Urlaub in Unterfranken

- Ein Reisebericht -

Ein Urlaub in Unterfranken, in der Nähe von Kitzingen, das klingt nicht gerade besonders spannend. Doch gerade diese versteckte Lage finde ich inzwischen so reizvoll. Wie immer reisen wir von München mit dem Zug an und lassen uns vom Taxi am Bahnhof in Iphofen, zwischen Nürnberg und Würzburg gelegen, abholen. Doch warum gerade hier? Natürlich könnte man auch einfach in dem kleinen mittelalterlichen Städtchen mit seinen Gassen und dem Kopfsteinpflaster Urlaub machen. Doch es gibt noch eine Besonderheit: Langsam schiebt sich beim Anfahren auf Rödelsee eine Erhöhung ins Bild, der Schwanberg. Dieser Ausläufer des Steigerwaldes ist nur 500 m hoch, aber erhebt sich deutlich aus dem Tal des Mäins bei Kitzingen. Und dort oben stehen und die Rundumaussicht genießen macht für mich einen großen Teil der Erholung aus. Da - spielzeugklein die Häuser von Rödelsee, Mainbernheim und wie die Orte alle heißen, hinten Kitzingen und die Mainschleife, in der Ferne die ersten Höhen der Rhön.

Die Unterbringung als Urlaubsgast im Kloster ist ebenfalls etwas, was man nicht alle Tage hat. Das Schloss auf dem Schwanberg mit seinen Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert ist ein liebenswerter "alter Kasten", verwinkelt mit zwei imposanten Wehrtürmen und einer auf den ersten Blick unerschöpflichen Anzahl an Treppenhäusern und Durchgängen, in denen man sich trefflich verlaufen kann. Fürstlich residiert man in der so genannten "Grafenetage", in der früher tatsächliche ein veritabler Graf gewohnt hat. Jedes Zwischengeschoss trägt nämlich einen eigenen Namen. Doch auch die Zmmer im "Taubenschlag", dem zweiten Obergeschoss, mit Blick über das weite Land, Wälder, Äcker und Weinberge, geben einem schnell das Gefühl, in der eigenen Adelsresidenz Hof zu halten.

Die auf dem Schwanberg in einer Kommunität lebenden Schwestern tragen mit zu einem Heimatgefühl bei, das sich hier immer schnell bei mir einstellt. Die Teilnahme an den Stundengebeten ist dabei immer freiwillig, doch der Tag wird durch die Gebetsglocke der St.-Michaels-Kirche strukturiert und das ist ganz anders als sonst, wo man sich dem Diktat von Wecker und U-Bahn-Fahrplänen unterwirft. Jetzt noch schnell ein Abstecher zum Aussichtsberg, dem Kappelrangen, um den Sonnenuntergang zu beobachten und den Tag gebührend zu verabschieden.

Am nächsten Tag steht ein Besuch bei einem Weingut unten in Iphofen auf dem Programm. Die Weinbauern

leiden unter der ungewöhnlichen Witterung, Trockenheit kombiniert mit späten Nachtfrösten, und das Mitte Mai! Wir beobachten gespannt die Abfüllung eines Weißweins aus dem Jahr 2010, ein so genannter Rieslaner, Mischung aus Riesling und Silvaner. Die ganze Familie vom Opa bis zum Schulkind hilft mit und man sieht, dass hier jeder Handgriff sitzt. Weinberge, schöne Landschaft und jede Menge Erholungsmöglichkeiten, das macht für mich einen solchen Urlaub aus, und wenn man dazu nicht in die Ferne fliegen muss, umso besser.

Rödelsee