der weithin sichtbare Olympia-Turm den Münchner Hauptbahnhof minutenschnell erwarten.

Dort pünktlich um 8 Uhr 30 angelangt gleich flugs Richtung Ludwigstraße: Ein ordentliches Frühstück im Straßencafé muss jetzt sein. Frisch gestärkt beschreite ich noch in der Ludwigstraße durch einen Torbogen unvermittelt meinen Lieblings-Aufenthaltsort in München: den Hofgarten. Anfang des 17. Jahrhunderts ursprünglich als kurfürstlicher Renaissance-Garten angelegt spiegelt sich sein Gründungsdatum noch heute unverkennbar in der streng symmetrischen Grundstruktur mit ausstrahlten Kreuzwegen in rechteckigem Rahmen und geometrisierten Blumenbeeten und Rasenstücken.

Wie als Ritual an den herrlichen historischen Wandfresken in den Arkadenbögen entlang schlendernd fühle ich mich jedesmal aufs neue in eine mythische entrückte Ritterwelt zurückversetzt. 16 Darstellungen zur bayerischen Geschichte von der Werkstatt Peter Cornelius´vom Beginn des 19. Jahrhunderts vermitteln den Aufstieg des bayerischen Herrschergeschlechts der Wittelsbacher. Exakt im Zentrum des Hofgartens postiert scheint man im pavillionartigen Diana-Tempel mit seinen Durchblicken nach allen Himmelsrichtungen geradezu im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Vorbeiflanierende Einheimische wie Touristen verleihen dem Hofgarten bereits zur Vormittagsstunde einen Charakter mondäner Weitläufigkeit und zeitloser Entspannung.

10 Uhr: vom Hofgarten aus nur wenige Strassen weiter zum ehrwürdigen Museumsbau der Alten Pinakothek an der Barer Strasse vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Heute möchte ich mir in aller Ruhe die Kabinette mit den flämischen und niederländischen Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts ansehen. Man kann die Alte Pinakothek mit ihrem gigantischen Bestand an Meisterwerken - sinnvoll! - pro Besuch nur jeweils saalweise bewältigen. Bei den bereits im 16. Jahrhundert auf einzelne Bildtypen hochspezialisierten Niederländern schweift der neugierig-faszinierte Blick dann von heiteren Seestücken Willem van de Veldes d. J. über prunkvolle Stillleben Willem Kalfs und schwermütige Landschaften Jacob van Ruisdaels zu den von zeitgenössischen Figuren, Sprichwörtern und Geschichten überquellenden Erzählbildern Pieter Bruegels d. Ä. Intensives Betrachten strengt immer mehr an, als man gemeinhin denkt. Aus dem leichten Museumsdämmer nun (mit anfangs noch kleinen Augen) hinein ins volle Tageslicht der Theresien-Straße.

Alsbald wieder blinzelfrei nun die geplante kleine Shopping-Tour in der zentral gelegenen Kaufinger Straße. Im Modehaus Beck am Marienplatz das lange vermisste englische Eau de Toilette gekauft, in einer der Seitenstrassen bei Sport Scheck den längst benötigten Badmintonschläger - Einkaufsbummel damit beendet.

Da bereits in der Fussgängerzone unterwegs und nun gegen 13 Uhr endgültig und unwirsch vom Heißhunger gepackt, entschliesse ich mich mein Lieblingslokal im Münchner Zentrum anzusteuern: Den traditionsreichen "Augustiner" in der Kaufinger Strasse. Glück gehabt: zur Mittagszeit gerade noch einen freien Platz erwischt! Nach zwei Gläsern Augustiner-Helles und einem prima gemischten Braten mit Knödel und Salat auf zum Nachmittagsprogramm: Englischer Garten!

Doch der Reihe nach. Von der Kaufinger Strasse schnell zum Stachus und von dort mit U-Bahnline 6 Richtung Englischer Garten. Nach wenigen Minuten ist man im ersten Volksgarten Europas im Münchner Nordosten angelangt. Angelegt Ende des 18. Jahrhunderts vom Hofgärtner Ludwig von Sckell am Westufer der Isar begegnet hier das genaue Kontrastprogramm zum barock-geordneten, in allem zielgerichteten Hofgarten vom Vormittag. Obgleich selbst künstlich-akribisch von Menschenhand geschaffen suggeriert der Englische Garten in München natürlich und harmonisch sich weithin erstreckende "Natur", immer wieder abwechslungsreich aufgelockert von Lichtungen, Wäldchen, Buschgruppen und sanft ansteigenden Hügeln. Sparsam und doch regelmäßig verteilt begegnen - eben ganz in der Manier vorbildhafter englischer Landschaftsgärten - auf den Wanderwegen des Englischen Gartens immer wieder zierlich-elegante Statuen, Tempelchen und sonstige Monumente mit verspielten mythologischen Figuren und klassisch-literarischen Inschriften.

Am künstlich angelegten Kleinhesseloher See im Süden des Gartens immer wieder beeindruckend, die majestätisch-grossen Schwäne gleichsam elegant über das Wasser schwebend zu beobachten. Überhaupt ist der Englische Garten ausgesprochen wasserreich: immer wieder begegnet man den drei annähernd parallel den Englischen Garten durchfliessenden drei Bächen. In der "Hirschau", dem nördlichen Teil des Englischen Gartens und früherem fürstlichen Jagdgelände, begegnet nun mit einem fast geschlossen waldhaften, deutlich beruhigten Charakter im selben Park der so ungleiche Zwilling zum aufgelockerten, stark frequentierten Südteil.

Rast nach dem langen Wanderweg quer durch den Park tut Not - und wo besser als gleich hier im Biergarten am Chinesischen Turm. Eine Maß und eine Riesenbreze dazu lassen die Welt gleich noch freundlicher dreinschauen als heute ohnehin schon. Sieht man sich hier ein wenig um, wähnt man sich gleichsam im geographischen und kulturellen Mittelpunkt der Welt: Alle Rassen, Nationen und (so erkennbaren) Glaubensrichtungen machen den Chinesischen Turm zum wohl internationalsten Treffpunkt der Millionenstadt München.

Die Turmuhr einer der vielen Kirchen München schlägt laut vernehmlich 18 Uhr. Zeit, mich wieder Richtung Stadtzentrum in Bewegung zu setzen. Ich gehe vermeintlich zügig, aber eigentlich doch wohl mehr gemächlich - das ausgedehnte Durchwandern des wunderbaren Englischen Gartens fast über den ganzen Nachmittag scheint doch seine Spuren hinterlassen zu haben.

Nach dem Abendessen in einem der chinesischen Restaurants im "Tal" hinter dem Isartor am Ende der Fusßgängerzone steht nun der Ausklang meines Tagesausflugs an. Wo ließe sich der an einem lauen Sommerabend wie heute besser verwirklichen als mit einem Open Air-Erlebnis am Odeonsplatz im Stadtzentrum. Klassik ist angesagt! Vernünftigerweise habe ich bereits zuvor rechtzeitig online eine Konzertkarte mit guter Sicht auf die Bühne ergattert. Architektonisch imposant gerahmt von Theatinerkirche und Residenz lausche ich gebannt auf dem feierlich-dezent angestrahlten Platz den virtuosen Klängen der Musik Bedrich Smetanas, Antnin Dvoraks, Maurice Ravels und Modest Mussorgskijs. Ein unvergessliches Erlebnis!

Schon merklich erschöpft, aber vollauf mit mir zufrieden, das angepeilte Besuchsprogramm auch wirklich absolviert zu haben steige ich um 23 Uhr in den letzten Regional-Zug zurück nach Regensburg. Glücklicherweise habe ich dann bei meiner Ankunft gegen 1 Uhr nicht mehr weit nach Hause - denn im Gegensatz zu München fährt um diese Zeit in Regensburg längst kein Bus mehr.

Anonym

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