Zur Kulturellen Landpartie ins Wendland

- Ein Reisebericht -

Jedes Jahr findet von Himmelfahrt bis Pfingsten die "Kulturelle Landpartie" im Wendland, Landkreis Lüchow - Dannenberg, statt. Wendland, wird sich manch einer fragen. Wo ist das? Spätestens wenn man den Ortsnamen Gorleben fallen lässt, dürfe es klar sein. Und da gibt es eine, äh, wie heißt das noch? Geboren aus der Idee, den Widerstand gegen das Atommüllendlager zu unterstützen, erfreut sich die "Kulturelle Landpartie" mittlerweile einer großen Beliebtheit und für einige Tage ist das sonst so beschauliche Wendland beinahe überschwemmt von Menschen, die auf der Suche nach Inspiration, nach Originalität, nach einem neuen Bild, nach einer kleinen Skulptur für ihre Fensterbank oder einfach nach Begegnung sind. Wenn man die "Kulturelle Landpartie" erleben möchte und zu denjenigen gehört, die keine entfernten Bekannten, Freunde oder gar Familienmitglieder mit Resthof im Wendland als temporäre Gastgeber hat, sollte man frühzeitig eines der vielen "Bed&Breakfast"-Angebote buchen. Mancher Orts ist auch das Zelten erlaubt, so zum Beispiel in Prießeck, wo die Kuhweide für die 10 bis 11 Tage zum Campingplatz umfunktioniert wird. Ich hatte mir einen Platz im Heuhotel "Regenbogenhof" in Mützen gesichert und da es das Wetter zuließ, wählte ich bei Ankunft ein preiswertes und überaus uriges Übernachten auf der Tenne, heißt: in meinem Schlafsack im Heu. Bei kühlen Temperaturen kann man, gegen Aufschlag und falls noch zu vergeben, auch auf ein Zimmer im großzügig gehaltenen Haus ausweichen.

Schon am Ankunftstag machte ich mich mit meinem Fahrrad und mit Hilfe des Wegweisers der Landpartie auf den Weg zu den ersten Ausstellungspunkten. Der Wegweiser ist sehr empfehlenswert, da er Touren vorschlägt, die mit Rad, KFZ oder aber per extra eingesetzten Bussen prima abzufahren sind. Für ein paar EURO erhält man ihn in den Touristik-Zentren im Landkreis, aber auch auf fast allen Tankstellen und in den Zeitungsläden.

Ich war mit meinem Rad natürlich nicht allein auf der Straße. Das Fahrrad spielt eine gewichtige Rolle während der Tage der "Kulturellen Landpartie". Mieträder sind grundsätzlich schon drei Monate vor Beginn der Veranstaltung nicht mehr zu haben. Wer es dennoch versuchen möchte, kann es bei "Farben Klahn" in Clenze probieren. Dort gibt es ein kleines, aber gut sortiertes Kontingent an Rädern für die ganze Familie.

Den Widerstand trifft man übrigens immer noch an allen Ecken und Enden dieser einmaligen Veranstaltung, die Maler, Literaten, Installateure, Handwerker, Bauern, Sänger, Theatermimen, Konditore und Entertainer auf unvergleichliche Weise vereint und zusammenschweißt. Ich habe meine Tage im Wendland genossen und bin voller neuer, auch nachdenklicher Eindrücke in die Großstadt zurück gekehrt.

Ich habe Menschen getroffen die, unabhängig von Berufsstand oder sozialem Hintergrund, gemeinsam etwas auf die Beine stellen und daran glauben, etwas zu bewegen.

Mein Fahrrad hat mir eine unvergesslich schöne und entschleunigte Reise durch eine wundervolle Landschaft geschenkt. Sonnengelbe Rapsfelder, saftig grüne Wiesen, kleine Sandbuchten der Elbe entlang, baumgesäumte Straßen. Und jede Tour führte mich zu anderen Verantsaltungsorten, die alle ihren ganz eigenen Zauber inne hatten. Ob es die "Mützingenta" war, die mich an einen Gauklermarkt erinnerte oder aber Corvin, mit seinem alten Schloß und dem wunderbaren Chor,der an jenem Abend dort auftrat. Oder vielleicht auch Billerbeck, angefüllt mit Kräuterführungen, Schmiedekunst und Drachenbauen. Fast jedes noch so kleine Dorf öffnet in der Zeit von Himmelfahrt bis Pfingsten seine Tore und lässt seine Künstler auf die Bühne.

Ich habe mir dieses Jahr einen kleinen, handgewebten Teppich gekauft. In liebevoller Kleinarbeit sind dort zahlreiche Sonnen eingewebt. Und in der Mitte schwebt, wie sollte es anders sein: die Wendland - Sonne.

Andie Seul

Clenze

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