Aktuelle Reisehinweise - Deutschland: Verbot touristischer Übernachtungen bis 20. Dezember 2020

Tausendundeine Nacht

- Ein Reisebericht -

Ich möchte Ihnen im Folgenden eine kleine Impression aus meinem letzten selbstorganisierten Urlaub nach Ägypten schildern...

Unter mir schien sich die Erde zu bewegen. Ich wankte von einer Seite zur Anderen. Das Tempo beschleunigte sich sodass mir die Höhe immer mehr bewusst wurde. Ich versuchte mich auf den weitreichenden Horizont zu konzentrieren. Auf dem Kamel namens Doaa ritt ich den Sanddünen der Arabischen Wüste, westlich vom bekannten Urlaubsort Hurghada, entgegen und erfreute mich der strahlenden Sonne. Wie es die Tradition pflegte, umhüllte ich meinen Kopf mit einem Stoff-Truban um meine Augen vor den Sandkörnern zu schützen. Wie ich dann auch später feststellte, war das eine absolut notwendige Einrichtung. Der Wind wurde gegen Abend immer stärker. Der Sand peitschte ohne Erbarmen gegen jede offene Hautstelle und hinterließ ein leises Brennen.

Nach kurzem Ritt auf den Kamelen wechselten wir auf vierrädrige Wüstentraktoren. Unsere Gruppe bestand gerade aus sieben Personen verschiedenster Nationen. Auf diese Weise kommunizierten wir alle auf Englisch, damit wir uns gegenseitig verstehen konnten. Und los ging die zweistündige Fahrt quer durch die Sandwüste in Richtung Zeltplatz der Beduinen. Wir forderten einander gegenseitig laufend heraus und unternahmen ein Überholmanöver nach dem Anderen. Das war ein Spaß! Verspielt wie Kinder lachten und übertrumpften wir uns bis wir erschöpft und hungrig das Camp erreichten. Die Sonne war bereits am Horizont hinter den Bergen verschwunden und die Nacht war eingebrochen. Es wurde kühl. Die zahlreichen Sterne am Himmel schienen zum Greifen nahe.

Der Sandboden vor uns war mit mehreren, großen Teppichen belegt und lud zum gemütlichen Zusammensein ein. Der Rand der rechteckigen Sitzfläche wurde mit Kissen ausgestattet. Bevor wir Platz nahmen, schüttelten wir den angesammelten Sand von unseren Kleidern und reinigten uns gegenseitig die Gesichter. Danach wurde uns zur Begrüßung der traditionelle Chai gereicht um uns aufzuwärmen. Das ist ein auf natürliche Weise zubereiteter Schwarztee, welcher vorzüglich schmeckt. Nachfolgend servierten die Männer in langen, weißen Gewänder, auf Feuer gegrillte Fleischstücke gefolgt von Reis und Salat. Alles zusammen war traumhaft köstlich und erinnerte an ein Leben vor unserer Zeit. Als dann alle satt in die Kissen sanken, plauderten wir noch ein wenig über Gott und die Welt. Die Dunkelheit umgab uns wie ein Mantel. Unendliche Stille trat ein, dass es fast unheimlich wurde. Wolfshäulen war aus der Ferne zu hören. Instinktiv rückten wir alle näher zum Feuer. Die Männer räumten rundherum alles auf und wir brachen auf und machten uns schleunigst auf den Rückweg in die Zivilisation von Hurghada.

Kaum erkannten wir aus der Ferne Lichter der Schnellstraße nach Hurghada, erfasste uns auch gleich wieder eine Art Wehmut. Doch mussten wir akzeptieren, dass alles mal vorüberging.

A. Grozdek

Hurghada