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VON WÜRZBURG NACH MESPELBRUNN UND ZURÜCK

- Ein Reisebericht -

VON WÜRZBURG NACH MESPELBRUNN UND ZURÜCK

Von Würzburg fuhren wir auf der Autobahn in Richtung Frankfurt. Unser Ziel war der Spessart, genauer das Schlösschen Mespelbrunn. Links und rechts der Autobahn wurde die Landschaft hügeliger und die Kuppen der Erhebungen waren immer öfter bewaldet, dann bedeckte Wald auch die Hänge der Hügel und schließlich waren wir mitten drin im tiefsten Spessart. In der Fantasie erschienen mir die Reisenden auf dem Weg ins Hauff‘sche Wirtshaus, die Kutschen der Vornehmen und die zu Fuß wandernden Handwerksburschen. Und hinter den Bäumen lauerten die Räuber auf Beute. Ich sah die junge Lieselotte Pulver wieder vor mir wie in den Tagen meiner Kindheit, als das erste deutsche Fernsehen einen Film ausstrahlte, in dem sie eine junge Adelige spielte, die von den Räubern entführt wird. Dann im dunklen Wald kein unheimliches Wirtshaus, sondern ein grüner See um ein rotes Schlösschen – Mespelbrunn.

Der Ort ist verbunden mit dem Namen Echter, der im Frankenland jedem Kind bekannt ist durch den bedeutendsten Spross der Familie, Julius Echter, Fürstbischof von Würzburg, Gründer der dortigen Universität und des Juliusspitals, zu dem von allem Anfang an ein Weingut gehörte, das heute das zweitgrößte in Deutschland ist. Ich erinnerte mich an eine Anekdote aus meiner Jugendzeit. Ein wohlhabendes Paar soll den Fürstbischof gebeten haben, Pate zu stehen für ihr neugeborenes Kind. Julius Echter nahm an und schenkte seinem Patenkind ein feines in Holz gearbeitetes Kästchen. Gierig und voller Erwartung einer reichen Gabe öffneten die Eltern des Täuflings den Deckel, sahen aber nichts weiter als eine goldgelbe Traube. Enttäuscht und verärgert wiesen sie das Geschenk zurück. Da nahm der Fürstbischof aus einem geheimen Fach des Kästchens eine Schenkungsurkunde des Schlosses Mespelbrunn, das er somit behalten hat und das seine Nachkommen bis heute bewohnen.

Sie nutzen den Südflügel, während der Nordflügel für Besichtigungen offensteht. Wir traten ein in den Rittersaal und ließen uns in alte Zeiten versetzen, in eine Zeit, in der Ritter in ihren Rüstungen zum Kampf auszogen, in der Wachen mit Hellebarden vor den Türen und Toren standen und oben im Salon und im Esszimmer Frauen in langen Gewändern und Männer mit Bärten saßen, aus Zinngeschirr speisten und aus großen Pokalen tranken. Die Holzschränke damals waren noch massiv und schwer, mit gedrechselten Säulen und Einlegearbeiten. Wunderschöne Vasen und gewaltige Bilder schmückten die Zimmer.

Zurück nach Würzburg fuhren wir wieder erst durch dunklen Wald, aber auch durch kleine Dörfer und Städtchen mit Häusern gebaut aus Spessartbundsandstein, dessen Rot so harmonisch zum tiefen Grün des Waldes passt. Langsam schmiegten sich an die Hügel Wiesen, bald Weinberge, nur noch die Gipfel waren bewaldet. Die Landschaft öffnete sich. Wir verließen den Spessart – und erreichten Bad Mergentheim. Im exklusiven Kurpark gingen wir eine Stunde spazieren. Vom Kursaal her erklang leise Musik. Hier kann man wirklich gesund werden. Das Heilwasser jedoch, das wir neugierig probierten, schmeckte uns gar nicht und wir waren froh, keine Kurgäste zu sein. Von Bad Mergentheim fuhren wir durch die weite Ebene des Ochsenfurter Gaus und gelangten schließlich wieder nach Würzburg.

Mespelbrunn

anonym