Von Cuxhaven nach Hamburg

- Ein Reisebericht -

Reisen? Was bedeutet das eigentlich? Ist Urlaub gemeint? Oder Erholung? Erleben? Oder das simple Vorankommen von A nach B? Die Antwort fällt nicht leicht. Vielleicht ist es von allem ein bisschen. Deutlich wird das vor allem dann, wenn man nicht ins Auto, ins Flugzeug, in den Zug steigt, sondern lediglich einen Esel zu Hilfe nimmt, einen Drahtesel ...

Fischgeruch und Sonnenschein

Das Schöne an einer solchen Reise ist, dass kaum Kleinigkeiten in der Eile des Urlaubs verloren gehen. Schlicht und einfach aufgrund der Tatsache, dass da keine Eile ist. Es bleibt nicht nur der ranzige Geschmack der Wurst zum Frühstück im Gedächtnis, sondern auch die Tatsache, dass Krabben und Fisch gar nicht so beißend riechen, wie man vorher gerne geglaubt hat. Man hat Zeit innezuhalten. Schon am Morgen den Sonnenaufgang am Strand zu genießen. Im Hafen die Schiffe zu beobachten. Die Möwen. Den blanken, weiten Himmel, der irgendwo am Horizont das Meer verschluckt.

Schafe und Wind

Nach dem Hafen kommen die Deiche, deren Grün von grauen Wegen durchzogen ist. Linker Hand liegt die Elbe, rechter Hand flache Wiesen und wenige Wälder. Zwei Dinge scheint es hier im Übermaß zu geben: Zum einen Schafe und zum anderen Wind. Ersteres, weil sie in ungezählter Zahl den Elbdeich bevölkern und ebenso zahllose Gattern entlang des Weges geöffnet werden müssen. Letzteres, weil sich die Bäume hier oben drehen, Wälder aus Windrädern, und weil sich die wenigen echten Bäume mit gekrümmten Rücken ins Inland beugen.

Äpfel und Apfelkorn

Ein Frachter zieht eilig an uns vorbei, ein Riese, ein Ungeheuer. Ein Deichdorf heißt uns willkommen: roter Backstein, rettgedeckte Dächer, Ruhe ... Nachmittags erreichen wir das Alte Land. Zwischen Sonne und Wind und Apfelbäumen rasten wir. Netze bedecken riesige Felder, eine Flut an Obstbäumen. Überall große Höfe mit hübschen Läden. Langsam schlägt das Wetter um, die Sonne weicht, der Wind wird stärker. Wir frösteln. Jetzt kommen einem wieder die vorherigen Gedanken über das Reisen in den Sinn: Erholung ist es nun keine mehr. Ein Erlebnis? Bestimmt. Aber vor allem - als mit den Ausläufern der Hansestadt der Wind erste Regentropfen ins Gesicht peitscht - ein Vorankommen von A nach B. Wir zittern, als wir auf die Fähre warten, die uns auf die andere Elbseite bringt. Eine andere Radlergruppe zittert mit uns und einer holt Schnaps aus seiner Satteltasche. Mit einem warmen Grinsen hält er uns einen Becher entgegen, ebenso warm fühlt sich der Apfelkorn auch im Bauch an ...

Nun liegt die Hansestadt Hamburg vor uns. Irgendwo die Stahlgerüste der Hafenkrähne, irgendwo der alte Michel. Nach 126 Kilometern und bleischweren Gliedern hat man die Sicherheit, dass man sehr viel "erfahren" hat.

Anonym

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