Tagesausflug nach Augsburg - Augusta Vindelicorum selbstorganisiert

- Ein Reisebericht -

Am Samstag nach Augsburg! Selbstorganisiert beschließe ich, mich der altehrwürdigen Fugger-Stadt am Lech endlich einmal einen ganzen Tag zu widmen. Der Wetterbericht verheißt ganztags angenehm frühsommerliche Temperaturen. Gute Voraussetzungen also, um eine Reihe Augsburger Sehenswürdigkeiten von ihrer schönsten Seite kennenzulernen.

Gewohnheitsmäßig für kurze Wochenentripps wähle ich den Zug, aus Erfahrung wohl wissend, dass ich von meinem Startpunkt Regensburg aus "um´s Eck" fahren muss, d. h. von Regensburg aus erst nach München, und von dort nach Augsburg. Also, 7 Uhr 15 in Regensburg in den Zug nach München, dort 8 Uhr 30 angekommen und schon 20 Minuten später weiter im Zug nach Augsburg. Bereits kurz nach Halb 10 Uhr stehe ich am Bahnsteig in Augsburg - bislang läuft ja alles nach Wunsch.

Zur Belohnung für´s tapfere frühe Aufstehen ist gleich einmal das Frühstück fällig: Im bahnhofsnah Schrannenstrasse/Ecke Bahnhofstrasse gelegenen Café Confiserie Dichtl gönne ich mir sogleich einen Cappuccino mit einer großen schwäbischen Quarktasche. Allerbeste Qualität, wie von meinen früheren Besuchen hier gewohnt, umgeben von edler Einrichtung in Mokka und Rosé. Jetzt aber los zum ersten Ausflugsziel, dem kaum fünf Minuten Gehweg entfernten Rathausplatz.

Denn das muss bei jedem Augsburg-Besuch sein: zuerst der mächtig-imposanten Fassade des Augsburger Rathauses meine Reverenz erweisen! Der monumentale "Stadtpyr"-Pinienzapfen als bronzene Giebelbekrönung gemahnt obenauf - als in Augsburg allgegenwärtiges Stadtwappen-Symbol - an Fruchtbarkeit und Wachstum der ehedem Freien Reichsstadt. Als einstiges Legionszeichen zugleich erinnernd an die ungemein reiche römische Vergangenheit der altehrwürdigen Augusta Vindelicorum. 15 v. Chr. unter Kaiser Augsutus als Legionslager und Verwaltungssitz der damaligen Provinz Raetien gegründet, war dessen exponierte Lage am Schnittpunkt von Nord-Süd- und Ost-West-Wegen strategisch unverzichtbarer Standpunkt.

Ich entschließe mich kurzerhand einen Blick in das Gebäudeinnere zu werfen. 1615-1620 vom Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl als dessen Meisterwerk geschaffen sehe ich mich unvermittelt inmitten eines der bedeutendsten Bauwerke der deutschen Renaissance. Gegen etwas Eintritt besichtige ich eingehend den mit kostbarer Kassettendecke, goldverzierten Portalen sowie historischen Malereien prunkvoll ausgestatteten Goldenen Saal sowie die nicht weniger reichhaltigen Fürstenzimmer ringsum. So haben sie also damals residiert: die reichen Patrizier und Vornehmen einer durch Handel und Goldschmiedekunst damals wohlhabendsten Städte ihrer Zeit.

Stets aufs Neue ebenso eindrucksvoll wie liebenswert: Die drei um 1600 geschaffenen Augsburger Prachtbrunnen entlang der Maximilian-Strasse, welche die historischen drei Stände der Stadt versinnbildlichen: Herrenstand, Kaufleute, Handwerkerstand.

Der Augustus-Brunnen aus dem Jahr 1594: Namentlich an den römischen Stadtgründer gemahnend sind hier - inmitten der großzügig-rechteckigen Brunnenanlage bekrönt von einer Augustus-Statue - die vier Augsburg durchfließenden Gewässer Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach allegorisch verkörpert wie real rauschend vernehmbar.

Weiter zum Moritzplatz: Hier erwartet mich der Merkur-Brunnen mit der weithin dominierenden Figur des namengebenden römischen Handelsgottes mit Flügelhelm und Schlangenstab als Glücks- und Friedenssymbol für die Stadt.

Zum Abschluss der Brunnen-Trilogie stehe ich vor dem imposanten Herkules-Brunnen unmittelbar vor dem Schaezler-Palais. Die hier verbildlichte antike (Halb)Gottheit ist eindrucksvoll personifizierter Ausdruck der Zähmung naturhafter wie menschlicher Kräfte.

Gegen mittlerweile 12 Uhr 30 verdient anstehend begebe ich mich zum Mittagessen zurück zum Rathaus in den dortigen historisch-gutbürgerlichen Ratskeller. Meine Wahl fällt auf eine bisher noch ungekostete schwäbische Spezialität: Schwäbischer Ziebelrostbraten mit Spätzle und Salat. Begleitet wird der wirklich empfehlenswerte Gaumenschnauß von einem Glas süffigem Augsburger Riegele-Bräu. Nach Bezahlung des für gebotenes Ambiente sowie Großstadtverhältnisse wirkliche akzeptablen Preises steht nun das Nachmittagsprogramm an.

Lange schon für einen Augsburg-Besuch geplant, steht nun eine eingehende Besichtigung der Fuggerei auf dem Plan. Diese historisch vollständig erhaltene "Stadt in der Stadt" an der Jakoberstraße mit eigener Umfassungsmauer, Zugangstoren und Kirche bildet den Mittelpunkt der östlichen Augsburger Altstadt. Der Bequemlichkeit halber schließe ich mich gegen 13 Uhr 30 für erträgliche 3€ einer der regelmäßigen Führungen an. Bereits 1521 vom steinreichen Augsburger Kaufmann und städtischen Ratsherren Jakob Fugger im 16. Jahrhundert für notleidende Augsburger Bürger gestiftet sieht sich der heutige Besucher hier der ältesten (bis heute genutzten und erhaltenen) Sozialsiedlung der Welt gegenüber. Das wohl Erstaunlichste daran: die praktisch baugleich gestalteten, efeuüberwucherten 67 Häuser mit ihren insgesamt 140 Wohnungen werden noch heute von bedürftigen Bürgern der Stadt gegen Entrichtung einer symbolischen Jahresmiete bewohnt - mit Grundstandards heutiger Technik versteht sich. Tatsächlich scheint in der völlig unvermindert ihrem Stiftungszweck gemäß sozial verpflichteten Fuggerei-Siedlung die Zeit über fünf Jahrhunderte hinweg schlichtweg stehen geblieben zu sein. Eine Welt ganz eigener Art, welche alleine schon einen Augsburg-Besuch wert ist.

Von der Fuggerei aus steuere ich zielstrebig das nächste Objekt meiner Begierde an: den Oberen Graben südwärts entlang schlendernd stehe ich alsbald in der Spitalgasse vor ihr: der Augsburger Puppenkiste. Zahllosen Kindergenerationen vor Bühne und Fernseher zum Symbol einer eigenen, märchenhaft an Fäden hängenden Welt geworden ist sie trotz mittlerweile 70-jährigem Lebensalter immer noch höchst aktiv. Die Nachmittags-Vorstellung ist heute leider schon ausverkauft - zu schade, dann eben gleich ins angrenzende Puppenkisten-Museum. Dort stehe ich bald ehrfürchtig den aus Lindenholz geschnitzten Original-Puppen, nein, den immer noch höchst lebendigen Helden meiner Fernseh-Kindheit gegenüber: Urmel aus dem Eis, Jim Knopf, die kleine Hexe und meinen absoluten Favoriten: der tollpatschig-unermüdlichen Blechdosen-Armee.

Wieder an der frischen Luft vernehme ich bereits den 18 Uhr-Glockenschlag von der nahe gelegenen spätgotischen St. Ulrich und Afra-Kirche und mache mich unversehens auf Richtung Abendessen. Einzunehmen gedenke ich dies im "König von Flandern" im ehemaligen Bader-Haus in der Karolinenstraße unweit von Rathaus und Augsburger Dom. Im rustikal-gemütlichen Traditionslokal mit eigener Brauerei lasse ich mir einen opulenten Schwabenteller (verschiedene Bratensorten mit Schupfnudeln) sowie das hausgebraute naturtrübe Drei-Heller-Bier bestens munden.

Meine abschließende Besuchsaktion soll sich dem bedeutendsten Sakralbau der Stadt widmen: dem Augsburger Dom. Da im unmittelbaren Altstadt-Zentrum gelegen von mir binnen weniger Minuten erreicht begrüßt mich seine unverkennbare Silhouette in der langsam einsetzenden Dämmerung. Bereits im 9. Jahrhundert begründet sieht man sich bei seiner heutigen Gestalt freilich großteils einem neugotischen Umbau des 19. Jahrhunderts gegenüber. Im geheimnisvollen Inneren empfangen mich nun originale romanisch-gotische Fresken und Gewölbemalerein sowie die Bischofskrypta unter dem Westchor. Lange verweile ich noch im Abendlicht vor seinen markant in den Himmel ragenden grün-kupfernen Turmhelmen.

Tatsächlich neigt sich mein Augsburg-Tag nun gegen 22 Uhr schon wieder seinem Ende entgegen. Noch ein kurzes Vale! an die antik-moderne Schwaben-Metropole und hinein in den abendlichen Regional-Zug nach der bayerischen Landeshauptstadt.

Augsburg

Anonym

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